Düsseldorf: Rheinbahn Dilemma nach Unfallserie

Die Serie der Unfälle mit Beteiligung der Rheinbahn-Fahrzeuge reißt nicht ab. Zwar sind es häufig andere Verkehrsteilnehmer*innen, die aus Unachtsamkeit Kollisionen verschulden, aber auch technische Probleme oder Fahrfehler seitens der Rheinbahn scheinen häufiger vorzukommen.
Die Rheinbahn will jetzt die Sicherheitsmaßnahmen verschärfen und startet unabhängige eine Sicherheitsüberprüfung. Bereits im vergangenen Jahr startete das Unternehmen ihre Sicherheitsstrategie 2030, um Sicherheit systematisch weiterzuentwickeln.
Nach dem Unfall am 23. Mai, bei dem zwei Straßenbahnen der Linie 709 an der Kreuzung Berliner Allee- Graf-Adolf-Straße frontal zusammenstießen, ist als kurzfristige Sofortmaßnahme unter anderem ein Begegnungsverbot an spitzbefahrenen Weichen eingeführt worden, dort soll es zusätzliche Vor-Ort-Kontrollen geben. Außerdem werden „Vorzugslagen“ für besonders risikobehaftete elektrische Weichen eingeführt, zusätzliche Melde- und Informationsprozesse bei Ausfällen von Weichensteuerungen und Weichensignalen installiert, Schulungs- und Unterweisungsmaßnahmen intensiviert sowie eine verstärkte Begleitung von Fahranwärter*innen im ersten Einsatzjahr etabliert werden.

Rheinbahn Vorständin Annette Grabbe, Foto: Rheinbahn
„Die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeitenden hat höchste Priorität. Die aktuellen Ereignisse nehmen wir sehr ernst. Deshalb beschränken wir uns nicht darauf, einzelne Vorfälle aufzuarbeiten. Wer aus Unfällen lernen will, muss das gesamte Sicherheitssystem hinterfragen. Nicht nur Menschen machen Fehler – entscheidend ist, ob Technik und Organisation solche Fehler auffangen können. Alles kommt auf den Prüfstand – von Technik und Infrastruktur über Betrieb und Ausbildung bis hin zu Organisation und Sicherheitskultur. Wir werden nichts beschönigen. Wir wollen verstehen, warum vorhandene Sicherheitsbarrieren in einzelnen Situationen nicht ausreichend gewirkt haben und welche zusätzlichen Schutzmechanismen erforderlich sind. Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass Menschen keine Fehler machen. Sicherheit entsteht dadurch, dass ein System Fehler erkennt, begrenzt und schwere Folgen verhindert,“ betont Grabbe.
Einzelne Maßnahmen können Auswirkungen auf Betriebsabläufe und punktuell auch auf die Pünktlichkeit haben. „In der aktuellen Situation gilt ein klarer Grundsatz: Sicherheit geht vor Geschwindigkeit! Wenn zusätzliche Sicherheitsbarrieren notwendig sind, werden wir sie umsetzen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Auswirkungen für unsere Fahrgäste so gering wie möglich zu halten“, so die Vorständin.
Außerdem wird die Rheinbahn in den kommenden Wochen folgende unabhängige externe Untersuchungen beauftragen:
- Überprüfung der Betriebs- und Sicherheitsorganisation einschließlich der Wirksamkeit bereits eingeleiteter Maßnahmen
- Bewertung technischer Sicherungs- und Unterstützungssysteme insbesondere im Bereich Fahrwegsicherung, Weichensteuerung und Signaltechnik
- „Human Factors“-Analyse mit Fokus auf betriebliche Belastungssituationen, Entscheidungsverhalten, Ausbildung, Fahrerassistenz und sicherheitsrelevante Mensch-Technik-Schnittstellen
Damit sollen technische, organisatorische und menschliche Einflussfaktoren auf die Betriebssicherheit unabhängig bewertet sowie weitere konkrete Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet werden.
Bereits Ende 2025 hat die Rheinbahn eine bereichsübergreifende „Taskforce Sicherheitssteuerung“ eingerichtet. Diese koordiniert die Priorisierung, Umsetzung und Wirksamkeitskontrolle sämtlicher Maßnahmen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Analyse aller Entgleisungs- und Unfallereignisse seit November 2025. Ziel ist es mögliche Muster, technische und betriebliche Zusammenhänge sowie systemische Ursachen zu identifizieren, um daraus Verbesserungen für Technik, Betrieb, Ausbildung und Prozesse abzuleiten.