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Home›Kultur›Verweht: Rosilene Luduvico in der Kunsthalle Düsseldorf

Verweht: Rosilene Luduvico in der Kunsthalle Düsseldorf

Von Birgit Koelgen
26. Mai 2026
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Kunst ist schön, aber anstrengend: Mit dem Hubwagen bemalt Rosilene Luduvico die haushohen Wände der Kunsthalle. Foto: bikö

Gemeinhin will die Kunst bleibende Bedeutung. Ein Stück Ewigkeit. Wie ist es für Rosilene Luduvico, dass ihre Wandmalereien nach vier Wochen wieder unter weißer Farbe verschwinden? Es macht ihr nichts aus. Im Gegenteil. Der Gedanke der begrenzten Zeit gibt ihr eine besondere Kühnheit und Leichtigkeit. Schließlich ist so viel Schönes im nächsten Moment perdü: ein Flügelschlag, der Duft einer Orchidee, eine Wolke, verweht. Die Natur kennt kein Bedauern. „Der Wind spricht nur vom Wind“, eine Gedichtzeile von Fernando Pessao, gibt Luduvicos temporärer Arbeit in der Düsseldorfer Kunsthalle den poetischen Titel.

„Der Wind spricht nur vom Wind“: Poesie des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa gibt Rosilene Luduvicos Arbeit den Titel. Foto: bikö

Wie wir alle wissen, ist der brutalistische Betonkubus am Grabbeplatz derzeit in einem Zwischenzustand. Nachdem die Sanierung um drei Jahre verschoben wurde, muss der Horror Vacui im leeren Haus kreativ überwunden werden. „Work in Progress“ war die Idee des Teams. Einen Sommer lang dürfen fünf Künstler*innen nacheinander die weißen Wände als Malgrundlage nutzen. Das Publikum kann dabei nach Herzenslust zusehen – doch das beste Bild darf nicht bleiben. Nur als Fotografie und Erinnerung.

Hinter dem Beton verbirgt sich “Work in Progress“: Die weitgehend leergeräumte Kunsthalle ist auch jetzt einen Besuch wert. Foto: bikö

Zartes Flattern

Anders als Navot Miller, der die Wände bis 10. Mai mit haushohen knallbunten Pop-Szenerien bemalt hatte („Ein Geschenk für Pedro“), bevorzugt die 1969 in Brasilien geborene und an der Düsseldorfer Akademie ausgebildete Rosilene Luduvico „innere Erfahrungsräume“ – in hellen, transparenten Tönen. Auf einem Maltisch im hohen Kino-Saal mischt sie ihre Farben frisch aus Hasenleim, Wasser und Pigmenten. Einen Monat lang hat sich im Atelier zeichnend auf die Aktion vorbereitet. Und doch spielt die Intuition eine große Rolle.

Werkstatt in der Kunsthalle: Auf einem Maltisch mischt Rosilene Luduvico vor Ort ihre Farben. Foto: bikö

Jeden Morgen fügt die Künstlerin einer gestisch gemalten Vogelschar im Seitenlichtsaal ein paar geflügelte Exemplare hinzu. Manche sind winzig wie Libellen, andere ähneln Engeln. Es flattert zart zu den Klängen und Worten einer Schallplatte, die sie 2011 mit dem Kollegen Hauschka aufnahm: „Nachts der Wald braucht so ganz viel Ruhe“. Tatsächlich breitet sich ein ruhiges Gefühl aus angesichts des wachsenden Werks, das monumental in der Größe und subtil im Ausdruck ist.

Jeden Tag ergänzt Rosilene Luduvico die Vogelschar im Seitenlichtsaal mit geflügelten Wesen. Foto: bikö

Innere Landschaft

Wie schimmerndes Perlmutt wirken gewischte Gesten neben der Treppe: Himmelblau, Hellgrün, Rosa, Sonnengelb wie ein Sommertag. Die hohe Leiter steht noch da, auf der die Künstlerin gearbeitet hat. Für den Kinosaal reicht das nicht. Da fährt Rosilene Luduvico mit einem Hubwagen auf und ab und bedeckt die Wände mit fließenden Schwüngen.

Zart, aber leidenschaftlich: Gestische Malerei in Pastellfarben neben der Treppe in der Kunsthalle. Foto: bikö

Oben, auf der Galerie, hat sie mit zarten Farben angefangen, unten, in zweistöckiger Höhe, geht das Wandbild über in blühende Tupfen, Lichtstrahlen, züngelnde Farbflammen in Rot-Gelb, kühlende Wellen von Blau und Grün. Man sieht keine Landschaft, hat aber den Eindruck einer Wanderung durch flirrende Szenerien. „Nächste Woche bin ich fertig“, verspricht die Künstlerin. Doch es ist besonders spannend, ihr bei der Arbeit zuzusehen.

Falsche Idylle

Der Lorbeer und das Bild vor dem großen Fenster gehören zur Ausstellung von Maximiliane Baumgartner im Kunstverein. Foto: bikö

Nicht nur deshalb lohnt sich ein Besuch in der Kunsthalle. Oben, im zweiten Stock, präsentiert der Kunstverein die Bilder und Installationen von Maximiliane Baumgartner: „Proxy – Der Bürger als Pflanze“. Sieht auf den ersten Blick nett und harmlos aus. Expressive Malereien und ein paar Lorbeerbüsche in Töpfen ergänzen Fahnen mit groß gedruckten Zeichnungen von Leuten, die im Park gemütlich in der Sonne sitzen. Im Nordpark, genauer gesagt.

Doch der hat es in sich. 1937 im Zuge der NS-Propaganda-Schau „Schaffendes Volk“ angelegt, wurden seine pathetischen Strukturen mit Mauern und bombastischen Wasserspielen auch nach 1945 erhalten. Mit Blumenschalen, Gartenstühlen und Sonnenschirmen versuchte man in den 1950er-Jahren, den Eindruck zu „demokratisieren“. Nach Ansicht der Künstlerin tragen Menschen und Pflanzen dazu bei, „das Narrativ von Unschuld zu reproduzieren“. Als Erholungsort habe man den Park etabliert, nicht „als kritischen Erinnerungs- und Lebensraum“. Diskussionsstoff für den nächsten Spaziergang ist das auf jeden Fall.

Zeichnungen nach Fotos der Nachkriegszeit sollen auf die verlogene Idylle im Nordpark hinweisen. Installation von Maximiliane Baumgartner. Foto: bikö

Was, wann und wo?

„Work in Progress“: bis 30. August in der Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz. Bis zum 7. Juni vollendet Rosilene Luduvico ihre Wandmalereien, dann wird einen Tag lang alles überstrichen, und es folgen Frederico Herrero (bis 5. Juli), Stefan Marx (bis 2. August) sowie Joëlle Dubois (bis 30. August). In der zweiten Etage des Hauses zeigt der Kunstverein bis zum 23. August eine Ausstellung von Maximiliane Baumgartner: „Proxy – Der Bürger als Pflanze“. Geöffnet Di.-So. 11 bis 18 Uhr. Eintritt: 6 Euro, Jugendliche bis 18 Jahren frei. www.kunsthalle-duesseldorf.de und www.kunstverein-duesseldorf.de

StichworteKunsthalle
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