Innerer Garten: Ina Gerken in der Kopfermann-Stiftung Düsseldorf

Vernissage am Muttertag? Das kann mit familiären Kuchen-Plänen kollidieren. Nicht so voll wie gewohnt war es deshalb bei der Eröffnung der neuen Ausstellung in der Villa der Kopfermann-Fuhrmann Stiftung in Oberkassel. Umso freier konnten die Farben auf den Bildern der jungen Malerin Ina Gerken und der verstorbenen Stifterin Sigrid Kopfermann leuchten. „Wild Horizons“ heißt die Schau.

Leidenschaftliche Gesten: Ina Gerkens Bilder „Red Moon“ (rechts) und „Between what remains“ in der Kopfermann-Fuhrmann-Stiftung. Foto: bikö
Wild ist der Eindruck in der Tat, die Horizonte erscheinen nicht als ruhige Linie. Keine Landschaft, keine Figur ist da zu erkennen. Beide Künstlerinnen setzen die Farbe in expressiven Gesten auf die Leinwand. Doch auch Abstraktion entsteht immer aus dem Erlebten und Gefühlten. Nicht ohne Grund nennt Ina Gerken ein monumentales Gemälde aus rauen Schwüngen von Orange, Lila, Blau, Grün, Weiß und feinen, strahlenartigen Linien „A place for me“. Da blüht ihr innerer Garten.
Roter Mond

Inspiration: Kuratorin Carolin Israel (vorne) und Malerin Ina Gerken vor einem Bild von Sigrid Kopfermann: „Kleine Serie 9“ (2003). Foto: bikö
Die Malerin, 1987 in Speyer geboren, studierte zunächst in Mainz, bevor sie 2014-16 zur Meisterschülerin von Katharina Grosse an der Düsseldorfer Kunstakademie wurde. Die weltberühmte Professorin, heute in Berlin, verwandelt mit ihren kühn installierten Farbergüssen ganze Säle in Raumkunst. Ina Gerken konzentriert sich auf das übliche Geviert an der Wand. Doch sie füllt es mit leidenschaftlichen Gebärden und zarten Gedanken. „Tiny thoughts“ heißt eine Gouache. Collagen-Elemente gehören gelegentlich dazu. Ein rosa Dreieck aus Seidenpapier schwebt in poetischer Verknitterung auf dem Bild „Still becoming“, noch im Werden.

Sonntagsbesuch in den Salons der Kopfermann-Fuhrmann Stiftung. Hinten an der Wand: „Still becoming“ von Ina Gerken. Foto: bikö
Das Werk entstand, wie ein roter Mond („Red Moon“), für diese Ausstellung, inspiriert von den abstrakten Bildern aus dem Lebenswerk der einstigen Hausherrin Sigrid Kopfermann (1923-2011), deren Geist noch durch die Salongalerie schwebt. Gemeinsam mit Kuratorin Carolin Israel, einer Kommilitonin aus der Grosse-Klasse, durchforstete Gerken das Lager von Kopfermann-Bildern und fand Verbundenheit über Generationen hinweg. Einige Kopfermann-Bilder, wie „Paris 27“ (2001) oder die ungestüme „Kleine Serie 9“ zeugen davon. Sie könnten heute entstanden sein.
Was, wann und wo?
„Wild Horizons: Ina Gerken und Sigrid Kopfermann. Bis 19. Juli in der Kopfermann-Fuhrmann Stiftung, San-Remo-Str. 6, Düsseldorf-Oberkasse. Geöffnet So. 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. www.kopfermann-fuhrmann.de