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Home›Top News›Wenn „Frida“ tanzt: Jubel beim Düsseldorf Festival

Wenn „Frida“ tanzt: Jubel beim Düsseldorf Festival

Von Birgit Koelgen
12. September 2024
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Großer Applaus: Die Eva Duda Dance Company aus Budapest begeisterte das Publikum. Vorne: Eleonora Accalai als Frida und Tabor Kováts als Diego. Foto: bikö

Anorak-Wetter beim Düsseldorf Festival. Das mag den Glamourfaktor bei der Eröffnung am Mittwochabend (11.9.) ein wenig gestört haben. Aber dafür gab es kaum störende Geräusche aus der Altstadt, wo an warmen Abenden die Party tobt. Das Publikum ließ sich eh vom Winde nicht verwehen und trank seinen Premieren-Spritz eben drinnen an der dicht gefüllten Bar. Alle 900 Plätze im Theaterzelt am Burgplatz waren besetzt. NRW-Kulturministerin Ina Brandes und Oberbürgermeister Stephan Keller lieferten liebevolle Grußworte ab. „Wir bleiben Ihnen treu“, versprach die Ministerin. Und das Publikum feierte die Eva Duda Dance Company für „Frida“.

Im blauen Licht der Verheißung: Oberbürgermeister Stephan Keller (Mitte) eröffnet das Düsseldorf Festival mit Komplimenten für die Intendanten Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen. Foto: bikö

Ehrlich gesagt: Man hat zum Festival-Auftakt schon kühnere Produktionen gesehen wie 2021 das Rock-Tanztheater „Political Mother Unplugged“ von Hofesh Shechter (der nächste Woche für einen furiosen Abend sorgt) oder letztes Jahr den schwedischen Cirkus Cirkör mit seiner verrückten Strick-Performance. Verglichen damit arbeitet die ungarische Truppe eher konventionell. Ballett comme il faut. Die Budapester Choreografin Eva Duda erzählt in modern stilisierten, aber keineswegs extravaganten Tanzszenen von der mexikanischen Malerin Frida Kahlo (1907-1954).

Ganz schön eng wurde es zur Premiere in der Bar des Theaterzeltes am Burgplatz. 900 Gäste waren gekommen. Foto: bikö

Schmerz und Liebe

Tausendmal erzählt, verfilmt, beschworen und vermarktet wurde das Schicksal der Künstlerin, die Zeit ihres Lebens unter den Folgen eines schweren Busunglücks litt. Ein stahlverstärktes Korsett hielt sie aufrecht – unter Schmerzen, die sie aber genauso inspirierten wie die aufwühlende Liebe zu dem treulosen Star-Kollegen Diego Rivera, einem 21 Jahre älteren Womanizer und Hallodri, den sie gleich zweimal heiratete. In zahllosen surrealistischen, schwelgerisch ausgestatteten Selbstporträts kehrte Frida Kahlo ihr Inneres nach außen. Jeder kennt das schöne, strenge Antlitz mit den dunklen Augen unter zusammengewachsenen Brauen.

Immer wieder werden Kahlo-Bilder auf die Bühne projiziert. Sie sind gewissermaßen die Kulisse für den Auftritt der ebenso zierlichen wie energischen Ballerina Eleonora Accalai, die uns als Frida erscheint. Nach einer leidenschaftlich rot beleuchteten Jugend-Sequenz wird sie zum „Broken Body“, erst krumm, dann starr wie eine Puppe, die von weiß gekleideten Pflegern umher getragen wird. Doch die Malerei und die Leidenschaft setzen Frida wieder in Bewegung. „Full of Love“ wirbeln die bunten Röcke. Der Sound atmet, rauscht und zwitschert.

Sinnlicher Tanz: Die Eva Duda Dance Company probt beim Düsseldorf Festival – noch ohne Kostüme – die Hochzeitsszene aus “Frida”. Foto: bikö

Hochzeit und Tod

Die mitreißendste Szene zeigt Fridas Hochzeit mit Diego: Das Ensemble wiegt sich wie ein einziger vielgliedriger Körper in einem sinnlichen Tanz. Man hört Trommeln, Jauchzen, die Musik swingt. Frida, ganz Hingabe, trägt ein grünes Kleid und Blumen im Haar. Ihr Liebster, Diego, wird von einem älteren Ballettmeister getanzt, Tibor Kováts. Ein Bär voller Kraft und Anmut. Für seine Performance und seine Ausstrahlung gibt es manchen Szenenapplaus. Er zieht die Blicke auf sich, bewegt sich wild und dann plötzlich ganz langsam. In einer Art Zeitlupe sieht man deutlich: Diego poussiert bereits mit anderen Schönen. Eifersucht und Wut zerstören das Glück.

In einem schön-schaurigen „Karneval“ defilieren Masken mit Stelzenläufern und Totenkopf. Eva Duda lässt dazu Ravels beliebten „Bolero“ aufwallen. Hört man immer gerne, obwohl der Ton aus der Konserve etwas scheppernd klingt. Origineller ist der Klagegesang, der über dem großen „Farewell“ liegt. In schwarzen Mänteln, aus denen Theaternebel dampft, tanzen sich Frida und Diego auseinander. Die Rosenblätter werden hinweggefegt. Sie bleibt allein zurück, mit Blumen im Haar bis zum Ende. Standing Ovations.

Und weiter geht’s

Die nächste Deutschland-Premiere beim Düsseldorf Festival ist das akrobatische Tanztheater „Play Dead“ der kanadischen Truppe People Watching am 13. und 14. September, 20 Uhr, im Theaterzelt auf dem Burgplatz. Als ein Höhepunkt gilt die Konzertinstallation „11 000 Saiten“ vom Klangforum Wien. Georg Friedrich Haas, Meister der Neuen Musik, komponierte ein Werk für 50 mikrotonal gestimmte Klaviere, die am 17. und 18. September in der Messehalle 7A gespielt werden. Ein Erlebnis nicht nur für Experten, wird versichert. Tickets gibt es an der Kasse im Theaterzelt und unter der Hotline 0211 / 8282 6622. Weitere Programmpunkte unter www.duesseldorf-festival.de

StichworteBurgplatzDüsseldorf Festival
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