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Home›Kultur›Verregnete Inspiration: Kunstpunkte in Düsseldorf

Verregnete Inspiration: Kunstpunkte in Düsseldorf

Von Birgit Koelgen
14. September 2026
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Pfadfinder der Kunst: Auf dem Plan der Düsseldorfer Kunstpunkte stehen fast 200 Adressen. Foto: bikö

Und? Wohin gehen wir diesmal? In die großen Atelierhäuser? Oder zu den Einzelkämpfern hier und dort? Zum 30. Mal sucht das nimmermüde Düsseldorfer Publikum an zwei Wochenenden im September seine individuellen „Kunstpunkte“. Die Auswahl ist wie immer riesig: Über 400 Künstler*innen mit 196 Adressen öffnen die Türen und zeigen ihre Werke. Den Anfang machte der nördliche Teil der Stadt. Man konnte zum Beispiel einen Spaziergang durch die Innenstadt machen – am Sonntag leider bei strömendem Regen, was den Andrang minderte.

Lauschige Häuser in Düsseldorfer Hinterhöfen, wie hier in der Altstadt, können als Kunstpunkte entdeckt werden. Foto: bikö

Wir fangen mal am Off-Space der Sparkasse an – und haben Pech. Anders, als es die Website der Kunstpunkte verspricht, ist die Ausstellung von Barbara Esser und Wolfgang Horn am Sonntag nicht geöffnet. Immerhin geben die Schaufenster einiges preis: malerisch konstruierte Fadenbilder der Textildesignerin Barbara Esser und eine witzige kreisrunde Collage aus Spitzerabfällen, die der Architekt Wolfgang Horn mit seinem Kürzel signiert hat. Das Künstlerpaar ist bekannt für große Installationen und hat zum Beispiel das Schauspielhaus zur Europameisterschaft magisch beleuchtet. Den „STOFFspace“ der beiden, ihre „Gewebe, Objekte, Projekte“ kann man noch bis 31. Oktober immer am Wochenende (Do., Fr., Sa. 11 bis 19 Uhr) ansehen.

Der Off-Space der Sparkasse zeigt Kunst auch im Schaufenster – hier ein Objekt von Wolfgang Horn. Foto: bikö

Kreative Erinnerung

Folgen wir weiter dem Pfad der Kunstpunkte. An der Hohen Straße öffnet Silke Wahl gern das Atelier ihres 2019 verstorbenen Mannes Jan Piepenbrock. Der Maler pendelte zwischen seiner Heimatstadt Düsseldorf und der Natur Thailands. „Ich bin ein Flussmensch“, so wird er zitiert. Spontan, intuitiv, losgelöst – so entstanden seine farbenprächtigen Abstraktionen. Man kann Sonnenuntergänge darin sehen und sehr viel Lebenslust. Silke Wahl sorgt dafür, dass Piepenbrock nicht vergessen wird. Aus manchen Leinwänden schneidet sie neue, kleinere Werke, Kreativität in seinem Sinn.

Erinnerung an Jan Piepenbrock: Silke Wahl öffnet immer noch das Atelier ihres Mannes für das Publikum. Foto: bikö

Vom Atelier des Autodidakten geht es zu der Malerin und Bildhauerin Lu Possehl, die ebenso in Farbe schwelgen kann wie königliche Figuren aus Stahl schmieden. In den 1980er-Jahren studierte sie an der Düsseldorfer Akademie, unter anderem bei Graphikprofessor Rolf Sackenheim. Noch heute ist Zeichnen für sie wie Schreiben – ein Notieren von Ideen.

 

Anmut aus Stahl

Sie lebt mit ihrer Kunst: Lu Possehl ist Malerin und Stahlbildhauerin. Foto: bikö

Seit 2008 lebt sie mit ihrer Kunst in einem lauschigen Hof an der Benrather Straße. Wie selbstverständlich fügen sich Skulpturen und Bilder in die elegante Wohnung ein. Aus den Schnittplatten für kleine Modelle ihrer Stahl-Tänzer und Tänzerinnen wurden extravagante Tische, flankiert von 2,50 Meter hohen Großversionen. Eine kühle Mondgöttin steht am Fenster. Sie ist aus kantigem Stahl gemacht wie alle Skulpturen von Lu Possehl. Für glühende Farbe sorgen „Drei Könige“ an der Wand. Gemälde im Flur leuchten rot, andere sandgelb mit schwebenden schwarzen Teilen wie Ahnungen von Landschaft – „oder von Musik“, wie die Künstlerin sagt.

Draußen schüttet der Nachmittagsregen. Das nächste Atelier hat gar nicht erst geöffnet. Darum springen wir über Pfützen zum Off-Space an die Neubrückstraße. Die Johanna-Ey-Foundation, unterstützt vom Kulturamt, feiert die Freundschaft zwischen Düsseldorf und der japanischen Partnerstadt Chiba mit einer feinen kleinen Ausstellung: „Papierflieger“.

Japanische Kunst in der Johanna-Ey-Foundation: ein Klangobjekt von Taka Kagitomi vor einem Kunstvorhang von Yuki Okawa. Foto: bikö

Lose Verbindung

Leicht wie der Titel ist der Vorhang, durch den man die Galerie betritt: Yuki Okasa hat ihn aus Tüchern genäht, die sie auf Düsseldorfer Flohmärkten fand. „Tie and untie“ ist der Titel, knoten und aufknoten. Eine lose Verbindung, ohne Zwang. Davor steht ein tönendes Objekt des musikalischen Akademie-Absolventen und Wahl-Düsseldorfers Taka Kagitomi: „Halbe Miete“. Man darf an Saiten zupfen, ein Trommelstöckchen schwingen, eine alte Telefonscheibe drehen – und hört den Klang aus dem Lautsprecher.

Heitere Botschaft: Katzenbilder von Takeo Hanazawa aus der Partnerstadt Chiba. Foto: bikö

Kunst zum Schmunzeln – genau wie der von Takeo Hanazawa gemalte rotgestreifte Kater, der eine Schüssel mit japanischer Nudelsuppe stemmt, oder die entzückende „Family“ auf den kindlich anmutenden Pastellzeichnungen von Naoki Koide. Viel ernster wirken dagegen die Düsseldorfer Beiträge wie die zerrissenen und collagierten Tuschzeichnungen von Beatrice Richter oder Jana Buchs poetische Drucke auf handgeschöpftem Papier mit einem transparenten Gedichtschleier: „Das Lesen der Worte, jetzt – Maulbeere im Herbstmondlicht“. Schön! (Weitere Öffnungszeiten: 17./18. Sept. sowie 24./25. Sept., jeweils 17 bis 19 Uhr. Finissage: 27. Sept., 15 Uhr.)

Von asiatischer Kunst inspiriert: Eine Besucherin zwischen Tuschzeichnungen von Beatrice Richter und (rechts) einer poetischen Grafik von Jana Buch. Foto: bikö

Mehr Kunstpunkte

Am kommenden Wochenende, 19./20. September, führt die Route der Düsseldorfer „Kunstpunkte“ in die südlichen Stadtteile. Die Ateliers sind in der Regel am Samstag von 14 bis 20 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Einen genauen Plan gibt es auf der Website www.kunstpunkte.de

StichworteKunstpunkte
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