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Home›Kultur›Düsseldorf: Stadtspitze stoppt Opernneubau

Düsseldorf: Stadtspitze stoppt Opernneubau

Von Ute Neubauer
5. Juni 2026
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Die vertraute Oper bleibt den Düsseldorfer*innen erhalten

Die finanzielle Lage der Stadt Düsseldorf war immer gut und vieles wurde ermöglicht, wovon andere Städte träumen: Neubauten von Schulen und Schwimmbädern, beitragsfreie Kitas und zahlreiche Kulturstätten. Dazu passten die Pläne des Neubaus der Oper als neues Leuchtturmprojekt. Am Freitag (5.6.) lud Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller kurzfristig zu einer Pressekonferenz mit dem Thema „Opernhaus der Zukunft“ ein, was schon erahnen ließ, dass da eine gravierende Entscheidung gefällt wurde.

Und so kam es dann auch. In knappen Worten führte das Stadtoberhaus aus, dass die Finanzen der Stadt es nicht zulassen würden, eine Oper für rund eine Milliarde Euro neu zu bauen. Ein gravierendes Signal, wenn selbst eine Stadt wie Düsseldorf nun auf intensiven Sparkurs gehen muss.

Kämmerin Dorothée Schneider hatte gerade erst darüber informiert, dass das Haushaltsdefizit nicht nur wie bisher prognostiziert 390 Millionen Euro betrage, sondern man mittlerweile von 470 Millionen Euro ausgehe. Sie appellierte an alle Bereiche der Stadt die Ausgaben zu reduzieren, um ein Haushaltssicherungsverfahren zu verhindern. Kürzungen bei den Ausgaben würden nun auch dazu führen, dass die Bürger*innen merken, dass es Einschränkungen geben wird.

“Die Entscheidung, die Planung für das Projekt Opernhaus der Zukunft zu stoppen, ist mir alles andere als leicht gefallen. Angesichts eines wachsenden Defizits in unserem Haushalt sind jedoch auch schmerzhafte Entscheidungen unumgänglich. Die Verwaltung ist insgesamt angehalten, Einsparpotenziale zu heben. Dazu gehören in letzter Konsequenz auch Herzensprojekte. Mir war und ist die Oper ein solches Herzensanliegen. Gleichzeitig ist es meine Pflicht, die finanzielle Autonomie der Landeshauptstadt sicherzustellen. Dies bedeutet jedoch keineswegs einen Abschied von der Kunstform Oper in Düsseldorf. Der Standort an der Heinrich-Heine-Allee wird ertüchtigt. Diese Maßnahmen waren ohnehin vorgesehen, um den Betrieb bis zu einer möglichen Neueröffnung sicherzustellen. Der Spielbetrieb bleibt somit gewährleistet”, erklärte Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller. “Mein Dank gilt allen Beteiligten, die in den vergangenen Jahren mit großem Einsatz an der Planung des Opernhauses der Zukunft gearbeitet haben. Die Idee, die Deutsche Oper am Rhein, die Clara-Schumann-Musikschule und die Musikbibliothek an einem Standort zusammenzuführen, steht für einen besonderen Dreiklang aus Kultur, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und erarbeiteten Konzepte behalten unabhängig von der heutigen Entscheidung ihren Wert.”

Am Freitagmorgen hatte Keller das Gespräch mit dem Leitungsteam der Oper und der IPM gesucht und die Entscheidung mitgeteilt. Noch nie habe er so geschockte Reaktionen erlebt, berichtete er beim Pressetermin. Es bleibt abzuwarten, ob die Entscheidung auch Auswirkungen auf die Verpflichtungen von Generalintendantin Ina Karr und Generalmusikdirektor Evan Rogister haben wird, die ab der Spielzeit 2027/2028 das neue Führungsduo für die Oper sein sollen. Denn statt Neubau soll nun der Standort an der Heinrich-Heine-Allee ertüchtigt werden. Die dafür vorgesehenen Maßnahmen waren bereits geplant und werden umgesetzt. Schon ab 18. Juni wird eine Beschlussvorlage zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs in den Gremienlauf des Stadtrates gehen. Die baulichen Maßnahmen sollen dann im dritten Quartal des kommenden Jahres starten. Untersuchungen zur Aufrechterhaltung des Opernbetriebs auch über die 2030er Jahre hinaus sollen beauftragt werden. Dabei werden die Pläne zu zahlreichen Verbesserungen, die ein Neubau bedeutet hätte, auf der Strecke bleiben.

