Küsschen für Kitty: Asia Pop im NRW-Forum Düsseldorf

Nein, der Chef ist kein Experte in Sachen „Asia Pop“. Noch nie, bekennt Felix Krämer, Jahrgang 1971, und Generaldirektor des Museums Kunstpalast, habe er sich „bei der Eröffnung einer Ausstellung so alt gefühlt wie heute“. Seine 14-jährige Tochter weiß auf jeden Fall mehr über Mangas und Animes, Games und Idols, Hello Kitty und supersüße koreanische Boybands. Sie gehört ja auch zum Zielpublikum. Das NRW-Forum, betont Krämer, sei keine Kunsthalle für Boomer. Hier geht es um Lifestyle und Ästhetik der neuen Generation. Mag der Name des Hauses auch von gestern sein, die Shows sollen ein großes junges Publikum anziehen.

Diese Katze kennt jeder: „Hello Kitty“ ist eine weltweit gehandelte Marke mit zahllosen Produkten. Foto: bikö
Der letzte Streich, die Aufklärungsshow „Sex Now“, war demnach nicht ganz gelungen, denn die Staatsanwaltschaft sperrte überraschend den Zugang für alle unter 18 Jahren. Nun, das passiert mit „Asia Pop“ nicht. Das Konzept ist so jugendfrei wie das plüschige Maskottchen Maru, das extra für die Schau entwickelt wurde: runder Kopf mit niedlichen Hörnern, Grinsemäulchen, große Kulleraugen (das ist ein Must), zwei Schwänze, Standfüße und sechs Pfotenarme fürs Multi-Tasking. Gibt’s im Shop immerhin schon auf T-Shirts und Beuteln.

Eine Schau über Asia Pop braucht ein eigenes Maskottchen: Kuratorin Charlotte Ickler präsentiert Maru. Foto: bikö
Kugelsichere Jungs
Wer weiß, vielleicht wird ein Sammelobjekt daraus. Wie die Katze Kitty aus Japan und der (oder das?) häschenartige Labubu aus China und unzählige andere Figuren, Spiele, Krimskrams-Artikel. Asia Pop mit seinen Stars und Marken ist ja vor allem ein ganz großes Business. „Ein weltweites Massenphänomen“ stellt Krämer fest, Hollywood sei nichts dagegen: „Der Blick hat sich verschoben.“ Keine andere Band wird so oft gestreamt wie die südkoreanische Boyband BTS, kurz für „Bangtan Sonyondan“ („Kugelsichere Jungs“). Mehr Alben als die Beatles haben die Knaben bereits verkauft, so viele wie niemand sonst.

Bei der Medienkonferenz im NRW-Forum (von links): Pressesprecherin Sarah Wulbrandt, die Kuratorinnen Charlotte Ickler und Nana Tazuke-Steiniger, Generaldirektor Felix Krämer. Foto: bikö
Kuratorin Charlotte Ickler bezeichnet sich selbst als „Fan“ und errötet vor Begeisterung. BTS ist ihr „privates passion project“. Und so steht der Boomer staunend vor Videos, in denen die Jungs unentwegt zappeln und tanzen, Stillstand gibt es nicht im K-Pop. Sieht man auch an den Girls von Blackpink und an den Stray Kids, noch jüngeren Rivalen von BTS. Cuteness, zu deutsch Niedlichkeit, ist ganz wichtig im Asia Pop. Damit verkauft Ausstellungs-Sponsor Katjes jetzt auch seine Grün-Ohr-Hasen zum Vernaschen in Korea.
Winkende Katzen

Bonbon-Werbung für Asien: Ausstellungs-Sponsor Katjes verkauft jetzt in Korea seine Grün-Ohr-Hasen. Foto: bikö
Selbst Felix Krämer spürt eine gewisse Überforderung: „Man muss nicht alles verstehen.“ An der Wand winken unzählige Katzen, die in Asien die Kundschaft anlocken und zugleich Unglück fernhalten sollen. So ein putziges Tier hat auch der Boomer schon oft gesehen und womöglich zu Hause stehen. Nicht das einzig Vertraute in der Schau. Charlotte Ickler und ihre japanische Kollegin Nana Tazuke-Steiniger präsentieren vereinzelte Elemente aus der Geschichte des Asia Pop – zum Beispiel die berühmte, 1974 in Japan produzierte Zeichentrickserie nach Johanna Spyris Alpenheldin „Heidi“, ja, genau, „deine Welt sind die Be-er-ge …“.
Auch der Kung-Fu-Fighter Bruce Lee gehört ins Kino der Erinnerungen. Und einige Filme, die man dem Asia Pop zuordnen kann, sind von kritischen Geistern gemacht und kulturell anerkannt. Das reicht von Kurosawas „Rashõmon“, wofür es 1951 den Goldenen Löwen von Venedig gab, bis zu der Gesellschaftssatire „Parasite“ von Bong Joon-Ho, der dafür 2019 in Cannes die Goldene Palme gewann.
Große Welle

Die „Große Welle“ von Hokusai macht sich auch gut auf einem Aufsteller zwischen Pop-Produkten. Foto: bikö
Auf der anderen Seite des Hauses sind sogar ein paar Hinweise auf ältere asiatische Kultur zu finden: Held und Dame auf Holzschnitten von Kunisada Utagawa, durchaus der Unterhaltung dienend, so etwas wie die Comics des 19. Jahrhunderts. Das vielleicht bekannteste altjapanische Motiv, die „Große Welle“ von Hokusai Katsushika (1760-1849) ziert einen riesigen Aufsteller. Dahinter die üblichen Souvenirs: Hokusai-Drucke auf Tassen und Brillenetuis. So trifft die Hochkultur auf schnöden Kommerz.

Gashapon-Automaten zum Ziehen von Überraschungsspielzeug stehen in asiatischen Einkaufszentren – und jetzt auch im NRW-Forum. Foto: bikö
Überall in asiatischen Einkaufszentren stehen die Gashapon-Automaten der Firma Bandai Namco. Jetzt gibt es sie auch im NRW-Forum. Dort kann man sich eine Kapsel mit einer Sammelfigur ziehen – Überraschungseier der speziellen Art. Gleich nebenan warten mehrere Bildschirme auf leidenschaftliche Spieler. Wer keine Blamage scheut, versucht ein Liedchen hinten in der Karaoke-Bar. Bier und Cola auf dem Tisch sind allerdings nur feste Deko-Artikel aus Kunststoff – genau wie das langsam sich drehende Theken-Band mit Sushi, Sashimi und anderen Häppchen aus der beliebten asiatischen Küche. Appetit? Echte Köstlichkeiten gibt’s draußen in der Stadt, vorzugsweise rund um die Immermannstraße, wo der Asia Pop lebt.

Fast wie im richtigen Nachtleben: Eine „Karaoke-Bar“ gehört zur Schau im NRW-Forum. Es freut sich: Direktor Felix Krämer. Foto: bikö
Was, wann und wo
„Asia Pop“: bis 23. Mai 2027 im NRW-Forum, Ehrenhof 2. Geeignet für junge Leute und die ganze Familie. Geöffnet Di.-So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. Eintritt: 11 Euro, ermäßigt 8 Euro. Im Begleitprogramm gibt es zahlreiche Führungen und Workshops. www.nrw-forum.de