Luft für die Kunst: Sommerrundgang an der Düsseldorfer Akademie

Konfetti! Spontanes Jauchzen auf den Fluren. Blumen überall. 56 Absolvent*innen der Düsseldorfer Kunstakademie feiern ihren Abschluss. Und fürs Publikum gibt’s die zweite große Schau im Jahr: den Sommerrundgang mit seinen individuellen, etwas luftigeren Präsentationen. Eigentlich schöner als der Klassenrummel beim Winterrundgang – und bis Sonntag frei zugänglich. Kann nur empfohlen werden. Besonders die jungen Frauen zeigen Frische, Selbstbewusstsein, Power. Die Akademie ist gerade vorwiegend weiblich.

Inspiriert von Blumen und Gärte: die Malerin Rebekka Ana Aimée zwischen Bildern ihrer Abschlusschau „gloom bloom“. Foto: bikö
Und die Mädels haben keine Angst vor der Schönheit. Rebekka Ana Aimée aus der Klasse von Ellen Gallagher nennt ihre Schau im Erdgeschoss zwar „gloom bloom“ (etwa: schwermütiges Blühen), aber sie lässt die Farben stilisierter Blumen nur so leuchten. Rot, Gelb, Lila für die Nacht, Blau für einen stillen Regen über dem Garten. Selbst die „Ashes“ schimmern noch in Pastelltönen. Mit ihren Großformaten will sie es auf dem freien Markt versuchen, in Düsseldorf bleiben und „einfach weitermalen“.
Narrengedicht

Mit Performances belebt Saskia Tamara Kaiser die Installation ihrer Skulpturen und Objekte. Foto: bikö
Gleich daneben, in der Klasse von Gregor Schneider, zeigt Saskia Tamara Kaiser krasseren Stoff: „Faceless“. Man sieht eine Skulptur wie eine riesige Hellebarde, eine Puppe mit Visier, allerlei geheimnisvolle Requisiten wie Tüllkleider und martialische Gegenstände, die neugierig machen auf die Performance der Künstlerin (am Mittwoch und Samstag, jeweils 19 Uhr). Mit großem Gesang. Die Installation von Lu Pilates aus der Klasse von Martin Gostner spricht hingegen still für sich. Ein ganzes Jahr lang hat sich die Absolventin mit dem Thema des Narren beschäftigt, Lyrik und Prosa dazu geschrieben, eine Geschichte ersonnen und die Attribute eines mittelalterlichen Spaßmachers in Keramik verewigt: die Schnabelschuhe, die Schellen, die Kappenzipfel.

Auf der Spur der mittelalterlichen Narren hat Lu Pilates ihre Skulpturen geschaffen und Lyrisches getextet. Foto: bikö
Witz und Traurigkeit passen ja gut zusammen – auch in der skurrilen Installation von Jiyun Park aus der Klasse von Ima-Abaso Okon. Zwei Figuren mit glatten Gesichtern und seltsamen Auswüchsen sitzen da im Sand und sind Ausdruck für „Zustände“, erklärt die zarte Bildhauerin. Faszinierend und irritierend ist auch ein Block, auf dem etwas Unsichtbares im Kreis zu rennen scheint. Eisenstaub wird da mit verborgenen Magneten angetrieben. Kleiner Kunstzauber.

Auf Sand hat Jiyun Park ihre Figuren und Objekte arrangiert: Geheimnisvolles aus der Klasse von Ima-Abaso Okon. Foto: bikö
Ewiges Glück
Luis Zimmermann aus der Klasse für Freie Kunst von Peter Piller mag es strenger – aber nicht ohne Poesie. Der Düsseldorfer, der zuvor bereits Meisterschüler des Malers Thomas Grünfeld war, schichtet seine abstrakten Bilder aus bedruckter und bemalter Gaze und fügt sie in eine Raumskulptur ein, die er wie ein Regal nutzt: „File_01_Final_Final“. Um das Bewahren geht es da, aber nicht um Erstarrung. Jedes Teil ist ein Werk für sich und kann losgelöst werden.

Luis Zimmermann aus der Klasse Piller hat seine Bilder in eine Rauminstallation eingefügt: „File_01_Final_Final“. Foto: bikö
Der Raum von Qingsong Meng aus der Filmklasse von Danica Dakic ist Bühne für eine Performance, die er im Video zeigt: Da klettert er an einem Seil hoch, holt einen Bogen hinunter, spannt ihn (ohne Pfeil) und zielt damit sehr langsam auf die Ecken. Dabei geht es ihm um einen faustischen Pakt. Aber nicht mit dem Teufel, sondern mit einem Engel. Notiert auf dem Boden. Er will verzichten, und zwar auf Süßstoffe, Zigaretten, Stimulans, Autos, synthetische Fasern, chemische Zusatzstoffe und Einwegplastik, und dafür ewiges Glück erlangen.
Vertraute Fremde

Kraftfelder: Olivia Mai strahlt zwischen ihren großformatigen abstrakten Gemälden, die frei an der Wand flattern. Foto: bikö
Das klingt anstrengend, und man bevorzugt erst mal momentanes Glück beim Anblick von junger Malerei. Olivia Mai, strahlende Absolventin aus der Klasse von Katharina Wulff, malt unbändige abstrakte Bilder auf flatternde Leinwände. Wahre Kraftfelder sind das. Gallagher-Schülerin Aduni Ogunsan malt figurativ. Sie nutzt dafür Fotoalben aus der Familie ihres afrikanischen Vaters und untersucht, vergrößert und belebt malerisch die Leute, die sie selber nicht kennt, sie sind „Strangers“, Fremde, aber dennoch „familiar“, vertraut.

Die Bilder von Aduni Ogunsan sind inspiriert von alten Fotoalben ihres Vaters. Eine Huldigung der fremden Familie. Foto: bikö
Es ist so viel zu sehen, man kann bei den Erwähnungen nur ungerecht sein. Auf jeden Fall sollten Besucher noch höher steigen, in die zweite Etage, wo zum Beispiel Laura Kolar aus der Bühnenbildklasse von Lena Newton eine Art Labyrinth mit rauen Wänden gezimmert hat. Was hier gespielt wird, weiß nur sie selbst. Leichter hat man’s mit der Malerin Charlotte Schönherr aus der Klasse von Sabrina Fritsch. Ihr Thema sind Schmetterlinge. Aber nicht in einer kitschigen Form, sondern als wilde, seltsame, brüchig geflügelte Wesen, die, wie sie sagt, „müde, glücklich, irre oder angriffslustig” sein können. Malgrund ist ein ungespannter Baumwollstoff, den sie später auf einen festeren Untergrund näht. Wie eine Collage. Originell. Düsseldorfs Sammler haben viel zu entdecken.

Schmetterlinge von der emotional stilisierten Sorte sind das ganz eigene Motiv der Malerin Charlotte Schönherr. Foto: bikö
Was, wann und wo?
Der Sommerrundgang der Kunstakademie Düsseldorf an der Eiskellerstr. 1 ist bis zum Sonntag, 12. Juli, für das Publikum geöffnet. Täglich 10 bis 20 Uhr. Eintritt frei. www.kunstakademie-duesseldorf.de