Neue Sonderausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte “Düsseldorf 1941. Jahr der Eskalation”

Die Mahn- und Gedenkstätte richtet bei ihren Sonderausstellungen den Blick auf bedeutende Phasen oder Personengruppen des zweiten Weltkriegs. Nach der beeindruckenden Ausstellung vor sechs Jahren mit dem Titel „Im Niemandsland. Die Abschiebung der polnischen Juden aus Düsseldorf 1938“ hat das Team mit 1941 einen weiteren Zeitraum betrachtet, der als Jahr der Eskalation der Verfolgungspolitik beschrieben wird.
Ab sofort ist die Sonderausstellung “Düsseldorf 1941. Jahr der Eskalation” in der Mahn- und Gedenkstätte zu besichtigen. Dabei wird die Zuspitzung der Verhältnisse von der Verfolgung und dem Beginn des Holocaust behandelt. Da es dazu kaum Fotos von Opfern gibt, oder diese in entwürdigender Weise abgebildet sind, hat die Krefelder Gestalterin und Künstlerin Elke Thesing Motive entworfen, die die vier Themenblöcke “Frühjahr”, “Sommer”, “Herbst” und “Winter” einleiten.
Das Jahr 1941 in vier Abschnitten
Der farblich grün gehaltene Abschnitt „Frühjahr“ beschäftigt sich mit den Opfern. Bereits seit 1933 hatten die Nazis Listen zu „minderwertigem Leben“ angelegt, in denen psychisch, körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen erfasst wurden. Nach dem Berliner Standort Tiergartenstraße 4 benannt, entwickelte die „Aktion T4“, wie diese Personen effektiv ermordet werden konnten. Bereits im Januar 1940 gab es erste Tests mit als Duschräumen getarnten Gaskammern, die dann perfektioniert wurden. Im Frühjahr 1941 erreichte die Aktion T4 das Rheinland. Jüdische Patienten mit Beeinträchtigungen wurden ohne weitere Prüfung ermordet. Alle anderen wurden anhand von Meldebögen mit Diagnosen eingeteilt: rotes Pluszeichen wurde ermordet, blaues Minus durfte noch weiter leben.

Elke Thesing hat die Ausstellung illustriert
Der Abschnitt „Sommer“ ist in gelb gehalten und widmet sich den Tätern. Der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Dr. Bastian Fleermann, schilderte dazu die Lage. Es war ein heißer Sommer, rund 3,6 Millionen Soldaten überfielen die Sowjetunion, die Frontlinie war etwa 2000 Kilometer lang. Es tobte ein Vernichtungskrieg gegen die slawische und jüdische Bevölkerung. Um die Massenermordungen effektiv zu gestalten, wurden vier mobile Einheiten, die jeweils etwa 1000 Soldaten umfassten, gebildet. So wurden die 33.000 Juden aus Kiew innerhalb von zwei Tagen ermordet. Der Höhere SS- und Polizeiführer in Düsseldorf, Friedrich Jeckeln, leitete später die Aktion in Russland-Süd. Sein Name taucht ebenso wie der von Paul Blomel im Laufe des Jahres mehrfach auf, da ihre Expertise beim Töten gefragt war. Allein in diesem Zeitraum spricht man von 800.000 bis eine Millionen jüdischen Opfern.

Die gelbe Farbe steht für die reifen Ähren, denn es war ein sehr heißer Sommer
Im Herbst 1941 änderte sich das Vorgehen der Nazis. Hatten sie seit 1933 auf Vertreibung und Ausbeutung der jüdischen Bevölkerung gesetzt, war nun die totale Vernichtung das Ziel. Ab 1. September 1941 war es Pflicht den gelben Judenstern zu tragen. Die Juden mussten in langen Formularen Auskunft über ihre Vermögenslage geben. Ein sogenanntes Fürsorgeamt kümmerte sich darum, dass Häuser und Wohnungen an Nicht-Juden verteilt wurden. Die jüdische Bevölkerung wurden in Ghettos deportiert, die gebildet wurden, indem man die ursprünglichen Bewohner*innen ermordete. Unter der jüdischen Bevölkerung wuchs das Bewusstsein über bevorstehende Vernichtung. Die Zahl der Suizide stieg an, was zahlreiche Abschiedsbriefe belegen. Es gab drei große Deportationswellen am 27. Oktober, am 10. November und am 11. Dezember 1941.

