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Home›Düsseldorf›Aktuelles›Düsseldorf Derendorf: Seit zehn Jahren gibt es den Erinnerungsort Alter Schlachthof

Düsseldorf Derendorf: Seit zehn Jahren gibt es den Erinnerungsort Alter Schlachthof

Von Ute Neubauer
14. Mai 2026
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Dr. Joachim Schröder begrüßte die über 120 Gäste
An der Münsterstraße, gleich neben dem Derendorfer Bahnhof, befindet sich der Campus der Hochschule Düsseldorf (HSD). Früher gab es dort den städtischen Schlachthof.

Der Erinnerungsort Alter Schlachthof auf dem Gelände der HSD

Dessen Großviehmarkthalle war während der NS-Zeit einer der zentralen Orte der Deportationen von Düsseldorf aus. Fast 6.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf wurden in dieser Halle zu insgesamt sieben Transporten zusammengetrieben. Nach ihrer Registrierung und Durchsuchung, bei denen ihnen die meisten Wertgegenstände genommen wurden, verbrachten sie eine Nacht in der Großviehmarkthalle, bevor sie am nächsten Morgen vom nahe gelegenen Derendorfer Güterbahnhof in Ghettos im besetzten Osteuropa deportiert wurden. Die Fahrten ging nach Łódź, Minsk, Riga, Izbica und Theresienstadt. Oft waren die Ghettos nur Zwischenstationen auf dem Weg in weitere Konzentrations- und Vernichtungslager. Nur etwa 400 Menschen überlebten die Shoah. Seit 1986 gab es eine Erinnerungstafel auf den Gelände der HSD an die Deportationen.

In der Bibliothek stehen die originalen Tröge aus dem Schlachthof

2016 wurde der Erinnerungsort Alter Schlachthof eröffnet, nachdem sich Studierende dafür eingesetzt hatten. In dem Gebäude der ehemaligen Großviehmarkthalle ist der Erinnerungsort entstanden, aber auch die Campus-IT und die Hochschulbibliothek haben dort ihren Platz gefunden.

In einer ehemaligen Pferdehalle an der Rather Straße befindet sich das Gebäude 7 auf dem Hochschulgelände, wo das 10-jährige Berstehen des Erinnerungsorts Alter Schlachthof gefeiert wurde

Am Dienstag (12.5.) hatte die Hochschule zur Feier des zehnjährigen Bestehens des Erinnerungsortes Alter Schlachthof eingeladen. Über 120 Gäste folgten der Einladung, darunter auch Nachkommen der Deportierten, die zum Teil weite Anreisen in Kauf genommen hatten oder der Veranstaltung im Online-Stream folgten.

Unter den Gästen waren auch zahlreiche Nachkommen von Deportierten, die zum Teil weit angereist waren

Die Veranstaltung würdigte die Entwicklung des Ortes als zentralen Lern- und Gedenkort zur NS-Verfolgungsgeschichte. Nach der Begrüßung durch den Leiter des Erinnerungsortes, Dr. Joachim Schröder, betonte die Präsidentin der HSD, Prof. Dr. Edeltraud Vomberg: „Der Erinnerungsort Alter Schlachthof steht exemplarisch für die Verantwortung von Hochschulen, historische Aufarbeitung, Forschung und gesellschaftliches Engagement miteinander zu verbinden. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung ist es wichtig, Orte des Erinnerns lebendig zu halten und sie aktiv in Lehre und Öffentlichkeit einzubinden.“ Sie betonte aber auch, dass es immer noch keine gesicherte Finanzierung dieser so wichtigen Arbeit seitens des Landes NRW gebe.

Die Präsidentin der HSD, Prof. Dr. Edeltraud Vomberg

Dr. Schröder und das Team der Hochschule seien auf Projektfinanzierungen angewiesen und in Zeiten knapper Kassen erfordere dies viel Engagement und Kreativität. Vomberg appellierte an alle, den Angriffen auf die demokratische Ordnung entgegenzutreten. Die HSD und der Erinnerungsort seien Orte, an denen Haltung gezeigt werde. So hätten die Studierenden zwei Flächen auf dem Gelände mit den Namen „Platz der 6000“ und „Platz der Vielfalt“ benannt, um damit die Verpflichtung zu verdeutlichen, die demokratischen Werte zu verteidigen.

Dr. Schröder vermittelte mit Bild- und Ton-Dokumenten eindrucksvoll, wie die Deportationen damals stattfanden

Dr. Schröder verband bei der Veranstaltung Rückblicke auf die Entstehung und Entwicklung des Erinnerungsortes mit persönlichen Perspektiven und Eindrücken von Zeitzeugen. Denn eine der wichtigsten Aufgaben des Erinnerungsortes ist es, die Verbrechen des NS-Zeit zu rekonstruieren und zu dokumentieren. Dazu gehören die Nachwirkungen der NS-Herrschaft ebenso wie die Recherche der Biographien der Deportierten und der Menschen, die ihnen gegen das Vorgehen der Nazis halfen.

Die Arbeit des Erinnerungsortes gerate aktuell immer mehr unter Druck, berichtete Schröder. Denn es sei ein klares Bestreben der Rechten zu erkennen, die Medien, die Unabhängigkeit der Justiz und auch das Bildungssystem zu beschränken. Allerdings zeigten zahlreiche Briefe und Mails der Nachfahren der Deportierten auf, wie wichtig die Arbeit des Erinnerungsortes nicht nur für sie sei. Eindrucksvoll waren die Einspielungen von Zeitzeugenberichten, wie sie die Situation in der Großviehmarkthalle empfunden haben. Mehrfach wurde betont, dass niemand der Düsseldorfer*innen damals sagen durfte, man habe das nicht gesehen oder bemerkt. Viele hätten hinter den Gardinen gestanden und beobachtet, wie Hunderte in den Schlachthof getrieben wurden. Den Zeitzeugen bedeutete es sehr viel nochmal an den Ort zurückzukehren und die Würdigung durch den Erinnerungsort zu erleben.

Der Erinnerungsort Alter Schlachthof hat zahlreiche Biographien von Deportierten aber auch von Helfer*innen zusammengetragen

In der Dauerausstellung des Erinnerungsortes können Dokumente, Fotos und Videoaufzeichnungen besichtigt werden. Und das ohne Anmeldung, denn das Gebäude ist Montag bis Freitag von 9 bis 22 Uhr und am Wochenende von 11 bis 22 Uhr zugänglich. Neben der Dokumentation des Geschehenen sieht der Erinnerungsort seine Aufgabe in der Prävention und Bildungsarbeit zum Schutz der Demokratie.
Das Team der Erinnerungsortes steht gemeinsam mit der Mahn- und Gedenkstätte in engem Kontakt mit noch lebenden Zeitzeugen und deren Nachkommen. 300 Lebensgeschichten konnten bereits dokumentiert werden. Seit 2023 gibt es auch einen Audioguide, mittlerweile auch in leichter Sprache, auf Russisch und Hebräisch. Aber auch mit Gedenkstättenfahrten und verschiedenen Projekten versucht das Team des Erinnerungsortes gemeinsam mit der HSD und anderen Trägern im Rahmen der Erinnerungs- und Demokratiearbeit Menschen für die Themen zu interessieren.
Weitere Informationen über den Erinnerungsort Alter Schlachthof gibt es hier. 
StichworteErinnerungsort Alter SchlachthofHSD
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