Düsseldorf: Mona Neubaur erhält die Josef Neuberger Medaille der Jüdischen Gemeinde

Die stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur (Grüne), hat am Donnerstag (29.10.) die Josef-Neuberger-Medaille der jüdischen Gemeinde Düsseldorf erhalten. Seit 1991 wird die Medaille an Personen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit verliehen, die sich um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben. Benannt ist sie nach Prof. Dr. Dr. Josef Neuberger, der unter anderem Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen war.

Vor der Preisverleihung gab es noch einen Pressetermin mit Bert Römgens, Mona Neubaur und Michel Friedmann
„Mona Neubaurs Einsatz, insbesondere in den vergangenen drei Jahren nach dem Hamas-Überfall, verdient unsere größte Anerkennung. Sie haben immer wieder gezeigt, was Solidarität bedeutet: nicht nur in Worten, sondern vor allem durch konkrete Taten“, begründete der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Odet Horowitz, die Auszeichnung. „Sie waren in schwierigen Momenten an unserer Seite. Sie haben Präsenz gezeigt und uns das Gefühl gegeben, mit unseren Sorgen und Ängsten nicht allein zu sein.“

Im Leo-Baeck-Saal der jüdischen Gemeinde fand die Preisverleihung statt
Als Laudator war Michel Friedman aus Frankfurt angereist und nutzte die Gelegenheit um mit aller Vehemenz auf die aktuell immer weiter steigende Bedrohung jüdischen Lebens in Deutschland zu verweisen. So war die Laudatio eher eine erschreckende Tatsachenbeschreibung der derzeitigen Verhältnisse nicht nur im Osten der Republik. Es war eine Grundsatzerklärung pro jüdischen Lebens und kontra Antisemitismus. „Jüdisches Leben in Deutschland ist aktuell so gefährdet wie nie zuvor Man muss Angst haben sein Leben, seine Identität zu zeigen“, konstatierte der promovierte Jurist und Philosoph. „Mit der Gründung der Bundesrepublik wurde versprochen, dass jüdisches Leben sicher sei. Dieses Versprechen wurde gebrochen. Gewalt gegen Juden ist keine Theorie sondern alltägliche Realität.“ Die Würde des Menschen sei durch das Grundgesetz geschützt. Das schlösse auch jüdisches Leben mit ein. Doch die Würde jüdischen Lebens werde ständig verletzt. Das gehe sogar so weit, das Existenzrecht Israels zu verneinen und mit Auslöschungsphantasien hausieren zu gehen. Aber Menschen wie Mona Neubauer gäben ihm Hoffnung, dass noch nicht alles verloren sei.

Michel Friedmann hielt die Laudatio auf Mona Neubaur
Damit meinte Friedman den Zustand der deutschen Demokratie. „Die Demokratie ist stark gefährdet“, stellte Friedman fest und verwies auf die Wahlergebnisse in Berlin und Sachsen-Anhalt, bei denen einmal die extrem Linke und zum Anderen die als gesichert rechtsextrem geltenden Kräfte gewonnen hätten. Deshalb rief er die schweigende Mehrheit der Demokraten auf, sich „mit Feuer in den Augen“ für Freiheit, Demokratie und Menschenwürde einzusetzen. „Wenn ihr etwas hört, das euch falsch vorkommt, sei es in der Familie, im Beruf, im Verein bei Bekannten, dann sagt laut und deutlich Stopp!“ , forderte der Laudator.
Für die Landeshauptstadt besonders beschämend sei, dass es vor kurzem einen antijüdischen Vorfall gab, bei dem ein 35-Jähriger Mann wegen seiner Kippa tätlich angegriffen wurde. Das und jede Form von Antisemitismus verurteilte Mona Neubauer in ihrer Dankesrede. „Die Meldestelle RIAS hat im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen insgesamt 1102 antisemitische Vorfälle dokumentiert. So viele wie nie zuvor. Im Schnitt drei an jedem Tag. Und das sind nur die, die gemeldet wurden“, beklagte Neubaur. „ Eine Debatte lässt mich verzweifeln, die viel zu oft gleichsetzt: jüdischen Glauben mit Israel, Israel mit seiner Regierung.“ Es sei wichtig nicht nur zu erkennen, was die Feinde taten und tun, sondern auch die Freunde. „Viel zu häufig nämlich nichts“, so Neubaur.

Auch die Toten Hosen waren zur Preisverleihung gekommen
„Zugleich gilt für mich der Maßstab: Antisemitismus kennt keine mildernden Umstände. Ob er von rechts kommt, von links, aus islamistischen Milieus oder aus dem, was wir in Ermangelung eines besseren Begriffs so gern ‘Mitte’ nennen. An der Sicherheit von Jüdinnen und Juden lässt sich deshalb ablesen, wie es um die Freiheit aller in unserem Land bestellt ist.“ In Sachen Demokratie und Verteidigung der freiheitlich demokratischen Grundordnung formulierte sie Forderungen: „Wer die Würde mancher Menschen für verhandelbar hält, darf keine Macht über sie erhalten. Wo das dennoch droht, vergeht sich der Gedanke einer etwaigen Annäherung an den Grundfesten unserer Demokratie“, so Neubaur. „Die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes haben erlebt, wie eine demokratiefeindliche Partei auf demokratischem Wege an die Macht gelangte, um die Demokratie mit allen Mitteln zu zerstören.“ Deshalb bleibe sie dabei: „Dass Bund und Länder gemeinsam prüfen, ob die Voraussetzungen für ein Verbotsverfahren gegen diese Partei vorliegen, entbindet uns nicht von der politischen Aufgabe, die extreme Rechte zu stellen, aber es widerspricht ihr auch nicht – und ist deshalb überfällig.“ Auch für solch klare Worte verlieh die jüdische Gemeinde Düsseldorf die Josef Neuberger-Medaille an Mona Neubaur.
Die jüdische Gemeinde Düsseldorf zeigt genau wie Mona Nejubauer Haltung. „Wir antworten auf diesen Hass nicht mit Rückzug. Wir antworten mit Begegnung, mit Erinnerung und mit konkreter Solidarität“, betonte Horowitz. „Wir lassen Menschen nicht allein. Wir werden uns nicht einschüchtern lassen. Wir werden uns nicht verstecken und wir lassen uns auch nicht verdrängen!“