Zumutung oder Menschenrecht – Obdachlose im Düsseldorfer Stadtbild

Ein Schild der Düsseldorfer Jonges am Ratinger Tor hat eine Diskussion ausgelöst. „Privatgrundstück – Haus des Brauchtums, Heimatverein Düsseldorfer Jonges e.V.: Lagern vor dem Eingang und unter den Arkaden ist verboten“ war darauf zu lesen. Damit wollten die Düsseldorfer Jonges verhindern, dass regelmäßig Abfall, Exkremente und sonstige Hinterlassenschaften am Ratinger Tor von denen zurückgelassen werden, die sich dort einen Schlafplatz suchen. Mit der Miete des Gebäudes von der Stadt haben sich die Jonges verpflichtet für den Erhalt zu sorgen – das sehen sie durch die Obdachlosen gefährdet.

In den Arkaden des Ratinger Tors lagern immer wieder Obdachlose – zum Missfallen des Düsseldorfer Jonges, die dort Mieter sind
Die Streetworker*innen von fiftyfifty und aXept! reagierten am Mittwoch (24.6.) äußerst kritisch auf das Schild und luden am Mittag zu einem Ortstermin ein. Dabei brachten sie ein eigenes Schild an, auf dem graviert war „Wer kein Zuhause hat, braucht Schutz vor Hitze und Regen. Die Stadt ist für alle Düsseldorfer Jonges un Mädsche von der Straße da. fiftyfifty“.
Oliver Ongaro von fiftyfifty fand deutliche Worte und warf den Jonges Menschenverachtung vor. Anstatt die Obdachlosen zu vertreiben, sollten sie lieber das Gespräch suchen. Auch Housing First könne nicht für alle Menschen Wohnraum schaffen, da beispielsweise EU-Ausländer keinerlei Anspruch auf finanzielle Leistungen hätten. Die Notschlafstellen böten nur zwischen 19 und 7 Uhr Aufenthalt, tagsüber müssten die Menschen schauen wo sie bleiben.

Die fiftyfifty-Verkäufer Helmut und Django brachten das Schild an
Zum Termin am Ratinger Tor waren auch Jonges-Baas Dr. Reinhold Hahlhege und Pressesprecherin Sabrina Gerndt gekommen, um sich der Diskussion zu stellen. Sie schilderten die belastende Situation durch die Verunreinigungen und betonten ihr Hausrecht, als Mieter des Gebäudes – das rechtfertige das angebrachte Schild. Welches allerdings dann abgenommen wurde, da beide bedauerten, damit eine falsch verstandene Botschaft gesendet zu haben.
Während des Gesprächs am Jonges-Gebäude schlief ein Obdachloser auf der anderen Straßenseite in den Arkaden des derzeit leerstehenden zweiten Gebäudes des Ratinger Tors. Um ihn herum seine Habseligkeiten. Der ehemalige Obdachlose und fiftyfifty-Verkäufer Django schilderte die Lage in den Notunterkünften. Dort sei Gewalt und Diebstahl normal. Viele hätten deshalb Angst dort zu übernachten und zögen es vor, ihr Hab und gut im Einkaufswagen oder ähnlichen Transportmitteln bei sich zu haben. Als Schlafplatz böte sich das Ratinger Tor auch deshalb an, weil die Polizei gleich gegenüber sei, was etwas vor Übergriffen schütze.

Auch am aktuell leerstehenden Teil des Ratinger Tors lagern Obdachlose
Hahlhege und Gerndt hörten sich die Schilderungen an und sind weiterhin an einer Lösung des Verschmutzungsproblems interessiert. Die Streetworker gaben ihnen Ansprechpartner*innen mit Telefonnummern und boten an, das Gespräch mit den Obdachlosen zu suchen, die dort lagern. Denn ein Anruf bei Polizei oder Ordnungsamt erzeuge nur Vertreibung, löse aber das Problem nicht. Bisher war allerdings weder bei aXept! noch bei fiftyfifty das Ratinger Tor als Problemschwerpunkt bekannt.
Da mag es vielleicht auch helfen, dass die Düsseldorfer Jonges, die ihr Stammhaus in der Mertensgasse 1 haben, quasi Nachbarn von aXept! sind, die ihre Räume an der Mertensgasse 12 haben. Bleibt abzuwarten, ob Kommunikation hilft – es wäre wünschenswert.
Die Streetworker*innen sind auch Ansprechpartner*innen für alle Düsseldorfer*innen, die das Gespräch über oder mit Obdachlosen suchen. So kann die Hilfe und Unterstützung organisiert werden, die Ordnungsamt und Polizei nicht leisten können. Die Sozialarbeit/Beratung von Fiftyfifty ist an der Höhenstr. 51 und unter Telefon 0211-6012735 montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr erreichbar. Kontaktdaten von aXept! sind im Bild aufgeführt.
