Düsseldorf: Gemeinsames Leuchtturmprojekt von Henkel und den Stadtwerken geht in Betrieb

Henkel produziert am Standort in Holthausen nicht nur Klebstoffe, Dichtstoffe und Funktionsbeschichtungen sowie Wasch- und Reinigungsmittel, sondern auch Abwärme. Die Abwärme wurde bisher nicht genutzt, ist aber nun wesentlicher Bestandteil eines bundesweiten Vorreiter-Projekts zur Dekarbonisierung von Fernwärme. Am Montag (13.4.) wurde auf dem Werksgelände von Henkel die neue 700 Quadratmeter große Energiezentrale der Stadtwerke Düsseldorf feierlich eingeweiht. Dort wird die industrielle Abwärme in Fernwärme für Privathaushalte umgewandelt. Auf dem Weg zur Klimaneutralität wird damit eine Einsparung von CO2-Emissionen um jährlich etwa 6.500 Tonnen erreicht.

Projektleiter Andreas Vorbeck erklärt die komplexe Anlage
Die Idee dazu gab es schon im Jahr 2011. Doch Innovationen brauchen Zeit und Geld. Bereits 2022 hatten die Stadtwerke und Henkel eine Klimaschutz-Kooperation besiegelt. 2023 starteten die Arbeiten für die Umsetzung des großen Projekts und seit Anfang 2026 läuft die Energiezentrale im Probebetrieb. Es gibt zwei Wärmequellen auf dem Henkel-Gelände. Das ist zum einen die Abwärme vom Kraftwerk, die von 185 Grad auf 85 Grad heruntergekühlt wird und das dabei entstehende warme Wasser wird in die Energiezentrale eingespeist. Die zweite Quelle ist der Dampf des Kraftwärmekoppelungsprozess. Über die Energiezentrale wird die die Wärme in das Fernwärme-Netz eingespeist. Rund 35 Prozent des Bedarfs der Stadtteile Benrath und Garath kann damit gedeckt werden. Die Anlage kann über das Heizkraftwerk Garath ferngesteuert werden, so dass nur zwei Mal pro Woche ein Mitarbeiter in Holthausen kontrolliert, ob alles in Ordnung ist. Eine neue rund 3,6 Kilometer lange Fernwärmeleitung wurde vom Henkelwerk in Richtung Süden gebaut. Die Bürger*innen haben das unter anderem durch die intensiven Bautätigkeiten mit Straßensperrungen mitbekommen.

Bernd Zahlten zeigt, dass die Anlage auch von Garath aus gesteuert werden kann
Die Bedeutung des Projekts wurde bei der feierlichen Inbetriebnahme auch an den Gästen deutlich. Denn neben Henkel-CEO Carsten Knobel, Henkel-Standortleiter Dr. Daniel Kleine, Julien Mounier, CEO der Stadtwerke Düsseldorf, und Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller hatte es sich auch die NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur nicht nehmen lassen persönlich zu kommen. Rund 40 Millionen Euro wurden investiert, an denen sich das Land NRW mit 14,5 Millionen Euro beteiligt hat.
Mona Neubaur betonte: „Statt Abwärme aus der Produktion einfach verpuffen zu lassen, zeigt die Kooperation von Industrie und Energiewirtschaft, wie wir uns Schritt für Schritt aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen befreien können. Das Ergebnis ist ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort und ein wichtiger Beitrag für die Versorgungssicherheit.“

(v.l.) Dr. Daniel Kleine, Carsten Knobel, Mona Neubaur, Dr. Stephan Keller und Julien Mounier durchschneiden das rote Band bei der Inbetriebnahme der Energiezentrale für das Fernwärme-Projekt von Henkel und den Stadtwerken
Henkel-CEO Carsten Knobel: „Dieses Projekt ist innovativ und nachhaltig – und ein starkes Beispiel dafür, was möglich wird, wenn Industrie und öffentliche Hand zusammenarbeiten. Wir sind eines der ersten Industrieunternehmen in Deutschland, das industrielle Abwärme in ein öffentliches Netz einspeist. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und unterstützen die Landeshauptstadt bei der Reduktion von CO2-Emissionen. Unsere Zusammenarbeit zeigt, wie viel Energie – im wahrsten Sinne des Wortes – in einer starken Partnerschaft steckt. Mein Dank gilt dem gesamten Projektteam, das diese Idee zu einem Erfolg gemacht hat.“
Auch Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller würdigt die Gemeinschaftsleistung: „Diese Kooperation zeigt, wie stark und innovativ Düsseldorfs Wirtschaft ist. Henkel feiert in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag, die Stadtwerke Düsseldorf das 160. Jahr ihres Bestehens. Und gemeinsam bringen diese Traditionsunternehmen heute ein Projekt an den Start, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung hat. Das ist nicht nur ein erstklassiger Beitrag für das Düsseldorfer Klima, das ist auch ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Düsseldorf.“
Julien Mounier, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Düsseldorf: „Solch ein komplexes Projekt gelingt nur mit starken Partnern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Unser Dank geht deshalb an Henkel, die Landeshauptstadt und das NRW-Wirtschaftsministerium, das die entscheidenden Fördermittel zur Verfügung gestellt hat. In der Zusammenarbeit zwischen kommunalem Versorger und Industrie liegt erhebliches Potenzial, denn alles, was in unsicheren Zeiten die Abhängigkeit von Importen reduziert, stärkt den Wirtschaftsstandort und die Versorgungssicherheit in unserer Region.“
„Nach jahrelanger Planung und intensiver Zusammenarbeit ist uns dieses Vorreiter-Projekt gelungen. Private Haushalte im Düsseldorfer Süden profitieren von ihrer Nähe zu Henkel – und wir leisten einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigen Düsseldorf. Wir investieren kontinuierlich in unseren Standort Düsseldorf, den Firmensitz von Henkel weltweit. Für uns ist das Projekt daher ein wichtiger Schritt, um den Standort nachhaltig und zukunftsfähig aufzustellen“, sagte Dr. Daniel Kleine, Standortleiter von Henkel.