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Home›Kultur›Düsseldorfer Literaturtage mit Hitchcock, Krimi-Bahn und Polit-Slam im Rathaus

Düsseldorfer Literaturtage mit Hitchcock, Krimi-Bahn und Polit-Slam im Rathaus

By Claudia Hötzendorfer
14. Juni 2016
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„Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“, fragten Verena Meis und Mathias Wittmann zur Sonntags-Matinee im Zakk

Zum sechsten Mal dreht sich dreizehn Tage lang in der Stadt alles rund um Literatur. Das Programm ist dabei einmal mehr gespickt mit Perlen für Bücherwürmer, Krimifans, Leseratten und Poetry-Slamer. Selbst Cineasten kommen auf ihre Kosten. Report-D hat mal bei einigen Veranstaltungen reingeschaut.

Hitchcock im zakk

„Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“, fragten Verena Meis und Mathias Wittmann zur Sonntags-Matinee im Zakk. Die Dozentin der Heine-Uni und der Musikjournalist streiften gemeinsam mit dem Publikum gut zwei Stunden lang durch das Werk des Altmeisters der Suspense, musikalisch untermalt von Johan Leenders am Piano. Selbst eingefleischte Hitchcock-Fans und Kenner konnten noch einiges dabei entdecken. Beispielsweise sehr seltene Aufnahmen seines ersten Stummfilms „The Loger“ („Der Mieter“) oder seines erstens Farbfilms „The Robe“ von 1941.

Meis und Wittmann ließen dabei „Hitch“ in eigenen Worten aus dem Regiealltag plaudern und verrieten einige der Tricks des Filmemachers. Beispielsweise, dass er das Ende einer Filmrolle in „Cocktail für eine Leiche“ damit kaschierte, dass er immer einen der Schauspieler auf die Kamera zulaufen ließ, dann auf dessen Anzug zoomte und in der Anschlussszene, mit Beginn der neuen Filmrolle, sich wieder entfernen ließ. Oder die Wolken, die im Hintergrund vor dem Apartmentfenster zu sehen waren, auf Glas malen ließ, um sie dann in einer komplizierten Abfolge zu bewegen.

Johan Leenders machte am Beispiel von Szenen aus „Rebecca“ den Einfluss von Musik auf die Stimmung in einem Film deutlich. Beim Buffet in der Pause gab es reichlich Gelegenheit zum Fachsimpeln und in Erinnerungen schwelgen, denn einige der Gäste hatten das große Glück Hitchcocks legendäre Werke, wie „Die Vögel“, „Marnie“ oder den vor einigen Jahren noch einmal in restaurierter Fassung wiederaufgeführten Film „Vertigo“, auf der großen Kinoleinwand sehen zu dürfen.

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Isabella Archan mit ihrem neuen Buch "Tote haben kein Zahnweh" in der Krimibahn

Zähneknirschen in der Krimi-Bahn  

Vom Meister des subtilen Nervenkitzels, ging es zum eher handfesteren Grauen vor den ungeahnten Gefahren, die ein Zahnarztbesuch mit sich bringen kann. Obwohl, so ein kleiner Hauch Schauspiel durchwehte auch die Krimi-Bahn, die vom Hauptbahnhof aus durch die Innenstadt rollte. An Bord des alten Rhein-Bahn-Speisewagens fühlte Schauspielerin und Autorin Isabella Archan den 60 Gästen auf den Zahn.

Einfach aus ihrem neuen Krimi „Tote haben kein Zahnweh“ vorlesen? Für die quirlige Österreicherin mit Wahl-Heimat Köln zu langweilig. Lieber spielte sie in einem szenischen Einstieg mit der Phantasie ihrer Zuhörer. „Stellen Sie sich vor, sie haben so richtig üble Zahnschmerzen und sitzen kurz vor Praxisschluss im Wartezimmer von Dr. Bange…“ Was harmlos beginnt, entpuppt sich als bitter-böse Kurzgeschichte, die den nächsten Besuch beim Dentisten des Vertrauens mit einem Gänsehautfaktor der ganz besonderen Art verfeinern wird.

Solchermaßen eingestimmt, gab Isabelle Archan dann doch noch ein paar Passagen aus ihrem inzwischen dritten Buch zu Gehör, mit einer Zahnärztin als Ermittlerin. Nach einem kleinen Zwischenstopp im alten Rheinbahn-Depot am Steinberg, streifte sich die Autorin für den Endspurt einen Arztkittel über und schlüpfte noch einmal in die Rolle ihrer Protagonistin Dr. dent. Leocardia Kardiff, die unter einer Spritzenphobie leidet und zufällig in einen Mord verwickelt wird. Bei allem Schauder, es gab sehr viel zu lachen. Und weil es beim Start schon so gut ankam, legte Isabelle Archan zum Schluss noch einmal mit einer szenischen Kurzgeschichte nach.

Wer die Autorin verpasst hat, bekommt am 5. September in der Komödie an der Steinstraße noch einmal die Gelegenheit zum Zähneknirschen. Infos zur Komödie hier. Auch die Krimi-Bahn rollt noch einmal durch die Innenstadt, am 12. November mit Thriller-Autor Leon Sachs, der aus „Falsche Haut“ lesen wird.

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Auf den Stühlen der Ratsleute nahmen am Montagabend die Besucher beim Polit-Slam Platz

Polit-Slam im Rathaus

Einmal im Plenarsaal sitzen, dort wo Stadtpolitik gemacht wird. Diesen Wunsch erfüllte das Zakk-Team allen, die am Montagabend im Rathaus zum „Polit-Slam“ kamen. Sechs Slamer hatten jeweils sechs Minuten Zeit in zwei Runden das Publikum zu überzeugen. Denn anders als üblicherweise bei Poetry-Slams stimmte keine Jury ab, sondern die Zuhörer, wer seine Sache am besten machte.

Die sechs Teilnehmer hatten so einiges in petto. Jean Philip Kindler nahm die weit verbreitete Anti-Haltung aufs Korn und wagte den Rundumschlag von Erdogan, über die viel diskutierten Jugendbilder der Nationalelf auf Schokoladenpackungen, bis hin zur Homophobie. Als Opener hatte er den schwersten Stand und meisterte seinen Slam mit enormem Tempo.

Polit-Slamerin Aylin Celik überzeugte das Publikum durch Gesangseinlagen und rhythmischem Sprachwitz. Die Düsseldorferin hatte sich den täglichen Sexismus vorgenommen. Der sei bei so manchem keine Haltung, sondern die Muttersprache“, meinte Aylin Celik.

Weitere Programm-Highlights

Die sechsten Literaturtage gehen noch bis einschließlich 19. Juni. Weitere Highlights sind u. a. die Lesung von Ilija Trojanow im Stiftung Gerhard-Hauptmann-Haus am Dienstag 14. Juni ab 19 Uhr oder der Literaturshow „Import/Export“ mit Tilmann Strasser im Zakk am Mittwoch 15. Juni, Beginn: 20 Uhr. Am Samstag, 19. Juni, gibt es noch einmal einen Poetry-Slam im Zakk, Beginn: 20 Uhr.
Infos zum Programm hier.  

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Ilija Trojanow liest am Dienstag (14.6.) im Gerhard-Hauptmann-Haus, Foto: Thomas Dorn

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