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KulturTheaterTop News
Home›Kultur›Sieg des Theaters: Ingmar Bergmans „Fanny und Alexander“ in Düsseldorf

Sieg des Theaters: Ingmar Bergmans „Fanny und Alexander“ in Düsseldorf

Von Birgit Koelgen
20. September 2026
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Die Matriarchin (Manuela Alphons) thront in einer Familienszene zwischen (von links) Cathleen Baumann, Franz Pätzold, Lisa-Katrina Mayer. Foto: Sandra Then / Schauspielhaus Düsseldorf

Es ist ja immer gewagt, einen meisterhaften Kinofilm auf die Bühne zu bringen. Aber Ingmar Bergmans mit vier Oscars gekröntes Alterswerk „Fanny und Alexander“ (1982) gehört dorthin. Denn es handelt vom Theater, von jener kleinen Welt, in der alles ausgespielt werden darf – mit voller Wucht, aber ohne Folgen für das richtige Leben. Oder? Hört das Drama niemals auf? Danach fragt der isländische, an deutschen Theatern erfolgreiche Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson in einer ergreifenden, lustigen, traurigen, fabelhaften Inszenierung im Kleinen Haus zu Düsseldorf.

Fängt mit einer gruseligen Szene an – Giftmord an der Festtafel. Alle krümmen sich und sacken zusammen. Aber dann rappeln sie sich lachend auf. Es ist nur ein Spiel, mit dem sich die Theaterfamilie Ekdahl amüsiert, bevor sie bestens gelaunt Weihnachten feiert. Keine armen Künstler sind die Ekdahls. Sie leben im großbürgerlichen Milieu um 1900, im Film prachtvoll ausgestattet, auf der Bühne angedeutet. Eine Wanne mit vielen Kissen wird zum Bett, einfache Tische, Stühle und Tücher genügen als Salon, eine Tafel im Hintergrund steht ein riesiges Regal voller Schachfiguren, Schaufensterpuppen und anderen Requisiten. Bühnenbildnerin Eva Veronica Born hat sich im Fundus bedient. Material für die Fantasie.

Immer im Spiel: die Theaterfamilie Ekdahl in der ersten Szene des Bergman-Stücks „Fanny und Alexander“. Foto: Sandra Then / Schauspielhaus Düsseldorf

Kinderseelen

Aber so wild modern wie in Stephan Kimmigs Bearbeitung des gleichen Stoffs vor der Pandemie 2019 wird es nicht. Arnarsson mag auch nostalgische Erscheinungen wie die wunderbare Manuela Alphons (unglaubliche 80 Jahre alt) in der Rolle der Matriarchin Helena, einer ehemals gefeierten Schauspielerin. In großer Samtrobe, mit hochgesteckter Grande-Dame-Frisur, träumt diese Helena ihrem verflossenen Leben hinterher, flirtet noch auf melancholische Art mit Hausfreund Isak (raffiniert: Jürgen Sarkiss), und sorgt für die trefflichsten Sätze: „Man ist schon alt und doch auch ein Kind.“

Die Kinder der Familie sind die Helden der Geschichte: Fanny, in der Premiere gespielt von der zauberhaften Maria Lomova, und Alexander, dessen Furcht, Kühnheit und Kampfgeist von Aedan D’Inca fühlbar gemacht werden. Extra-Bravo für den talentierten Jungen im Zentrum des Dramas! Fanny und Alexander werden nach dem jähen Tod des Vaters Oscar (rührend: Markus Danzeisen), der zusammenbricht, während er eine Geisterszene aus „Hamlet“ probt, aus dem vertrauten Milieu gerissen. Ihre Mutter Emilie, in leidenschaftlicher Zerrissenheit porträtiert von Tabea Bettin, heiratet den verwitweten Geistlichen, der ihr beistand.

Die Mama will den Bischof heiraten, Aleksander ist skeptisch. Szene mit (von links) Aedan D’Inca, Tabea Bettin, Philipp Hauß. Foto: Sandra Then / Schauspielhaus Düsseldorf

Großes Kino

Bischof Vergerus (subtil changierend: Philipp Hauß) scheint ein zunächst angenehmer, liebevoller Mann zu sein. Doch er will von Theater und Lebenslust nichts wissen, predigt „Reinheit und Strenge“. Besonders der fabulierende Alexander erregt den Zorn des Stiefvaters, wird bedroht, verprügelt und auf den Dachboden gesperrt, obwohl er sich vor Gespenstern fürchtet. Wächterinnen der Kinder sind Mutter und Schwester des Bischofs. Cathleen Baumann und Lisa-Katrina Mayer, eigentlich die Ehefrau und die Geliebte des labilen Onkels Carl Gustav (amüsant: Franz Pätzold), verwandeln sich mit übergeworfenen weißen Gewändern in nonnenhafte Gestalten. Am Theater ist eben alles möglich.

Auch Erlösung. Und so stirbt der vom Stiefkind verfluchte Bischof in einem Zimmerbrand, nachdem die verzweifelte Emilie ihm ein Schlafmittel verabreicht hat, um unbehelligt aus dem Haus zu fliehen. Ob der Mann nur böse war? Man weiß es nicht. Die Frage von Schuld und Unschuld bleibt bei Bergman stets ungeklärt. In jeder Figur gibt es Licht und Finsternis: „Das Leben ist ein Schatten, und der wandert“, heißt es im Stück, das man gebannt verfolgt, bis zum Schlussbild, das die Familie Ekdahl wieder vereint. Begeisterter Applaus und Bravo-Rufe, auch für den Musiker Julius Bèla Dörner, der am Klavier für die Filmmusik sorgte. Ganz großes Kino auf kleiner Bühne!

Das Schönste am Theaterspielen: der Applaus. Ensemble mit Manuela Alphons (in schwarzer Robe) und den Kinderdarstellern Maria Lomova und Aedan d’Inca. Foto: Sandra Then / Schauspielhaus Düsseldorf

Weitere Vorstellungen

„Fanny und Alexander“ von Ingmar Bergman wurde im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses von Thorleifur Örn Arnarsson inszeniert. Aufführungsdauer: zweieinviertel Stunden ohne Pause. Die nächsten Vorstellungen sind am 24. September (20 Uhr) und 27. September (16 Uhr), dann am 2., 9., 16. und 30. Oktober (jeweils 19 Uhr). www.dhaus.de

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