Düsseldorf: Komplette Sperrung der Immermannstraße – für 25 Spaziergänger der AfD

Die AfD setzte am Montag (15.6.) ihre Stadtspaziergänge fort. Diesmal hatten sie sich die Immermannstraße ausgesucht. Wie es in der Einladung hieß: „Diesmal schauen wir uns ein Beispiel einer Parallelgesellschaft an, die tatsächlich gelungen, willkommen und kulturell bereichernd ist: Klein-Tokyo“.

Die AfD’ler trugen eine japanische Fahne bei ihrem Spaziergang und eine Deutschlandflagge
Erneut waren viele Polizist*innen vor Ort, um die Versammlungsfreiheit der Teilnehmer zu schützen. Normalerweise gendern wir in den Artikeln bei Ddorf-aktuell – ist aber bei der AfD bei diesem Spaziergang nicht nötig. Denn es waren eigentlich nur Männer, die der Einladung von Marco Vogt folgten. Abgesehen von einer Bloggerin, die diesmal erfreulicherweise von der Polizei in ihre Schranken gewiesen wurde, als sie wieder versuchte zu provozieren.

Polizeioberrat Jan Baumann (3.v.l.), Leiter der Polizeiinspektion Süd, begleitete den Spaziergang der AfD und wies die AfD-Blogger an, nicht zu provozieren
Das Polizeiaufgebot war gegenüber dem letzten Spaziergang am 18. Mai nochmals erhöht worden. Diesmal begleitete der Leiter der Polizeiinspektion Süd, Polizeioberrat Jan Baumann den Einsatz und auch das Team der Polizeipressestelle war vertreten. Ob es daran lag oder der Einsatzbefehl anders formuliert war – das Eingreifen der Polizei war konsequent, aber kein Vergleich zu Oberbilk.

Und schon wieder musste der Spaziergang stoppen

Gegenprotest an der Ecke Kreuz- und Immermannstraße – die Immermannstraße war komplett für den Verkehr gesperrt
Die Gegendemonstranten versuchten mehrfach den Spaziergang durch Sitzblockaden zu stören, das wurde unterbunden. Offenbar hatte man auch aus der Situation gelernt und die Immermannstraße komplett für den Verkehr gesperrt. Auf der Ellerstraße war es noch zu gefährlichen Situationen gekommen.

Auf dem Rückweg nahm die Polizeipräsenz nochmal zu
Der Spaziergang verlief friedlich und endete am Startpunkt, dem Bismarck-Denkmal. Die Abreise der AfD-Teilnehmer stellte sich als schwierig dar, denn auch das Polizeiaufgebot verhinderte nicht, dass sich die Gegendemonstrierenden an den Absperrungen versammelten. Da wurde es schwierig für die Herren der AfD, die ja bereits um 18 Uhr am Bachsaal sein wollten, wo der rechten Publizist Michael Klonovsky als Gastredner eingeladen war.

Ein riesiges Polizeiaufgebot für etwa 25 AfD’ler
„Demokratie, Menschenwürde und Vielfalt“

Mehr als 300 Menschen waren gekommen, um ein zeichen zu setzen
Während die AfD hinter einer Japanfahne im Spalier der Polizeibeamten ihren Spaziergang durchführte, fand vor der Johanneskirche eine Kundgebung unter dem Motto „Demokratie, Menschenwürde und Vielfalt“ statt. Dazu hatte die evangelische Kirche Düsseldorf und der Düsseldorfer Appell eingeladen. Ziel war es, ein Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu setzen.

(v.l.) Redouan Aoulad-Ali vom Rat der Religionen, Beate Plenkers-Schneider, Geschäftsführerin des Katholischen Gemeindeverbandes, Silke Tosch Pastorin der Rheinkirche Düsseldorf und Heinrich Fucks, Superintendent der Evangelischen Kirche Düsseldorf bei der Kundgebung
Denn der Aussage der AfD „in Klein-Tokyo gebe es eine Parallelgesellschaft“ setzten die über 300 Menschen auf dem Platz eine andere Botschaft entgegen: „Damit werden Menschen und Gemeinschaften gegeneinander ausgespielt und nach vermeintlicher Zugehörigkeit bewertet. Ideologien der Ungleichwertigkeit behaupten, manche Menschen gehörten mehr dazu als andere. Sie machen Unterschiede und Vielfalt zur Bedrohung. Wir halten dagegen: Menschenwürde gilt für alle – ohne Ausnahme“, betonte Pfarrer Heinrich Fucks, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf und Sprecher des Bündnisses Düsseldorfer Appell.

Die Omas gegen Rechts hatten am Eingang der Kirche eine Kundgebung angemeldet – genau gegenüber des Verammlungsortes der AfD
Und auch Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller sprach von der Internationalität Düsseldorfs, die eine weltoffene und vielfältige Stadt sei, bei der das Miteinander im Mittelpunkt stehe. Eine Parallelgesellschaft ist eine isolierte Minderheit, die sich abschottet und nach einem eigenen Wertesystemen lebt. Das Gegenteil sei bei der Japanischen-Community der Fall, die zur Stadtgesellschaft gehöre und die Stadt positiv präge, erklärte Keller. „Menschen nach Herkunft zu unterteilen ist Rassismus – und den lehnen wir ab“, machte das Stadtoberhaupt deutlich.

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller nahm an der Kundgebung Kundgebung unter dem Motto „Demokratie, Menschenwürde
und Vielfalt“ vor der Johanneskirche teil
Die Veranstaltung an der Johanneskirche wurde begleitet vom Kaffeemobil „Evie“, Vertreter*innen der Grünen verteilten dazu leckeren Kuchen und die Kirche war als Ruheort und Anlaufstelle geöffnet. Für die musikalische Gestaltung sorgte die Singer-Songwriterin Marie Rauschen. Den Abschluss bildete ein ökumenisches Friedensgebet mit Johanneskirchenpfarrer Gert Ulrich Brinkmann und Pfarrerin Silke Tosch von der Rheinkirche Düsseldorf unter Beteiligung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK).