Düsseldorf Himmelgeist: Der Brückenlauf geht nach 20 Jahren über die Ziellinie

Nach 2 Stunden, 56 Minuten und 31 Sekunden war eine Ära nach 20 Jahren erst einmal zu Ende. Mit der Startnummer eins beendete Martina Deuß aus dem Kernteam der Organisatoren die Geschichte des Himmelgeister Brückenlaufs. Denn die Verantwortlichen ziehen sich zurück. Martina Deuß lief als Letzte ins Ziel. Aus. Vorbei. Oder doch nicht?
Ein besonderer Gast im Zielbereich

Schaute sich im Zielbereich des Himmelgeister Brückenlaufs ganz genau um: Jan Henning Winschermann.
Komplett ungewiss scheint die Zukunft des Himmelgeister Halbmarathons über zwei Rheinbrücken vielleicht doch nicht zu sein. Im Zielbereich schaute sich der Vater des großen Düsseldorfer Metro-Marathon, Jan Henning Winschermann (in blauer Metro-Jacke) alles ganz genau an und sprach mit Mitgliedern des Orgateams. Möglicherweise ist da also jemand bereit, den Staffelstab in Himmelgeist zu übernehmen. Ein familiärer Volkslauf mit in den Jahren gereifter, perfekter Organisation wäre in neue Hände abzugeben.
Medizinischer Notfall auf den letzten Metern

Start zum allerletzten Mal: Der Schuss fällt morgens, kurz nach 8 Uhr.
Mal sehen. Zuvor war dieser Jubiläumslauf eine Zusammenfassung aus zwei Jahrzehnten Laufgeschichte. Einschließlich eines Läufers, der etwa 200 Meter vor dem Ziel kollabierte, von Zuschauen*innen Erste Hilfe samt Herzmassage bekam und – bestätigt durch die Feuerwehr Düsseldorf – von einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht wurde. Wie es der Person aktuell geht, durfte aus Datenschutzgründen niemand sagen.

Wer ins Ziel lief, bekam eine Medaille.
Dieser verzichtbare Reminder führte die ehrenamtlichen Organisatoren – etwa zehn Personen im Kernteam und rund 100 Helfer*innen an der Strecke – zurück zu den schrecklichsten Momenten in der Geschichte des Himmelgeister Brückenlaufs. 2023 brach ein Läufer kurz vor dem Ziel zusammen und starb. „Da wollten wir eigentlich alle nicht weiter machen“, blickte Sprecher Walter Schuhen zurück. Doch es waren unter anderem die Eltern des Läufers, die eindringlich darum baten, dass der Lauf weiterhin ausgerichtet werden solle. Demonstrativ kamen sie 2024 zum Start.
Kultpassage für Rheinbahnbusse
Bei der 20. Ausgabe im Jahr 2026 starteten mehr als 900 Läufer*innen. Zu den Besonderheiten des Himmelgeister Brückenlaufs gehörte, dass kurz vor dem Start gegen 8 Uhr morgens schnell noch zwei Rheinbahnbusse mit La-Ola-Wellen durch das Meer der Laufenden getragen wurden. Das gelang am Samstag (13.6.) nur so halb. Denn die für kurz nach acht Uhr erwarteten Öffis kamen einfach nicht. Um 8.12 knallte der Startschuss.

Vorfreude auf einen der schönsten Düsseldorfer Halbmarathons.
Kühles Wetter und etwas zu viel Wind – auf den letzten Kilometern allerdings aus Norden kommend – also als Rückenwind angelegt – so machten sich die Läufer*innen auf ihre 21 Kilometer lange Strecke. Gefürchtet neben dem Wind: die Rampen zu den Rheinbrücken, auf denen viele Waden beißen und manche Gelenke knacken. In der Geschichte gab es schon Läufe bei hochsommerlichen Temperaturen – da liefen im Ziel etliche Teilnehmende – DLRG und DRK-Wasserwacht mögen mal weghören – direkt durch bis zum Rhein, um sich abzukühlen. Die meisten blieben bei Obst und Getränken.

Die schnellsten Männer beim 20. Himmelgeister Brückenlauf: Jannis Wiepk (1‘12‘‘31, Mitte) vor Sven Köpke von den Bridgerunners (1‘15‘‘27 Links) und Arne Kallweit vom Hochschulsport Düsseldorf (1‘17‘35).
Auch die After-Lauf-Parties im Biergarten der Gaststätte Krevet ums Eck sind in Läufer-Kreisen legendär. Gern wird vom hageren Schotten Nikki Johnstone erzählt – der den Himmelgeister Brückenlauf zweimal in Bestzeit von unter 1‘13 h gewann und zur Siegerehrung jeweils im Schottenrock erschien. So ließe sich der Faden der Anekdoten immer weiter spinnen – bis hin zu jenem Mann über 70, der am Samstag im Ziel Stand – behängt mit mehreren Medaillen und diesem Wunsch an den Fotografen: „Bitte bleiben Sie bis zum Schluss. Ich war mehrmals der Letzte. Dann ist keiner mehr da, wenn man über die Ziellinie läuft. Da ist man ziemlich allein.“ Jetzt könne er nicht mehr teilnehmen – aus gesundheitlichen Gründen. Dennoch war der Running Senior gekommen, um dem Himmelgeister Brückenlauf die letzte Ehre zu erweisen.

Die Top-Drei-Frauen: Karen Kussmann (Mitte) gewann in 1‘23‘‘33. Sophie Müller (rechts) von One Step Closer Triathlon wurde in 1‘25‘‘48 zweite, Nadine Böger in 1‘26‘‘44
Die schnellsten Männer und Frauen
Bleibt zum Schluss die Sport-Chronik des 20. Himmelgeister Brückenlaufs: Bei den Männer gewann Jannis Wiepk (1‘12‘‘31) vor Sven Köpke von den Bridgerunners (1‘15‘‘27) und Arne Kallweit vom Hochschulsport Düsseldorf (1‘17‘35). Schnellste Frau am Samstag war Karen Kussmann in 1‘23‘‘33. Sophie Müller von One Step Closer Triathlon wurde in 1‘25‘‘48 zweite, Nadine Böger in 1‘26‘‘44 kam auf den dritten Platz.
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