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Home›Kultur›Kunst helau! Feiern im Malkasten Düsseldorf

Kunst helau! Feiern im Malkasten Düsseldorf

Von Birgit Koelgen
13. Februar 2026
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Im Malkasten kann man schon mal den Kopf verlieren - beim Karneval im Hentrich-Bau, vor dem derzeit die Skulptur „Immaterielles“ von Andreas Schnitten steht. Foto: bikö

Noch sieht alles ganz harmlos aus. Still ruht der Park am Malkasten, im Forum ist nichts los. Aber in der Nacht von Karnevalssamstag auf Sonntag (14. auf 15. 2.) zeigt der Düsseldorfer Künstlerverein, wie er singt und lacht und feiert – mit Konzept. Oben im Hentrich-Haus wird die Zeit in einem „Multiversum“ von Alex Wissel rückwärts laufen, vom Auskehren bis zum Beginn des Programms. Bis in den Gewölbekeller hinunter herrscht die Narretei, und um vier Uhr morgens hält der Vorsitzende Christoph Westermeier in einem Mondkrieger-Kostüm seine Rede zur Eröffnung der Ausstellung „Dionysisches Denken“.

Christoph Westermeier, der Vorsitzende des Malkastens, hat den altehrwürdigen Verein für junge Kunst geöffnet. Hier steht er zwischen Werken des Malers und Bildhauers Lorenzo Pompa. Foto: bikö

Ja, schon klar, Spaßverderber: Der Titel ist ein Widerspruch in sich. Schließlich steht der alte Dionysos von alters her für Wein, Weib und Gegröle, möglichst ohne lästige Überlegungen. Doch am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei. Die Schau im neuen Forum des Malkastens soll sich auch in der traditionellen Fastenzeit bewähren. Da kann ein bisschen Grübeln nicht schaden. Kombiniert werden, bald ernst, bald heiter, Zeichnungen und Fotografien aus der Geschichte der Vereinsfeste und junge Positionen der Kunst.

Fegen für Kunst und Karneval: Kunststudenten aus Kiel proben im Malkasten für das performative „Multiversum“ von Alex Wissel und dem Künstlerduo FORT. Foto: bikö

In der Narrenburg

Kreativität verpflichtet. Und so war es schon im 19. Jahrhundert klar, dass die Feste im Malkasten ein Motto hatten, demgemäß man dekorierte und sich kostümierte. Mit „Aschenbrödels Hochzeit“ fing es 1852 an, Herausforderungen hießen „Albrecht Dürer in Venedig“ (1889) oder „Ein Fest bei Peter Paul Rubens“ (1893). Illustrationen zeigen, wie die 1869 die von Andreas Achenbach entworfene „Narrenburg“ aussah oder der künstlich verschneite „Winternachtstraum“ von 1888. Bis zum Ersten Weltkrieg tobten die Feste in der einstigen Tonhalle an der Schadowstraße, wo es Platz für 2000 Gäste gab.

Historische Heiterkeit: Illustrationen von Maskenbällen des 19. Jahrhunderts. Rechts die von Andreas Achenbach dekorierte „Narrenburg“. Foto: bikö

Dann war erst mal Schluss mit lustig, bevor in den 1920er-Jahren die Party weiterging. „Im Reiche des Buddhas“ feierte man 1927, drei Jahre später hieß es „Atlantis ahoi“, etwas steif posierte man mit hohen Hüten. Aber da hatte sich der Zeitgeist bereits verändert. 1931, nachdem reaktionär gesonnene Malkasten-Mitglieder eine leicht frivole Dekoration mit Aktmalerei (unter anderem von Bruno Goller) zerstört hatten, verließen 80 progressive Mitglieder den Verein. Das nächste Fest „Trotz allem – Sonnenland“ (1932) war schon nach dem Geschmack der Nazis, die alsbald auch die Düsseldorfer Kunst beherrschen sollten.

Trauriger Clown

Auch Lampen können Skulpturen sein, und Skulpturen können leuchten: eine Arbeit von Katja Tönnissen, Dozentin an der Düsseldorfer Kunstakademie. Foto: bikö

Wie frei die Kunst der Gegenwart ist, beweisen die aktuellen Werke, die eine eigene Verrücktheit inszenieren. Das geht von drei skulpturalen Lampen auf archaisch tönernen Füßen, die Katja Tönnissen aufgestellt hat, bis zu einem Weinfass nach einem Entwurf des legendären Bildhauers Ewald Mataré (1887-1965), das von Fabian Friese nachgebaut wurde und nun dem performativen Zapfen von Bier dient. Auf einer Plattform dürfen sich die Gäste zuprosten. Ein kleines eingebautes Happening, ordentlich begrenzt.

Leicht gespenstisch: die Video-Arbeit „Shining“ mit einer Kinderdisco auf Slow Motion von dem Künstlerduo FORT. Foto: bikö

Noch allerlei andere Kunst beliebt subversiv zu scherzen: die bunten Keramik-Brezeln von Selva Amelia Balta, ein trauriges Clownsgesicht auf Verzehrgutscheinen von Jody Korbach und verschiedene Werke des italienischen Düsseldorfers Lorenzo Pompa, der in seiner Malerei strenge Muster mit bissigen Kakteen kombiniert. Schließlich feiert Dominik Geis das Eruptive, Feurige und Erotische in einer Video-Installation von neun Monitoren, während das Künstlerduo FORT den Film von einer Kinderdisco so verlangsamt, dass es ganz gespenstisch wirkt: „Shining“. Zusammen mit Alex Wissel und ihren eigenen Kunststudenten aus Kiel haben Alberta Niemann und Jenny Kropp von FORT außerdem das „Multiversum“ für die Karnevalsparty inszeniert. Wer sich traut, ist dabei.

Was, wann und wo?

Mit dem „Multiversum“ von Alex Wissel feiert der Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten, Jacobistr. 6a, im Hentrich-Bau sein kunstvolles Karnevalsfest – unter der Schirmherrschaft von CC-Präsident Lothar J. Hörning. Die Aktion dauert 12 Stunden, von Samstag, 14. Februar, 16 Uhr, bis vier Uhr morgens. Einlass für Kostümierte: 15 Euro. Schon ab Samstag, 15 Uhr, ist die Ausstellung im Malkasten Forum geöffnet, Jacobistr. 6a. „Dionysisches Denken – Die Kunst der Feste“: bis 28. April. Geöffnet Di. 17 bis 21 Uhr, Do.-So. 11 bis 17 Uhr. Eintritt: 4 Euro, Mitglieder frei. www.malkasten.org

StichworteMalkasten
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