Düsseldorf: Pilotprojekt für nachhaltige Reifen startet bei der Awista

Der Reifen sieht aus wie jeder andere aus. Ok, er ist mit seinen Dimensionen größer als Pkw-Reifen – was die Bezeichnung 315/80 R22,5 belegt. Von diesem Reifen der Marke Rigdon des Günzburger Spezialisten für runderneuerte Pneus gibt es weltweit nur zehn Stück. Acht davon sind jetzt auf einem Düsseldorfer Abfall-Sammelfahrzeug der AWISTA montiert worden. Denn diese Reifen haben eine ganz besondere Gummimischung, die im beruflichen Alltag auf Einsatz- und Verkehrstauglichkeit getestet wird.

Die rundumerneuerten Reifen könnten einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten
„30 Prozent eines Reifens besteht aus Füllstoffen wie Industrieruß oder Kieselsäure. Wir ersetzen den Industrieruß durch pflanzliche Teile“, erläuterte Denis Cigale, Mitgründer und Geschäftsführer der Solid Plant GmbH, bei einem Ortstermin bei der Awista. „Dadurch schaffen wir es, dass die Reifen nachhaltiger und etwas weniger gesundheitsschädlich sind.“
Getestet wird die Entwicklung in der Landeshauptstadt, weil die Solid Plant GmbH von Düsseldorfern gegründet wurde und die Gründer auf offene Ohren für ihre Idee stießen. Düsseldorf soll nach Ratsbeschluss im Jahr 2035 klimaneutral sein, entsprechend müssen alle städtischen Betriebe schauen, dass sie ihre Emissionen drücken. Da helfen auch kleine Schritte.
„Nicht nur dass die Reifen umweltschonender sind, weil sie weniger Feinstaub erzeugen und dadurch automatisch auch weniger gesundheitsschädlich sind, sie sind auch, weil eben runderneuert, kostengünstiger“, betonte Alexander Schröder-Frerkes, Solid Planet Aufsichtsratschef. „Es wird also eine win-win-win-Situation.“

(v.l.) Alexander Schröder-Frerkes (Solid Plant), Jam Hauke van Breska (AWISTA) und Denis Cigale (Solid Plant) begutachten die neuen Reifen
Damit jeder erkennt, dass die AWISTA einen nächsten Schritt in Richtung Dekarbonisierung gehen will, prangt an der Seite des Testfahrzeugs ein großes Schild mit der Aufschrift „Düsseldorf rollt sauber – Natur auf Tour“.
Rigdon hat für die AWISTA Reifen genau auf die Bedürfnisse des Abfall-Entsorgungsfahrzeug abgestimmt. So sind die Seitenwände extra dick, damit das 26 Tonnen-Fahrzeug auch voll beladen Bordsteine unbeschadet mal „mitnehmen“ kann.
Wie sich der Reifen auf Düsseldorfs Straßen schlägt wird telemetrisch von der DEKRA überwacht, die Daten werden gesammelt und analysiert. „Ich werde kurz vor Weihnachten zur AWISTA kommen, die Daten auslesen und mir die Reifen nach den ersten Wochen im Betrieb genau anschauen“, kündigte DEKRA Ingenieur und Sachverständiger für Fahrzeugtechnik Christian Koch an.

Das Plakat “Natur auf Tour” kennzeichnet den Wagen mit den neuen Reifen
Damit ist die Testphase aber noch nicht abgeschlossen, die Dauer ist nicht festgelegt. Sollten die Ergebnisse der Testphase so sein, wie alle Beteiligten erwarten, werden sukzessive alle AWISTA-Müllfahrzeuge auf die neuen Reifen umgerüstet. Das Düsseldorfer Unternehmen hat bereits Kontakt zur Rheinbahn und zum Flughafen aufgenommen. „Beim Flughafen ist es nur noch die Frage wann, nicht ob sie mit uns in eine Testphase einsteigen werden“, betont Schröder-Frerkes.
Düsseldorf könnte durch den Testbetrieb auf dem AWISTA-Fahrzeug als eine der ersten Großstädte überhaupt belastbare Daten zu Reifenemissionen vorlegen, auf die sich auch andere Kommunen stützen könnten.