Dritter Frauenort in Düsseldorf für Cilly Helten eingeweiht

Eine Straße mit dem Namen der Widerstandskämpferin Cilly Helten gibt es in Düsseldorf immer noch nicht. Aber am Montag (26.10.) wurde immerhin eine Erinnerungs-Tafel für sie feierlich eingeweiht – an ihrem 118. Geburtstag. Damit erhält Helten den dritten „Frauenort“ in Düsseldorf. Der Verein FrauenRat NRW hat das Projekt Frauenorte NRW vor drei Jahren initiiert. Damit sollen die oft unsichtbaren Frauen gewürdigt werden, die vielfach Geschichte geschrieben haben, aber unbekannt sind. Die Sichtbarkeit drückt auch die Gestaltung der Erinnerungstafeln aus, denn sie sind bewusst in den auffallenden Farben rot und pink gehalten. 60 Frauenorte gibt es mittlerweile in NRW für 65 Geehrte. Nun hat auch Cilly Helten ihren Erinnerungsort an der Ecke Edith-Fürst-Straße und Fürstenwall, direkt am Polizeipräsidium.
Der Ort wurde bewusst gewählt, denn im Polizeipräsidium war Cilly Helten auch inhaftiert. Sie wurde am 26.10.1908 in Düsseldorf geboren und sympathisierte bereits als junge Frau mit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), deren aktives Mitglied sie wurde. Deshalb wurde sie im Mai 1934 mit dem Vorwurf „Vorbereitung zum Hochverrat“ festgenommen und zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Anschließend geriet sie mehrere Jahre nicht mehr in den Fokus der Nationalsozialisten. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Kontoristin und arbeitete für eine Düsseldorfer Firma.
Doch 1942 führte die Festnahme eines Ehepaars aus ihrem Bekanntenkreis zur erneuten Verhaftung. Der fadenscheinige Vorwurf lautete „Rundfunkvergehen“, da sie angeblich einen Feindsender gehört habe. Zwar wurde sie freigesprochen, aber wegen ihrer Homosexualität und politischen Vorgeschichte in „Schutzhaft“ genommen und am 12. August 1942 in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück überführt. Dort lernte sie die österreichische Sozialdemokratin Rosa Jochmann kennen, ihre spätere Lebensgefährtin. Beide Frauen nutzten ihre Positionen als Blockälteste und Stubenälteste, um Kleidung, Medikamente und Lebensmittel für andere Häftlinge zu organisieren. Überlebende schilderten, dass die beiden Frauen besonders für sehr junge inhaftierte Frauen wichtige Bezugspersonen waren. Rosa Jochmann kam in Dunkelhaft und erkrankte schwer an Typhus. Cilly Helten gelang es, Rosa im Krankenrevier vor der Ermordung zu schützen und so überlebten beide das KZ, das 1945 befreit wurde. Während Cilly nach Düsseldorf zurückkehrte, ging Rosa nach Wien. Erst 1962 folgte Cilly nach Wien, wo sie am 29.03.1974 sehr plötzlich und unerwartet starb.

Mehrere Dutzend Menschen waren zur Einweihung des Frauenortes gekommen
Einweihung am 118. Geburtstag
„Allen Widerständen zum Trotz – Cilly Helten hatte die glühende Hoffnung auf eine gerechte Welt“ – schrieb Rosa Jochmann in ihrem Nachruf auf Cilly Helten. Diese Worte nahm auch Bezirksbürgermeister Thorsten Graeßner auf und betonte die Menschlichkeit und Solidarität, die Cilly Helten unter schwersten Bedingungen gezeigt habe. „Demokratie, Freiheit und Menschenwürde seien keine Selbstverständlichkeit und müssen täglich verteidigt werden“, führte er aus.
Sarah Gonschorek, Vorständin FrauenRat NRW e.V., stellte das Projekt Frauenorte NRW und seine Bedeutung vor. In Düsseldorf gibt es bereits Frauenorte für die Widerstandskämpferin Else Gores (1914 – 1945) und die Künstlerin Ilna Wunderwald (1875 – 1957). Sie freute sich, dass Cilly Helten nun den dritten Frauenort in der Landeshauptstadt erhält. Sowohl Gores wie auch Helten waren Widerstandskämpferinnen. Sie wussten beide, dass ihr Handeln Konsequenzen haben würde und sie haben es trotzdem getan. „Widerstand beginnt damit, den Mund aufzumachen und Solidarisch zu sein. Es sollte noch viel mehr Frauenorte geben, um hervorzuheben, wie wichtig das ist“, betonte Gonschorek.
Bevor mit Sekt auf den neuen Frauenort angestoßen wurde, gab Historikerin Astrid Hirsch-von Borries von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf eine historische Einordnung des Lebens von Cilly Helten. Die Veranstaltung wurde gemeinsame vom FrauenRat NRW e.V., der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, dem Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung, dem Stadtarchiv Düsseldorf, des Vermessungs- und Katasteramtes und der Bezirksvertretung 3 organisiert.