“Wir stehen vor großen finanzwirtschaftlichen Herausforderungen. Aktuell ist nicht erkennbar, dass die kommunalen Haushalte durch Entscheidungen der Landes- und Bundespolitik substanziell entlastet werden. Gleichzeit bleibt die gesamtwirtschafliche Dynamik aus, die auch in Düsseldorf zu einer positiven Entwicklung der Steuereinnahmen führen würde”, so Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller. “Vor diesem Hintergrund müssen wir uns zwingend auf die unabweisbaren Investitionsbedarfe konzentrieren, insbesondere im Bereich der Infrastruktur.”

Das Grundstück für den Opernneubau an der Tonhallenstraße/Am Wehrhahn hatte die Stadt gekauft. Ein echtes Filet-Grundstück, wie Keller betont. Es soll nicht verkauft, sondern alternative Nutzungsideen ausgearbeitet werden. Denkbar wäre ein urbanes Quartier, beispielsweise aus Gastronomie, Einzelhandel und Wohnen, das ähnlich einer Oper zur Aufwertung des Areals am östlichen Ende der Schadowstraße beitragen könnte.

Die Reaktionen der anderen Ratsparteien

Erstaunlicherweise kritisierte die FDP die Entscheidung, obwohl sie sonst das Credo der Schuldenfreiheit hochhält. Sie sieht in der Absage einen schweren Fehler und das Verspielen einer historischen Chance für die kulturelle und städtebauliche Entwicklung. FDP-Fraktionsvorsitzender Mirko Rohloff wirft der Koalition und dem Oberbürgermeister das finanzielle Scheitern vor.

Die Grüne Jugend Düsseldorf begrüßte den Stopp der Planungen und betonte, der Schritt sei längst überfällig gewesen. Sie kritisieren auch die städtische Grünenspitze, denn schon bei den Koalitionsverhandlungen hatte sich der Parteinachwuchs klar gegen den Opernneubau positioniert. Sie fordern Steuererhöhungen bei der Gewerbesteuer sowie die Einführung einer Zweitwohnsitzsteuer und Verpackungssteuer, um mehr Einnahmen für die Stadt zu generieren.

Sabrina Proschmann, Vorsitzende der SPD-Volt-Ratsfraktion Düsseldorf, und Adis Selimi, Vorsitzender der SPD Düsseldorf, sehen in der Entscheidung die Konsequenz einer verfehlten Finanzpolitik. Für OB Keller sei die Oper ein Prestigeprojekt gewesen und jetzt zeige sich, dass es für die Finanzierung nie eine belastbare Grundlage gegeben habe. Jetzt müsse sich zeigen, welche Optionen zum Erhalt am aktuellen Standort tatsächlich geprüft wurden und welche Perspektive die Oper dort hat.

Die Linke sieht sich bestätigt und begrüßt das Aus für den Opernneubau. Sie hatten bereits für die Ratssitzung am 07.05.2026 einen Antrag auf ein sofortiges Moratorium und einen Ausgaben-Stopp für die Opernplanungen eingereicht. Kürzungen bei Sozialprojekten und der Stopp des Neubaus des Technischen Verwaltungsgebäudes verdeutlichten die finanzielle Situation der Stadt. In einer Umfrage hatte die Partei ermittelt, dass die Mehrheit der Düsseldorfer*innen den Opernneubau ablehnt. Die Linke Ratsfraktion kündigt konstruktive Vorschläge zur Bewältigung der Haushaltskrise an.

StichworteFinanzkriseNeubauOper
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