Düsseldorf – Duisburg: Geteilte Liebe – Pläne der Rheinoper für 2026/27

Die Düsseldorfer lieben ihre Oper – aber sie müssen sie immer teilen. Seit 70 Jahren existiert die Theatergemeinschaft mit Duisburg, die, obwohl die Landeshauptstadt mehr beisteuert, gleiche Zuwendung erfordert. Viele interessante Premieren, wie jüngst die Bernstein-Musical „On The Town“ oder in der nächsten Saison der Evergreen „My Fair Lady“, finden erst mal auf der anderen Bühne statt. Die Übernahme steht in den Sternen, nicht im Plan. „Ein großes Haus wie die Deutsche Oper am Rhein ist sehr komplex“, bemerkt der Kommissarische Leiter Marwin Wendt.

Endspurt: Marwin Wendt, Kommissarischer Künstlerischer Leiter, wird die Rheinoper verlassen, wenn die neue Intendantin Ina Karr kommt. Foto: bikö
Was für ihn und die Geschäftsführende Direktorin Alexandra Stampler-Brown eine einzige große Fleißaufgabe ist, nämlich die Koordinierung der beiden Theater, ist dem Düsseldorfer Publikum eher gleichgültig. Die Premierenplanung wird oft beklagt. Nur hartnäckige Fans nehmen den Weg nach Duisburg auf sich, um dort zum Beispiel im kommenden Frühling das neue Shakespeare-Ballett von Bridget Breiner zu sehen: „Antony and Cleopatra“. Was wann in Düsseldorf zu sehen ist? Kann Wendt nicht sagen. Denn er verlässt die Rheinoper im nächsten Sommer, wenn (endlich) die seit 2025 designierte neue Generalintendantin Ina Karr übernimmt.
Theaterzahlen
Übergangszeiten sind immer kritisch. Wendt: „Da ist natürlich Bewegung im Haus.“ Dennoch versucht das nach Christoph Meyers plötzlichem Rückzug eingesetzte Leitungsteam, die gute Laune nicht zu verlieren und die kommende Saison bestmöglich zu gestalten. Zahlenexpertin Stampler-Brown verzeichnet ein „kontinuierlich steigendes Interesse“. Lag die Auslastung beider Häuser vor der Corona-Pandemie noch bei rund 65 Prozent, so wird in der laufenden Saison von 77 Prozent gesprochen. In Düsseldorf. Das kleinere Duisburger Haus verkauft sogar 79 Prozent aller Plätze.

Chefin der Zahlen: Die Geschäftsführende Direktorin Alexandra Stampler-Brown freut sich über eine Auslastung von 77 Prozent. Foto: bikö
Eine Oper muss man sich als Gemeinwesen leisten können. Der Gesamtetat beider Häuser beträgt 67,4 Millionen Euro, über 80 Prozent davon sind Personalkosten. Nur ein Teil kann erwirtschaftet werden. Unterm Strich beträgt der Zuschuss für das Düsseldorfer Haus 38 Millionen, für Duisburg 12,8 Millionen Euro. Das Publikum gehört eher einer interessierten gutbürgerlichen Minderheit an. Nicht ohne Grund soll deshalb im angedachten Neubau am Wehrhahn mit Musikschule und Musikbibliothek noch mehr für die Breitenbildung getan werden.
Meistersinger

Musikalisches Appetithäppchen im Foyer des Düsseldorfer Opernhauses: Henry Ross singt einen Song aus „My Fair Lady“, die allerdings in Duisburg Premiere hat. Foto: bikö
Aber das ist Zukunftsmusik. Im kommenden Herbst kann man sich erst mal auf ganz große Oper freuen: Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ haben am 11. Oktober Premiere in Düsseldorf, inszeniert vom amerikanischen Star-Regisseur Daniel Kramer, dirigiert vom ehemaligem Generalmusikdirektor Axel Kober, der dafür ans Pult der Symphoniker zurückkehrt. Vitali Alekseenok leitet das Orchester im Februar 2027, wenn Puccinis herzzerreißendes Liebesdrama „Manon Lescaut“ neu auf die Bühne kommt. Aus Duisburg übernommen wird (am 5. Dezember) das „Märchen im Grand-Hotel“, eine Jazz-Operette von Paul Abraham, genau wie (am 14. Mai) Leoš Janáčeks Oper „Jenufa“, die bereits im April 2024, also drei Jahre zuvor, ihre umjubelte Premiere im Partnertheater hatte.
Die Düsseldorfer brauchen Geduld. Auch die erwähnte „My Fair Lady“, der schmissige „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ (Brecht/Weill) und „Die verzauberte Stadt“ für die ganze Familie werden erst einmal nur die Duisburger beglücken. In Düsseldorf gibt es für das junge Publikum dafür eine Uraufführung: „Die Mitternachtstür“ von James Reynolds (14. November). Zwei Kinder retten eine Welt, die einzustürzen droht. Für die Erwachsenen kommt’s teuflisch: „Mefistofele“ von Arrigo Boito (3. Juli 2027).
Ballett-Rituale

Beste Team-Player: Chefchoreografin Bridget Breiner leitet die Compagnie zusammen mit Ballettdirektor Raphaël Coumes-Marquet. Foto: bikö
Und dann ist da noch das Ballett mit seinen ganz eigenen Liebhabern. Chefchoreografin Bridget Breiner schickt den Düsseldorfern den in Duisburg bereits eingeführten Tanzabend „Grey Area“ (siehe Kritik vom 17. Januar), präsentiert ihr neues Handlungsballett „Antony and Cleopatra“ („Habe eine Riesenliebe zu Shakespeare“) aber erst mal nur in Duisburg.
Neu in Düsseldorf sind zwei mehrteilige Programme. Der sachliche Titel „Forsythe/Eyal“ (30. Oktober) verweist auf Altmeister William Forsythe und seine kühne Kollegin Sharon Eyal. Als „Rituale“ vereint werden am 23. Januar Choreografien von Ohad Naharin, Martin Chaix und Neshama Nashman. Und schließlich kämpft „Don Quijote“ frei nach Cervantes um die Liebe und gegen Windmühlenflügel – in einem Ballett von Marcelo Gomes nach einer historischen Vorlage aus dem 19. Jahrhundert. Die exzellent trainierte Compagnie kann ihre Kunst in vielen Variationen entfalten.

Elegante Pause: Die Bar der Düsseldorfer Oper ist vor Beginn und in den Pausen der Vorstellungen dicht besetzt. Foto: bikö
Mehr Informationen
Ein dickes, mit Zeichnungen illustriertes Heft zur kommenden Saison 26/27 ist erschienen und bei der Deutschen Oper am Rhein erhältlich. Alles zum Programm gibt es hier auch online: www.operamrhein.de/magazin/artikel/spielzeit-202627/