Dank viel Engagement sind Flüchtlinge in Düsseldorf immer noch willkommen

Die Schlagworte „Wir schaffen das“ und „Willkommenskultur“ wurden in einigen Bereichen der Gesellschaft in die Parolen „Remigration“ und „Einwanderer in die Sozialsysteme“ ersetzt. Doch das will der Verein „Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf“ (Fwi-D) so nicht stehen lassen. Seit 2014 engagieren sich dort Menschen im Ehrenamt, um denen die Integration zu erleichtern, die in Düsseldorf an bürokratischen Hürden und Vorurteilen scheitern. Von den über 100 Ehrenamtler*innen und den acht hauptamtlichen Mitarbeiter*innen des Vereins haben viele selbst Fluchterfahrung und können sich deshalb gut in die Lage derer versetzten, die in den drei Standorten von Fwi-D Hilfe suchen.
Bedarf steigt, Mittel sinken
Der Vereinsvorsitzende Ansgar Drücker und Vereinsgründerin Hildegard Düsing Krems beschreiben die aktuell missliche Situation. Denn Bund, Land und Stadt kürzen seit 2024 die Mittel für die Beratung von Geflüchteten sowie die Integrationskurse. Gab es früher in den Unterkünften Sozialarbeiter*innen, die mit Rat und Tat zur Seite standen, werden diese Stellen längst nicht mehr finanziert. Die Geflüchteten sollen sich an die Regelversorgung werden, wie alle anderen Bürger*innen auch. Doch vielfach sind selbst Menschen, die die deutsche Sprache können, mit Vorgängen und Formularen überfordert. Die Mitarbeitenden in den Ämtern können nicht helfen, wenn die Sprache nicht verstanden wird. So werden viele an den Verein Flüchtlinge willkommen in Düsseldorf verwiesen, da es dort Beratung und Dolmetscher gibt. Mit großen Aufwand werden dort die Ehrenamtler*innen in den sich ständig ändernden Gesetzen und Vorschriften geschult, um den Hilfesuchenden die richtigen Antworten zu geben. Drei Standorte hat der Verein: die Beratungsstelle an der Heinz Schmöle Straße hinter dem Hauptbahnhof, die Lobby eines Hotels an der Klosterstraße und den Coworking-Space in den Schadowarkaden.

Das Welcome Center an der Heinz Schmöhle Straße
Status der ukrainischen Menschen
Die Menschen, die aus der Ukraine nach Deutschland geflohen sind, hatten von Anfang an eine etwas bessere Situation, da sie sofort arbeiten durften und von Status her einen sicheren Aufenthalt hatten. Doch je länger der Krieg in ihrem Heimatland dauert, umso größer werden die inneren Konflikte: Bleibt man in Deutschland und baut sich hier eine Zukunft auf oder kehrt man doch bald zurück? Schwierig wird es ab März 2027. Denn der vorübergehende Schutzstatus für ukrainische Flüchtlinge in der EU und Deutschland verlängerte sich bisher automatisch. Dieser Vorzug nach § 24 AufenthG endet dann aber.

Ansgar Drücker und Seren Günes
Psychosoziale Beratung
Lag der Schwerpunkt der Arbeit bei Fwi-D in den Anfängen auf der Beratung von erwachsenen Geflüchteten, hat sich der Bedarf deutlich geändert. Die Nachfrage an Beratung bei Behörden, Bewerbungen oder Wohnungssuche ist immer noch hoch, aber auch an psychosozialen Angeboten. Finanziert von der Fernsehlotterie gibt es gezielte Gruppenangebote auch für Kinder und Jugendliche. Viele von ihnen haben auf der Flucht Traumata erlebt, haben Familienmitglieder zurücklassen müssen und gar verloren. Sie fragen sich wo ihre Heimat ist und wie ihre Zukunft aussieht. Begleitet werden diese inneren Konflikte vielfach von Ausgrenzung und Mobbing in Schule und Gesellschaft. Eine Erfahrung, die sie mit den erwachsenen Geflüchteten teilen. Finanziert über die Fernsehlotterie versuchen Dr. Seren Günes und Almutamed Haloush die psychosoziale Unterstützung der Geflüchteten auszuweiten.
Neben der Einzelfallhilfe und psychologischen Beratung gehören Gruppenangebote für Kinder und Erwachsene zum Projektumfang. Von kunsttherapeutischen Angeboten über eine Depressionsgruppe, Entspannungsübungen gehören beispielsweise auch Workshops zu Ausbildung/Berufsorientierung sowie eine Frauengruppe zu Frauenrechten und Selbstbestimmung zum Angebot. Da viele Geflüchtete mittlerweile nicht mehr in den städtischen Unterkünften leben, sondern eigene Wohnungen gefunden haben, ist auch das Thema Einsamkeit bei den Menschen ein Thema, berichtet Ansgar Drücker. Daher ist es dem Verein wichtig Treffpunkte zu schaffen. So startete im vergangenen Jahr ein neues Männer-Café. Täglich werden bereits Sprachcafés angeboten sowie Cafés für Frauen und Senioren, die zum Austausch, aber auch zum Miteinander mit Ehrenamtler*innen und zum Training der deutschen Sprache dienen.

Veronika Arera arbeitet als hauptamtliche im Welcom Center an der Heinz Schmöhle Straße
Netzwerken
Um die Effektivität der Arbeit zu steigern, gibt es zahlreiche Kooperationen und den Austausch mit anderen Stellen. Dazu gehört ein monatliches Treffen bei der Ausländerbehörde Düsseldorf, Netzwerktreffen mit Migrationsberatungsstellen und anderen Organisationen in Düsseldorf sowie die Teilnahme an Runden Tischen mit den LVR-Kliniken Düsseldorf. Zur Unterstützung behinderter Geflüchteter wird mit EUTB® kooperiert und bei psychisch belasteten Migrant*innen wird sich regelmäßig im Atrium, mit dem PSZ Düsseldorf, der Frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V., Pro Mädchen e.V. und dem Multikulturellem Forum für betroffene geflüchtete Frauen ausgetauscht.