Ewig jung: Düsseldorf Festival startet am Burgplatz

Irgendwie tröstlich. Während die frustrierte große Oper wegen statischer Probleme die ersten Vorstellungen absagt und manche schon das Ende der Hochkultur prophezeien, beweist das Düsseldorf Festival einmal mehr, dass tolles Theater ohne großen Aufwand funktionieren kann. In kürzester Zeit wurde das Bühnenzelt auf dem Burgplatz aufgebaut, und zwar mit Bar. Auch Kirchen werden zum Playground, und bis Anfang Oktober gibt es wieder ein internationales Programm aus Tanz, Musik und Neuem Zirkus.

Seit zehn Jahren sorgt Guru Dudu für gute Laune bei der „Silent Disco“ vor dem Theaterzelt. Foto: bikö
Guru Dudu probt schon unter den Platanen. Seit zehn Jahren eröffnet der Coach und Spaßvogel aus Australien viele Festivalabende mit seiner „Silent Disco“. Ausgestattet mit Kopfhörern folgen ihm die Fans durch die Altstadt, tanzend auf dem Pfad der guten Laune. Diesmal will der Guru zusätzlich ernst machen – mit sanfter Musik und einer „Slo-Mo Disco“, die eher einem meditativen Spaziergang gleicht (So., 20. September, 12 Uhr) und sogar mit einer „Grief Disco“ (am selben Tag, 17 Uhr), bei der Trauer, Angst und Zorn angesichts der Weltlage zum Ausdruck gebracht – und entspannende Bewegungen gelernt werden. „Times have changed“, weiß der sonst so lustige Guru, die Zeiten haben sich geändert.
Herzkammer
Nichts desto trotz ist die Freude der große Zweck des Festivals, das zum 36. Mal in unverminderter Frische vom Intendanten-Duo Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen gewuppt wird. Sechs Leute arbeiten das Jahr über als festes Team, während des Festivals schwillt das Personal an auf eine Hundertschaft, in der Technik, in der Kunst, in der Versorgung. Die Mensa, in dieser Saison geleitet von Catering-Profi Yvonne Wagner, ist etwas wie, so Christiane Oxenfort, „die soziale Herzkammer“ des Betriebs. Hier wird nach Wunsch gekocht, deftig oder ayurvedisch, und das Team kann es sich gemütlich machen.

Sorgt für Behagen bei der Belegschaft: Yvonne Wagner leitet die gemütliche Mensa des Festivals. Foto: bikö
Nicht zuletzt durch die familiäre Atmosphäre lockt die Intendanz die interessantesten Ensembles nach Düsseldorf. Zur Eröffnung in dieser Woche (16. bis 19. September), 20 Uhr) zeigt der französische Choreograf Mourad Merzouki „Pixel“, ein vom Streetdance inspiriertes Tanztheater in einer interaktiven Video-Installation. Am Samstag (19. September) sorgen zugleich in der Johanneskirche sechs amerikanische Sängerinnen, das Vokal-Ensemble Lyyra, mit ihren schwebenden Stimmen für Ergriffenheit. Sonntags, 20. September (19.30 Uhr) betört der belarussische Akkordeonist Yegor Zabelov das Publikum mit seinem Instrument.
Tanzglück
Viele der rund 30 Ereignisse im Programm sind schon so gut wie ausverkauft – etwa die Ewigkeit („Eternity“) mit der Kompanie Circa in der Oberkasseler Antoniuskirche. Festival-Kenner freuen sich auch auf Hofesh Shechters junge, in Düsseldorf schon gefeierte Truppe „Shechter II“ mit dem neuen Stück „In the Brain“ (22. und 23. Sept.). Vielversprechend ist die Rückkehr der Choreografin Sharon Eyal mit ihrer Produktion „Delay the Sadness“, was soviel heißt wie: Verschiebe die Traurigkeit (28. bis 30. Sept.).

Auch ein Zelt kann ein großes Theater sein: Rund 900 Plätze gibt es beim Düsseldorf Festival auf dem Burgplatz. Foto: bikö
Neu zu entdecken ist die junge schwedische Zirkuskompanie Below Zero, die „In Praise of Shadows“ atemberaubende tänzerische Akrobatik zeigt (24. und 25. Sept.). Auch die reine Musik hat wieder ihren Platz beim Festival. Die marokkanische Sängerin und Frauenrechtlerin Oum präsentiert im Theaterzelt ihr neues Album „Dialddar“ (27. Sept.). Für „Mystische Klangekstasen“ mit französischer Musik von Poulenc, Messiaen und Saint-Saëns sorgt Kantor Wolfgang Abendroth am 3. Oktober, 18 Uhr, in der Johanneskirche.
Information
Programmhefte und Folder sind am Theaterzelt erhältlich. Die Tickets (zu Preisen zwischen 22 und 50 Euro) gibt es dort an der Kasse, unter der Telefonnummer 0211 / 8282 6622 oder auf der Website des Festivals: www.duesseldorf-festival.de
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