Russe wird als Sieger beim Düsseldorfer Marathon gefeiert

Während laut für uns nicht überprüfbaren Berichten internationaler Medien in der Ukraine allein am Samstag und Sonntag mehr als 20 Menschen durch russische Drohnen, Raketen und Schüsse zu Tode kamen und mehrere Dutzend Kinder, alte Menschen, Frauen und Männer, zum teil schwer verletzt wurden, jubelte Düsseldorf am Sonntag einem russischen Läufer zu. Dimitrii Nedelin gewann den Uniper Düsseldorf Marathon. Der Mann mit dem rosa Nasenpflaster und der Startnummer 5590 war bei Kilometer 35 zur Verwunderung aller den weltbesten Läufern aus Kenia und Uganda davon gelaufen. So als habe er – woher auch immer – extra Kraftreserven. Im Ziel lag er knapp drei Minuten vor dem Zweitplatzierten Samuel Kiplimo Naibei aus Kenia (2‘11‘‘45). Dritter wurde Geoffrey Kimutai Koech aus Kenia mit einer Zeit von 2‘12‘‘01.

Das Zuschauer-Schild kann motivieren – muss es aber nicht. Foto: Karina Hermsen
Ein Chat komplett auf Russisch
Bereits am frühen Morgen hatten russische Nutzende den Chat zum Lifestream des Düsseldorfer Marathons geflutet. Es gab ausschließlich Botschaften in kyrillischer Schrift. Die Moderatoren des Livestreams feierten mehrfach und begeistert einen neuen „russischen Laufrekord“. Zuvor hatte Nedelin laut Internet-Notizen unter anderem in Moskau vergeblich versucht, den Landesrekord zu verbessern. Hinzu kam eine völlig kritiklose Jubelmoderation, die Nedelin als Überraschungssieger feierte – ohne ein einziges Wort über den Krieg in der Ukraine zu verlieren – wo das Bombardement der russischen Streitkräfte im Osten des Landes mehr als 20 Stunden gedauert haben soll.
Drei Kenianerinnen bei den Frauen auf dem Siegertreppchen

Die drei <läufer vorn sind Pace-Maker – dahinter laufen nach etwas einer halben Stunde nach dem Start des Marathon die drei aussichtsreichsten Frauen aus Kenia. Foto: Karina Hermsen
Das waren in Düsseldorf die schnellsten Frauen beim Marathon: Tecla Jelimo Kibet aus Kenia siegte mit einer Laufzeit von 2‘25‘‘15. Dahinter kamen zwei weitere Kenianerinnen ins Ziel: Rebecca Kangogo Chesir brauchte 2‘11‘‘35. Auf Platz drei landete Rebecah Jeruto Cherop mit 2‘27‘‘46.
Beim Halbmarathon gab es einen Düsseldorfer Doppelsieg. Hendrik Pfeiffer von den Düsseldorf Athletics lief in 1‘04‘‘04 ins Ziel. Seine Schwester Esther Pfeiffer, ebenfalls Düsseldorf Athletics, war am Ende mit einer Zeit von 1‘08‘‘38 die schnellste Frau beim Halbmarathon.
Rund 23.000 Läuferinnen und Läufer waren am Sonntag (26.4.) in Düsseldorf am Start, so die Vorabinformation der Veranstalter, die damit einen neuen Anmelderekord meldeten. Bereits um 8 Uhr gingen mehrere Tausend Laufende zum Halbmarathon auf die Strecke. Um 9.55 Uhr begann mit etwa zehn Minuten Verspätung der Marathon. Mit dabei war auch die deutsche Olympia-Teilnehmerin Debborah Schöneborn, die am Ende bei den Frauen mit einer Zeit von 2‘36‘‘45 auf dem sechsten Platz landete.

Je länger man läuft, desto willkommener sind die Rufe vom Straßenrand. Foto: Karina Hermsen
Staffeln und Musik entlang der Strecke
Die Staffeln starteten ab 10.15 Uhr und bilden den Abschluss des Marathon-Events in Düsseldorf. Entlang der Strecke sollten laut Veranstalter insgesamt 39 DJ-Stationen für Stimmung und Musik sorgen.
Kinder- und Jugendläufe schon am Samstag
Anders als im vergangenen Jahr fanden die Kinder- und Jugendläufe bereits am Samstag statt. Zum Schutz der Heranwachsenden berichten wir nicht über deren Wettbewerbe.