Düsseldorf: Premiere des Art:Walk Festival – wie geht es weiter?

Die ehemalige Nacht der Museen hieß in 2026 Nacht der Künste und wurde am 18. April in rund 40 Locations in Düsseldorf und Neuss gefeiert. Der Besucherandrang blieb in diesem Jahr hinter den Zahlen vergangener Jahre zurück. Organisiert wurde das Event von einer Frankfurter Agentur. Vielleicht war das bereits ein Hinweis auf die Verwirrung der kulturinteressierten Menschen, denen an diesem Wochenende (13. und 14.6.) der Art:Walk unter Federführung von Stadt und Visit Düsseldorf präsentiert wurde.

Überall in der Stadt wiesen Banner auf das Event hin, detaillierte Infos über das Programm musste man aber suchen
Ein Abendprogramm, aber auch Menschen, die lieber tagsüber unterwegs sind, konnten den Art:Walk genießen. Denn am Samstag öffneten von 16 bis 24 Uhr zahlreiche Ausstellungshäuser ihre Türen und boten Sonderprogramme, Führungen und Einblicke in die Häuser – darunter Kunstsammlung NRW, Kunstpalast, Aquazoo Löbbecke Museum, SchifffahrtMuseum oder WELTKUNSTZIMMER, ZERO foundation und viele mehr. Am Sonntag folgte von 12 bis 17 Uhr der Tag der Bühnen. Das Düsseldorfer Schauspielhaus, die Deutsche Oper am Rhein, das tanzhaus nrw, der KreativRaum D, das zakk, das KaBARett Flin und weitere Spielstätten luden zu Aufführungen, Mitmachangeboten und Blicken hinter die Kulissen ein. Außerdem gab es zahlreiche Aktionsflächen im öffentlichen Raum, wie dem Ehrenhof, dem Grabbeplatz, im Alten Hafen, auf der Bilker Straße oder dem Worringer Platz. Die Besucher*innen erwarteten unter anderem Straßenfeste, Improvisationstheater, Live-Musik, Tanz, Performance und Partys.

Wo es bei der Nacht der Museen vor Menschen wimmelte, der Weg illuminiert war und das Leben pulsierte, war es am Samstagabend eher ruhig am Ehrenhof
Wenig Transparenz
Statt einer Übersicht, anhand der die Besucher*innen erkennen konnten, was, wann und wo stattfindet, bot der Art:Walk Flyer lediglich Routenvorschläge und entsprechend eher Infos für Menschen, die sich überraschen lassen wollten. Dafür war aufgezeigt, dass man beispielsweise in 19 Minuten zu Fuß vom Musikpavillon im Hofgarten zum Central gelangt. Alternativ waren die Haltestellen des ÖPNV angegeben, denn mit dem Festival-Ticket hatte man kostenfrei Fahrt. In der Museeumsnacht verkehrten zusätzlich Shuttlebusse und Oldiebahnen, da die Orte von Aquazoo über Lörick und Hafen bis nach Flingern reichten. Die Webpräsenz zum Festival zeigte zwar auch einzelne Veranstaltungen an, die Suche danach war allerdings mühsam.

Diese Besucherinnen hatten ihre Musik in den Kopfhörern
Was Ddorf-aktuell beim Art:Walk erlebte
Das Nashorn war eher einsam. So wie es da im Ehrenhof lag. Natürlich waren ein paar Menschen da. Tanzten mit Kopfhörern auf den Ohren. Futterten Fritten. Schlenderten mit der Art:Walk-Karte in der Hand. Aber ganz ehrlich – was bei der Nacht der Museen die Herzkammer des Abends ist, war an diesem Samstagabend verweist. Die großzügig dimensionierten Besucherschleusen vor den Museumstüren blieben unbefüllt. Man hatte offenbar mit deutlich mehr Andrang gerechnet.

New Design from Düsseldorf – Yes, please – aber bitte mit viel Majo
Am anderen Ende des Gesolei-Ensembles quälte sich die Big Band der Robert-Schumann-Musikschule auf einer viel zu kleinen, lieblos an den Rand gedrängten Bühne durch das Repertoire. „Zugabe“-Rufe blieben unerhört – es war keine Zeit. Passend dazu hatte ein Schelm einen Pommes-Wagen direkt vor das NRW-Forum platziert. Dort wo „New Design aus Düsseldorf“ zu sehen ist, roch es nach Frittenfett.

Ein dutzend Künstler*innen im Raum für Kunst
Zwei Tage Art:Walk Festival boten viele Perlen, es gab viel zu entdecken. So wie die zwölf Frauen im Raum für Kunst an der Börnestraße 10b. Durch eine dunkle Garage, vorbei an einem Ferrari und weiteren Kronjuwelen zeigten die Düsseldorfer Künstlerinnen e.V. ihre Bilder und Skulpturen. Es lief Techno aus einer Blue Tooth-Box. Und auf Nachfrage, kam auch ein Dutzend Künstlerinnen aus dem Hinterzimmer.

Auch die Zero-Foundation öffnete ihre Türen für den Art:Walk
In der Zero Foundation sagte die Aufsicht: Es ist heute schon mehr los als an anderen Samstagen. Gegen 22 Uhr standen rund 100 Besucher*innen auf ihrer Strichliste, die sich im Hinterhof der Hüttenstraße 104 Fotografien von Hans Mack angesehen haben.

Besucher*innen bei Mack und Co. Hinter Glas – ein Blick in das damalige Atelier.
Vielleicht braucht der Art:Walk drei, vier Ausgaben, um zu reifen. Eine bessere Programmübersicht. Ein entzerrtes Programm, statt die erschlagende Vielfalt.

Der Leiter des Jungen Schauspiels: Stefan Fischer-Fels, begrüßte bei der art Parade am Central
Am Sonntag zeigte sich die Kunst-Stadt Düsseldorf auf ihrem neuen Sparkurs. Um 16.30 Uhr startete die Parade am Central und zog singend und tanzend durch das Quartier zwischen Hauptbahnhof und Worringer Platz. Mit dabei waren Zauberkünstler*innen und Akrobat*innen. Kulturdezernentin Miriam Koch legte auf dem einzigen Lkw der Art:Parade selbst die Mucke auf. Das war skurril und wegweisend.

Kulturdezernentin Miriam Koch nahm an der Parade nicht bloß teil – sie legte auch als DJane auf.
Ein FFT-Theaterstück begeistert eine Besucherin, die aber auch sagte: „Da bin ich nur durch Zufall hineingeraten.“ Mit der Parade sollte der große Abschluss des Art:Walk Festivals gefeiert werden – aber kaum jemand wusste davon. Daher kamen nur wenige Zuschauer*innen.

Eine Parade mit Botschaften
Beim Art:Walk gibt es viel Raum für Verbesserungen. Die Frage ist nur, ob die Premiere beim derzeitigen Sparkurs der Stadt ein einmaliges Event bleibt.