Hildegard Jakobs beschreibt den Abschnitt Herbst
Die Düsseldorfer litten im Winter 1941 darunter, dass der Krieg in der Stadt ankam. Was sie vorher über Nachrichten oder Zeitungen gehört hatten, spürten sie nun bei Bombenangriffen selber. Es gab ständig Luftalarm, Tote und Obdachlose. Die Gesellschaft schaltete auf Überlebensmodus, was zu Ausgrenzung und Denunzierungen führte. Ziel waren nicht nur Juden, auch Sinti und Roma oder Kritiker des Regimes. Erste Züge mit sowjetischen Kriegsgefangenen kamen in Düsseldorf an, die als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Die Nazis versuchten den Schein einer funktionierenden Gesellschaft aufrechtzuerhalten, aber der Krieg war nicht mehr zu verbergen.
Die Ausstellung
Die Ausstellung dokumentiert die Dynamik des Tötens sowie die Zusammenhänge und Widersprüche des dritten Kriegsjahres 1941 auf sehr drastische Weise. Daher hat die Mahn- und Gedenkstätte auch entschieden die Ausstellung nur für Besucher*innen ab 16 Jahren freizugeben, um jüngere Menschen nicht zu schockieren.

Die Ausstellungsbesucher*innen sollten über 16 Jahre alt sein
Bis zum 28. August 2027 ist die Ausstellung zu sehen. Sie wurde von Dr. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Hildegard Jakobs, stellvertretende Leiterin, und Dr. Frederike Krenz, wissenschaftliche Mitarbeiterin, kuratiert. Gestaltet wurde sie von Thomas Ullrich und die Illustrationen sind von Elke Thesing.
Der Besuch der Ausstellung ist kostenfrei, barrierefrei und zu den regulären Öffnungszeiten der Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, möglich: dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr, samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr.
Offene Führungen mit den Kuratorinnen sind für den 19. November, 8. Dezember, 13. Januar, 16. Februar, 18. März, 7. April, 13. mai und 17. Juni jeweils um 18:30 Uhr geplant. Individuelle Gruppenführungen können per Mail an nicole.merten@duesseldorf.de oder Telefon 0211-8996205 vereinbart werden.

(v.l.) Dr. Bastian Fleermann, Elke Thesing, Hildegard Jakobs, Dr. Friederike Krenz und Thomas Ullrich
Veranstaltungen
Donnerstag, 25.02.2027, 18:30 Uhr: Joachim Käppner „1941. Der Angriff auf die Welt“
Montag, 01.03.2027, 18:30 Uhr: Im Dialog – Frederike Krenz mit Jan Erik Schulte
Mittwoch, 25.03.2027, 18:30 Uhr: Andrea Löw – „Tote auf Abruf“
Montag, 25.05.2027, 18:30 Uhr: Anke Hilbrenner – Zwischen sowjetischer Besatzung und deutscher Invasion
Donnerstag, 17.06.2026, 18:30 Uhr: Benedikt Mauer und Bastian Fleermann – „1941 – Düsseldorf im dritten Kriegsjahr“
Die Ausstellung entstand mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung NRW, der Haubrich-Stiftung, der Anton-Betz-Stiftung sowie des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte. Begleitet wird die Ausstellung ab dem 3. November durch Werbung der Firma WALL auf insgesamt 76 digitalen City Light Poster-Standorten.
Weitere Informationen unter www.gedenkstättedüsseldorf.de