Düsseldorf: Post und DHL machen ihre Mitarbeitenden fit

Paketzusteller*innen müssen für ihren Job fit sein, denn täglich liefern sie Pakete mit unterschiedlichstem Gewicht aus – und das ins Erdgeschoss wie auch in die fünfte Etage Altbau ohne Aufzug. Dabei ist es umso wichtiger, dass alle wissen, wie sie schwere Lasten ergonomisch sinnvoll heben, sich auf jedem Untergrund sicher bewegen und auch mit dem zeitlichen Druck klar kommen. Standard war bisher, dass die Mitarbeitenden eine Arbeitseinweisung bekommen. Im Rahmen einer Gesundheitsinitiative für Zusteller*innen in Düsseldorf werden die Mitarbeitenden nun in einem fünfwöchigen Coaching mit Sportwissenschaftlern trainiert. Ziel ist es, mit kleinen regelmäßigen Übungen den Rücken und die Muskulatur zu stärken. Die Übungen sollen langfristig in den Arbeitsalltag integriert werden.

Die Pause mit den Übungen ist nur kurz, Ziel ist es, sie in eine tägliche Routine zu überführen
Ergo² heißt das Gesundheitsprogramm, dass im Zustellstützpunkt am Kieshecker Weg von Sportwissenschaftler und Coach Hanjo Fritzsche geleitet wird. Über mehrere Wochen werden die rund 100 Mitarbeitenden mitten im laufenden Geschäft in Gruppen kurz auf einer freien Fläche versammelt. Fritzsche zeigt dann zwei kurze Übungen, und erklärt, was sie bewirken. Er möchte, dass alle diese tagsüber immer mal wieder wiederholen. Dazu gehört das Dehnen ebenso wie das Entspannen den Rückens. Das ganze dauert keine zwei Minuten.

Die Pakete müssen von den Bereitsstellungswagen ins Fahrzeug gehoben werden und bei der Auslieferung beim Empfänger erneute getragen werden

Täglich werden allein im Zustellstützpunkt am Kieshecker Weg 10.000 Pakete bewegt
Außerdem schaut sich der Coach die individuelle Arbeit an. So kann er auf konkrete Probleme eingehen und Tipps geben. Für Stella Molitera war das bereits erfolgreich, starke Verspannungen im Schulterbereich führten bei ihr immer wieder zu heftigen Kopfschmerzen. Wenige Übungen macht sie nun regelmäßig und auch ein neues Kopfkissen hilft ihr nachts bei der Entspannung. Sie fühlt sich seitdem deutlich besser.

Hanjo Fritzsche ist für Stella Moliterno ein Held, denn er hat sie von ihren Schmerzen befreit
Auch die Mitarbeitenden, die ihre Zustellfahrzeuge beladen, erhalten wertvolle Hinweise. Den Paketen sieht man nicht immer an, ob sie 2 Kilo oder 25 Kilo wiegen. Daher ist das richtige Herangehen wichtig, um den Rücken zu schonen. Zu den praxisnahen Übungen gehört der Ausfallschritt beim Entladen schwerer Pakete oder wie man durch einbeinig balanciertes Stehen beim Scannen von Sendungen ganz nebenbei die tiefe Rumpfmuskulatur aktiviert.

Schon jetzt werden die ersten Weihnachtsartikel ausgeliefert, zum Jahresende steigt die Zahl der Sendungen stark an
„Wichtig ist, die Übungen in der Arbeitsroutine konsequent umzusetzen und sich gegenseitig zu unterstützen“, erklärt Hanjo Fritzsche. „So können aus wiederholten kleinen Übungen feste Gewohnheiten werden, die den Rücken entlasten und dabei helfen, Unfälle zu vermeiden“. Das Projekt führt zwei wesentliche Präventionsansätze zusammen, während die Rückenelemente auf das ergonomisch korrekte Heben und Tragen fokussieren, sorgt ein spezielles Gleichgewichtstraining für einen sicheren Stand. Dies ist eine entscheidende Maßnahme, um Stolper- und Sturzunfälle auf schwierigen Untergrund wie Treppen oder Schotterwegen zu vermeiden. In fünfwöchigen Trainingsphasen werden die Veränderungen langfristig in den Arbeitsalltag verankert. Die Post hat das Gesundheitsprogramm bereits an Pilotstandorten getestet. Dort konnten Muskelskeletterkrankungen sowie Stolperunfälle deutlich reduziert und das individuelle Wohlbefinden gesteigert werden.

Ingo Kutsch bei der morgendlichen Kurz-Trainingseinheit
Ingo Kutsch, Niederlassungsleiter im Unternehmensbereich Post und Paket Deutschland, sagt: „Die Rückmeldungen bislang waren sehr positiv, von spürbar weniger Beschwerden bis hin zu einem gestärkten Team Spirit“.
Die DHL Group setzt sich aktuell ausdrücklich für eine gesetzliche Gewichtsbegrenzung von Paketen auf 23 kg ein. Vor dem Hintergrund des stetig wachsenden Paketgeschäfts ist eine solche Grenze aus Sicht der Deutschen Post ein unverzichtbarer Beitrag zum langfristigen Gesundheitsschutz der bundesweit tätigen Paketzusteller*innen.