Düsseldorf: Protest gegen Entmietung und Gruselinvestoren am Freitagabend

Einen Tag vor Halloween versammelten sich zahlreiche Menschen am Freitagabend (30.10.) zu einem „Zombie-Walk“ auf dem Kirchplatz. Zwar waren viele der Teilnehmer*innen gekleidet, als wäre bereits Halloween, doch Hintergrund der Demo war ein anderer Horror. Auf Einladung des „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ und „Zeit zu bleiben“ ging es um Entmietungen, Gruselinvestoren, Vertreibung und andere Horror-Erlebnisse, die mittlerweile zum Alltag vieler Düsseldorfer*innen gehören.

Kreative Plakate machten auf die angespannte lage aufmerksam, Foto: Dirk Schmidt
Denn die angespannte Lage auf dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt motiviert Investoren großen Profit mit dem Kauf von Immobilien zu machen, indem die Mieter*innen vertrieben werden oder die Mieten nach Sanierungen in Höhen steigen, die sich die bisherigen Bewohner*innen nicht mehr leisten können. Dabei scheuen einige Investoren auch nicht vor sogenannten Verwertungskündigungen zurück. Eine Verwertungskündigung gibt Eigentümer*innen die Möglichkeit, ein bestehendes Mietverhältnis dann zu beenden, wenn die Vermietung der Wohnung wirtschaftlich nicht mehr rentabel ist. Wenn Mieter eine bezahlbare Miete zahlen und die Möglichkeit der Mieterhöhung gedeckelt ist, argumentieren die Eigentümer dann mit der Notwendigkeit der Sanierung – zum Teil sogar mit Abriss und Neubau, um anschließend deutlich höhere Mieten verlangen zu können.

Der Zombie-Walk führte durch Unterbilk und Friedrichstadt, Foto: Dirk Schmidt
Betroffene berichteten beim Walk, der verschiedene Objekte in den Stadtteilen Unterbilk und Friedrichstadt zum Ziel hatte, von Einschüchterungen, Schikane, lärmenden Bauarbeiten und Vertreibung aus den Stadtvierteln. Der deutliche Vorwurf: Die Wohnungen werden als Ware gehandelt und was das Zuhause von Menschen ist, verkommt zu Spekulationsobjekten.

An einigen Stationen stoppte der Walk und Betroffene schilderten die Situation, Foto: Dirk Schmidt
Selbst wer sich aktuell steigende Mieten noch leisten kann, muss mit der Angst leben, dass neue Eigentümer andere Seiten aufziehen. Viele Menschen mussten ihr Viertel bereits verlassen. Ziel des Zombie-Walks war es sichtbar zu machen, was sonst vielfach, aber unbemerkt geschieht. Denn immer wieder stehen Betroffenen scheinbar machtlos den Kündigungen oder Beeinträchtigungen gegenüber, weil sie glauben, sie hatte keine Chance sich zu wehren. „Das Meiste geschieht im Verborgenen. Es ist ein leises Sterben unserer Nachbarschaften, aber wir wollen dem Geschehen ein Gesicht geben,“ betonte Wolfgang Below von der Unterbilker Mieter*inneninitiative „Zeit zu bleiben“ die Motivation für den Spaziergang.

Auch im Bereich der Konkordiastraße gibt es Beispiele für Entmietungen, Foto: Dirk Schmidt

Eine Aktion zum Thema Miethaie, Foto: Dirk Schmidt