Düsseldorf: Analyse der Kammer belegt – Handwerk ist weiter in schwierigem Fahrwasser

Jeweils im Frühjahr und Herbst eines Jahres ermittelt die Handwerkskammer Düsseldorf den sogenannten Geschäftsklimaindex im Rahmen einer Konjunkturumfrage bei den Betrieben. Die aktuellen Ergebnisse stellte Handwerkskammerpräsident Andreas Ehlert am Dienstag (27.10.) im Café der Bäckerei Terbuyken an der Grafenberger Allee vor. Begleitet wurde er dabei von Thorsten Hilkenbach, Bäckermeister, Brotsommelier und Geschäftsführer der Bäckerei Terbuyken. Er ergänzte die Ausführungen des Kammerpräsidenten um seine persönlichen Eindrücke für das Bäckerhandwerk.
Denn nicht nur Bäckereien befinden sind in einem schwierigen Fahrwasser, wie Ehlert es beschreibt. Das komplette Handwerk müsse sich einer herausfordernden Lage stellen, da es immer noch an Wirtschaftsaufschwung fehle. Das habe auch Auswirkungen auf die private Nachfrage, denn die Menschen schränken sich ein und greifen in Bezug auf das Bäckerhandwerk eher zum Industriebrot oder dem Angebot der Discounter.
Der Geschäftsklimaindex ist gegenüber dem Vorjahr um acht Punkte auf 97 Zähler gesunken und liegt damit erstmals seit dem Höhepunkt der Energiekrise im Herbst 2022 wieder unter 100 Punkte. Ab 100 Punkten spricht man von positiven Werten, vor Corona lag der Index bei 134 – dieser Wert wurde seitdem nie mehr erreicht.
Zwar bewerten mehr als drei Viertel der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend, aber die Erwartungen für die kommenden sechs Monate sind deutlich negativ, berichtete Ehlert. „Die Handwerkskonjunktur kommt nicht in Fahrt. Unsere Betriebe stehen von zwei Seiten unter Druck: Die private Nachfrage bleibt schwach, während steigende Kosten die Ertragslage belasten.” Hohe Energie-, Material- und Personalkosten verschärfen den wirtschaftlichen Druck. Insbesondere die zuletzt stark gestiegenen Kraftstoffpreise treffen das Handwerk aufgrund seiner hohen Mobilitätsabhängigkeit unmittelbar. „Eine nachhaltige Erholung ist weiterhin nicht in Sicht“, erklärte der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. „Was es jetzt braucht, sind verlässliche Perspektiven und ein konsequenter Reformkurs.“

Andreas Ehlert ist mit der Entwicklung nicht zufrieden
Aufträge und Umsätze rückläufig
Besonders Soloselbständige und Betrieb mit unter zehn Mitarbeitenden stehen unter Druck, da sie meist über geringere finanzielle Rücklagen verfügen und stärker von einzelnen Kunden oder Absatzmärkten abhängig sind. Das Umsatzklima und das Auftragsklima zeigen gegenüber dem Vorjahr kaum Bewegung und liegen mit 85 und 83 Punkten weiter deutlich im negativen Bereich. Das Investitionsklima erreicht mit 84 Punkten einen historischen Tiefstwert. „Die Mischung aus gestiegenen Zinsen, verhaltener Nachfrage und Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung führt zu einer ausgeprägten Investitionszurückhaltung“, so Ehlert.
Die Handwerkskammer vereint sieben Gewerbegruppen: das Ausbaugewerbe, personenbezogene Dienstleistungen, Handwerk für den gewerblichen Bedarf, das Bauhauptgewerbe, das Kraftfahrzeuggewerbe, das Gesundheitsgewerbe und das Lebensmittelgewerbe (Reihenfolge nach Anzahl der Betriebe). In allen hat sich das Geschäftsklima gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Besonders angespannt ist die Lage im Lebensmittelhandwerk (82 Punkte) und im Bauhauptgewerbe (87 Punkte). Relativ stabil zeigt sich dagegen das Ausbaugewerbe, das mit 103 Punkten als einzige Gewerbegruppe noch einen positiven Geschäftsklimawert erreicht.
Für Thorsten Hilkenbach und die Bäckerei Terbuyken bedeutet das, dass selbst mit Preiserhöhungen nicht immer kostendeckend gearbeitet werden kann. Durch Mischkalkulation und Alleinstellungsmerkmale versucht man dennoch am Markt zu bestehen. Dazu gehört auch, dass aktuell 26 Auszubildende in den Bereichen Bäcker*in, Fachverkäufer*in und Digitales bei Terbuyken lernen. Sie alle erhalten eine Übernahmegarantie, denn nur so können altersbedingte Abgänge in den nächsten Jahren kompensiert werden. Kammerpräsident Ehlert bekräftigt, dass die Zahl der Auszubildenden der einzige positive Punkt ist, über den er berichten kann. Es werde verstärkt in Ausbildung investiert stellte er fest, Stand Ende 2025 waren es im Kammerbezirk Düsseldorf knapp 20.000 Azubis.
Ehlert stellte aber auch fest, dass die jüngst von der Bundesregierung deutlich angehobene Wachstumsprognose für das Jahr 2026 bisher keinen Effekt auf das Handwerk habe. Die konjunkturelle Belebung werde vor allem von Exporten und höheren staatlichen Ausgaben getragen. Der private Konsum, von dem große Teile des Handwerks abhängen, entwickele sich dagegen weiterhin verhalten. „Die verbesserten Wachstumsaussichten sind erfreulich, aber noch keine nachhaltige Trendwende. Ein langfristiger Aufschwung muss auch vom privaten Konsum und den Investitionen der Unternehmen getragen werden. Nur dann wird die wirtschaftliche Erholung auch im Handwerk ankommen“, erklärte er.
Entsprechend fordert der Kammerpräsident bessere Rahmenbedingungen. „Die Bundesregierung hat mit der Reform der gesetzlichen Krankversicherung den richtigen Weg eingeschlagen und gezeigt, dass sie handlungsfähig ist. Dieser Reformkurs muss nun konsequent fortgesetzt werden. Wir brauchen Maßnahmen, die den Mittelstand nachhaltig entlasten. Dazu gehören insbesondere Reformen zur Begrenzung der Lohnzusatzkosten, eine Senkung der Stromsteuer für alle und eine substanzielle Einkommensteuerentlastung für Personenunternehmen – analog zur Reduzierung der Körperschaftsteuer“. Auch beim Thema Bürokratieabbau bestehe immer noch Handlungsbedarf. „Aus der Abschaffung der Bonpflicht ist nun die Pflicht zur digitalen Belegbereitstellung geworden. Das ist dieselbe Pflicht in neuem Gewand. Auch digitale Bürokratie bleibt Bürokratie“, betont Ehlert. Entscheidend sei aus Sicht des Handwerks, dass aus den diskutierten Reformankündigungen konkrete Gesetze werden. „Am Ende zählt, dass unsere Betriebe im Alltag tatsächlich entlastet werden.“