Düsseldorf: Prinzengarde Blau-Weiss verleiht Auszeichnung gegen „Griesgram und Muckertum“

Es gehörte zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Düsseldorfer Karnevalsszene. Bis wenige Augenblicke vor der Verkündung am Dienstagabend (27.10.) im Jan-Wellem-Saal des Rathauses wusste niemand, wer die „Goldene Pritsche“ der Prinzengarde Blau-Weiss, Leibgarde der Prinzessin Venetia, erhält. Selbst normalerweise gut informierte Kreise konnten nur spekulieren. „Wenn man sich hier so umschaut und man sieht das Wolfgang Ungermann im dunklen Anzug mit Krawatte gekommen ist, sich seine Tochter Thea richtig schick gemacht hat, wird wohl Gertrud Schnitzler-Ungermann die Pritsche erhalten“, schlussfolgerten Jürgen Hilger und Burkard Brings. Und tatsächlich, Laudator und Hausherr Oberbürgermeister Stephan Keller holte Gertrud Schnitzler-Ungermann als 26. Trägerin der Blau-Weiss Ehrenauszeichnung in den Jan-Wellem-Saal.

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller ist nun Ehrenmitglied bei der Prinzengarde Blau-Weiss
Keller hatte kurz zuvor selbst eine Auszeichnung erhalten. „Stephan, Du bis seit Jahren Ehrensenator der Prinzengarde Blau-Weiss. Da ist es an der Zeit den nächsten Schritt zu gehen“, verkündete Blau-Weiss-Präsidentin Ute Heierz-Krings. „Wo kann man den OB besser zum Ehrenmitglied machen als im Jan-Wellem-Saal?“ Eine Flasche des Jubiläumssekts – die Blau-Weissen feiern in der anstehenden Karnevalssession ihr 100-jähriges Bestehen – und die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft wurden ihm feierlich überreicht. „Und jetzt musst Du in Deinem neuen Amt direkt die Laudatio verlesen“, forderte Heierz Krings.
„Das hätte ich auch als nur-Oberbürgermeister getan“, antwortete Keller lächelnd. Er hätte eine viel längere Laudatio halten können, denn längst nicht alles, was die Geschäftsführerin der Brauerei Schumacher für das Brauchtum, die Gesellschaft und die Menschen in ihrer Heimatstadt getan hat, konnte erwähnt werden, dafür war die Liste einfach zu lang. „Ich darf die Laudatio auf einen ganz besonderen Menschen halten. Auf eine Frau, die sich in großartiger Weise um das Brauchtum verdient macht. Gemeinsam mit deiner Tochter Thea, die inzwischen das Unternehmen in sechster Generation leitet, unterstützt du das Brauchtum, wann und wo immer du kannst“, betonte Keller. „Deine selbstgenannte Weiberwirtschaft ist einer der zentralen Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Sie erleben dort Gastlichkeit. Sie feiern Karneval und andere Brauchtumsfeste. Aber du öffnest dein Haus auch regelmäßig für einen guten Zweck.“
Allein der jährliche Schumacher-Weihnachtsbasar hat nach Schätzung bereits rund eine Million Euro für karitative Zwecke eingebracht. „Unter dem Motto ‘Düsseldorfer für Düsseldorf’ arbeitet Deine Stammbelegschaft am Tag der Weihnachtsauktion unentgeltlich. Stammgäste basteln und stricken, und Freunde, Lieferanten, Kunden und Gäste spenden“, berichtete der OB. „Ein wunderbares Beispiel für Dein soziales und nachbarschaftliches Engagement war auch Dein Einsatz für das Hospiz des evangelischen Krankenhauses. Du beweist regelmäßig Dein großes Herz – für das Brauchtum und für die Menschen.“ Auch ihre Haltung zu Vielfalt, Toleranz in unserer freiheitlichen Gesellschaft beeindrucke. „Du engagierst Dich und findest klare Worte gegen rechte, populistische und fremdenfeindliche Tendenzen“, laudatierte Keller weiter. „Das alles macht Dich zur Ratgeberin und zum Vorbild für viele, sich ebenfalls zu engagieren und sich für die Stadtgesellschaft einzubringen.“

Gertrud Schnitzler-Ungermann reiht sich die Liste der Pritschenträger mit Franz Josef Strauß, Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher, Wolfgang Bosbach und Martina Voss-Tecklenburg ein
Das waren sehr viele gute Gründe, warum die Prinzengarde Blau-Weiss Schnitzler-Ungermann die Goldene Pritsche verleiht. Mit der goldene Pritsche werden in unregelmäßigen Abständen Persönlichkeiten gewürdigt, die in ihrem öffentlichen Wirken für Humor, Lebensfreude und den Mut, auch in ernsten Zeiten ein Lächeln zu bewahren, einstehen. Die Gewürdigten treten durch ihre Haltung und Ausstrahlung dem „Griesgram und Muckertum“ entschieden entgegen – ganz im Sinne des rheinischen Karnevals. Die erste „Goldene Pritsche“ wurde im Jahr 1984 dem ehemaligen Bundesminister und bajuwarischen Ex-Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß überreicht. „Franz-Josef Strauß, ein Mann mit Ecken, Kanten und Charakter. Er war ein direkter Mensch, ein Mann klarer Worte – ich vielleicht auch“, erklärte die frisch-gebackene Pritschenträgerin während der Feierstunde gerührt lächelnd. „Was ich noch gut in Erinnerung habe, ist sein Lächeln, sein Schmunzeln. Ein Lächeln kann Berge versetzen und bringt Mutlosen Aufmunterung. Es kostet nix, aber es gibt so viel, es bereichert die, die es erhalten. Niemand ist so reich, dass er ohne ein Lächeln auskommt.“
Im Rathauskeller wurde anschließend die neue Pritschenträgerin ausgiebig gefeiert. Zur musikalischen Unterhaltung trug Heinz Hülshoff bei.