Düsseldorf: Neuer „Pflasterlaster“ der Johanniter für noch bessere Versorgung Obdachloser

Seit über zwanzig Jahren ist der gutenachtbus von montags bis freitags nach 22 Uhr Anlaufstelle für obdachlose Menschen. An zwei Stationen in der Altstadt und am Hauptbahnhof bietet vision:teilen in dem Transporter eine warme Mahlzeit, saubere Kleidung und bei Bedarf ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte. Was fehlte war die Möglichkeit den Menschen auch ein medizinisches Angebot zu machen. Dies ist nun seit einem Jahr durch eine Kooperation mit der Johanniter-Unfall-Hilfe möglich. Seit dem 16. März 2025 sind die Johanniter mit einem ehemaligen Rettungswagen als „Pflasterlaster“ jeweils montags vor Ort.
Optimal war das Fahrzeug nicht und auch in die Jahre gekommen. Daher freuten sich die Johanniter, den alten Wagen jetzt in ein ganz neues Modell auszutauschen. Damit kann die niedrigschwellige medizinische Hilfe für wohnungslose Menschen und anderen Personen, die kaum Zugang zur regulären medizinischen Versorgung haben, noch besser angeboten werden. Dabei geht es dem Team an Bord und respektvollen Umgang, Zeit für die menschen und ihre Nöte zu haben und Begegnung auf Augenhöhe.

(v.l.) Josef Hinkel, Dr. Axel Kallmayer und Marvin Adels begrüßen die Gäste
Am Montagabend (16.3.) wurde der neue Pflasterlaster bei einer kleinen Feier in Betrieb genommen. Dazu hatten sich in der Wagenhalle der Johanniter an der Erkratherstraße die Ehrenamtlichen eingefunden, durch die der Betrieb überhaupt erst möglich ist. Der Regionalvorstand der Johanniter, Marvin Adels, sein ehrenamtlicher Kollege Dr. Axel Kallmayer und Projektleiter Ben Boßhammer nutzten die Gelegenheit ihnen und den finanziellen Unterstützer*innen des neuen Fahrzeugs zu danken. Dem schloss sich auch Bürgermeister Josef Hinkel an, der das Engagement für die Schwächsten der Gesellschaft lobte, was durch die nächtlichen Einsätze sicherlich nicht immer einfach sei.

Gemeinsam wurde das neue Fahrzeug gefeiert
Im ersten Jahr hat das Team aus medizinischen Fachkräften, Rettungskräften und auch engagierten Ärzten 335 Behandlungen dokumentiert. Die Nachfrage steigt und rund 80 Prozent der Kontakte betreffen Wundversorgungen oder Gespräche im Zusammenhang mit Suchterkrankungen. Immer häufiger kommen Patient*innen wieder, um Verletzungen über einen längeren Zeitraum beobachten oder behandeln zu lassen. Das wertet das Team als Zeichen in das Vertrauen des Angebots. , welches parallel zum gutenachtbus jeden Montag Abend angeboten wird. Durch den Einsatz ehrenamtlicher Ärztinnen und Ärzte konnte das medizinische Angebot erweitert werden.
Besonders am zweiten Einsatzort in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs zeigt sich regelmäßig ein höheres Behandlungsaufkommen. Dort trifft das Team des Pflasterlasters häufiger auf Menschen mit gesundheitlichen Problemen infolge von Drogenkonsum.

Etemad Parishanzadeh ist einer der Sanitäter, die sich für das Projekt ehrenamtlich engagieren – hier im alten Pflasterlaster

Der neue Pflasterlaster bietet mehr Raum und erinnert mehr an das Behandlungszimmer einer Arztpraxis
Der neue Pflasterlaster bietet deutlich bessere Bedingungen für die medizinische Versorgung: Im Fahrzeug befinden sich unter anderem eine Behandlungsliege, ein Waschbecken, ein Kühlschrank für medizinisches Material sowie zusätzliche Arbeits- und Ablageflächen für Dokumentation und Versorgung. Der Einstieg ist durch die breite Tür einfacher und innen sind verschiedene Griffe angebracht, die das Hinlegen und Aufstehen erleichtern. Eine Klimaanlage sorgt zu jeder Jahreszeit für optimale Temperaturen. Außen gibt es ein aufklappbares Vordach, so dass wartende Menschen geschützt stehen.
Ermöglicht wurde die Neuanschaffung durch eine Förderung der Stiftung Wohnhilfe in Höhe von 70.000 Euro sowie Spenden unter anderen von der Postcode Lotterie, der PSD Bank und Dr. Petra Jasker. Das Fahrzeug hat fast 170.000 Euro gekostet.

(v.l.) Dr. Gerhard Schneider, Dr. Petra Jasker, Dr. Axel Kallmayer, Ben Boßhammer, Beata Lamich und Josef Hinkel
Düsseldorf ist Vorreiter mit dem Pflasterlaster, andere Städte ziehen mittlerweile nach. Marvin Adels betonte, wie wichtig dieses Zeichen der Gesellschaft sei, Menschen in schweren Lebenslagen nicht alleine zu lassen und hinzuschauen. Die Johanniter stehen für Engagement, Menschlichkeit und gelebter Solidarität. Dafür sei der Pflasterlaster ein gutes Beispiel.
Interessierte Ehrenamtliche, gerne mit medizinischen Vorkenntnissen sind herzlich eingeladen im Projekt zu
unterstützen. Weitere Informationen unter: www.johanniter.de/pflasterlaster