Im Schnee der Pixel: „Käfig“ beim Düsseldorf Festival

Tanzen wir alle nach den Gesetzen der virtuellen Welt? Ist das schrecklich, oder hat es seinen eigenen schwebenden Zauber? Diese Frage stellte sich der südfranzösische Choreograf Mourad Merzouki schon 2014, als er mit seiner Compagnie „Käfig“ das einzigartige Stück „Pixel“ herausbrachte. 500 Mal wurde die Produktion mit digitalem Bühnenbild und ebensolcher Musik schon performt, jetzt eröffnete „Pixel“ das Düsseldorf Festival. Das Publikum? Wieder mal hingerissen.

Hinten VIP-Empfang, vorne viel Betrieb an der Bar im Theaterzelt. Foto: bikö
Der diplomatische Dienst gehört heutzutage zum Kulturmanagement. Nur 35 Prozent der Kosten für das Düsseldorf Festival werden durch Kartenverkauf gedeckt. Durchaus beachtlich. Aber nichts geht ohne Zuschüsse von Stadt, Land und vor allem einer ganzen Liste von Sponsoren. Die muss man bei Laune halten – mit einem VIP-Empfang und Häppchen im abgetrennten Teil der Theaterbar im Bühnenzelt am Burgplatz. „Jedes Jahr neu, jedes Jahr spannend“ sei das Festival, hört man Intendantin Christiane Oxenfort zu den Gönnern sagen. Und freut sich selbst über die prickelnde Show im Zelt.

Leuchtet in der Nacht: der Eingang zum Theaterzelt auf dem Burgplatz, wo das Herz des Düsseldorf Festivals schlägt. Foto: bikö
Nichts als Licht
Kein Vergleich mit dem Ballett in der feinen Oper. Hier hocken Alt und Jung auf bunt bezogenen und an Balken befestigten Sitzschalen. Die Tribüne hat Stufen, damit auch von hinten noch gut sehen kann. Die Bühne da unten ist leer. Merzoukis „Pixel“ brauchen überhaupt keine Kulissen. Er arbeitet mit einer 3-D-Projektion der Digitalkünstler Adrien Mondot und Claire Bardainne. Und es scheint, als reagiere das Lichtmuster auf die Bewegungen der Tänzer, die allesamt auch Streetdancer sind und Akrobaten. Merzouki selbst kommt ursprünglich aus einer Zirkusschule.

Verschwitzt, erschöpft und glücklich: Mourad Merzoukis Compagnie „Käfig“ beim Applaus in Düsseldorf. Foto: bikö
Zehn Männer treten Schritt für Schritt ganz langsam auf, bevor sie die Glieder regen und loslegen in einer Welt aus Punkten und Linien. Der Effekt ist phänomenal – wie Schnee, Glühwürmchen, Sterne, Wasserwirbel. Aus einem Lichtkreis rollt plötzlich ein echter Reifen, mit dem sie sich drehen. Eine Schlangenfrau kommt hinzu: Nina Van Der Pyl, die sich nach hinten biegen und überschlagen kann, als gäb’s keine menschlich steife Wirbelsäule. Später gerät der Boden scheinbar in Bewegung, wellt sich, reißt auf. Die Jungs ziehen sich vorwärts, flitzen auf Skates, liegen bäuchlings auf Rollbrettern, springen über virtuelle Abgründe, laufen, atemlos, schlagen Salti, retten sich auf Lichtinseln. Dann ist es vorbei. Ganz großer Applaus.
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