Düsseldorf Garath: Gesamtschule Stettiner Straße ist jetzt „Schule mit Courage – Schule gegen Rassismus“

Am Anfang hatte der Arbeitskreis „Schule mit Courage – Schule gegen Rassismus“ nur drei Mitglieder und Lehrerin Gabriella Lorusso. Aber das änderte sich. Die Arbeitsgruppe wurde größer und schaffte es, dass die Gesamtschule Stettiner Straße in das Netzwerk „Schule mit Courage – Schule gegen Rassismus“ aufgenommen wurde. Die Urkunde dazu und das große Schild für den Eingangsbereich der Schule überreichte am Mittwoch (16.9.) Julia Holzberg vom kommunalen Integrationszentrum Düsseldorf an den Arbeitskreis.

Der stv. Schulleiter Tom Stracke und Schulleiter Stephan Proksch wissen schon ganz genau wo das Schild aufgehängt wird
Dabei ließ Schulleiter Stephan Proksch den Arbeitskreismitgliedern den Vortritt. „Sie haben die ganze Arbeit gemacht, sie haben die Projekte zum Thema und die Abstimmung organisiert. Sie haben die Paten angesprochen. Ihnen gebührt die Ehre“, erläuterte Proksch. „Aber uns schwebt bereits seit Jahren vor, diesem Netzwerk anzugehören. Wir haben auch gesehen, welches Schülerklientel wir haben. Auf unsere Schule gehen Schülerinnen und Schüler deren Eltern aus 65 verschiedenen Nationen kommen.“ „Die Schüler*innen bringen Konflikte, die in der großen weiten Welt Nationen und Menschen zu Feinden machen, mit in die Schule. Das haben wir besonders gemerkt, als zu unseren vielen russisch-stämmigen Schülern und Schülerinnen plötzlich Flüchtlinge aus der Ukraine dazu kamen. Da war Unfrieden in der Schule vorprogrammiert“, so Proksch. „Aber das haben wir alles gewaltfrei lösen können.“
Aber die Auszeichnung zur Schule mit Courage ist nicht nur eine Auszeichnung für bereits geleistete Taten. „Die Aufnahme in das Netzwerk ist für mich Auftrag und Versprechen“, erläuterte der Schulleiter. „An unserer Schule gibt es eine Vielzahl an Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichen Nationen, mit unterschiedlichen Religionen und Hautfarben. Deswegen versprechen wir, genau hinzuschauen, wenn es bei uns Ausgrenzung gibt. Wir versprechen, rassistischen Äußerungen entgegenzutreten. Und wenn jemand sagt: ‘War doch nur Spaß’, machen wir klar, dass es bei diesen Dingen keinen Spaß gibt.“ Proksch weiß, dass das Kollegium zu einhundert Prozent, hinter ihm steht.
Eines der Netzwerk-Aufnahmekriterien ist eine Abstimmung, bei der alle Schüler*innen und alle an der Schule Beschäftigten, ihr Votum für oder gegen die Netzwerkaufnahme abgeben müssen. Mindestens 70 Prozent der Schulmitglieder müssen dafür sein, sonst wird es nichts. „Bei uns haben deutlich mehr als 70 Prozent dafür gestimmt“, verrät Proksch.

(v.l.) Julia Holzberg vom Kommunalen Integrationszentrum Düsseldorf, Lehrerin Gabriella Lorusso und die Paten vom Theaterkollektive Pierre-Vere
Auch Paten müssen die Anti-Rasismus-Bestrebungen der Schule von außen unterstützen. Bei der Gesamtschule Stettiner Straße sind das die Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und Schrifstellerin Mithu Sanyal und das Theaterkollektiv Pierre.Vere. Die Theatermacher wurden bereits aktiv und erarbeiteten mit Schüler*innen ein Theaterstück.
Was man als „Schule mit Courage – Schule gegen Rassismus“ leisten muss, steht in der Selbstverpflichtung, die die Schulen gegenzeichnen müssen. Darin heißt es:
- Ich setze mich dafür ein, dass meine Schule nachhaltige Projekte, Aktionen und Veranstaltungen durchführt, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
- Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, dann wende ich mich dagegen, spreche dies an und unterstütze eine offene Auseinandersetzung, damit wir gemeinsam Wege finden, einander respektvoll zu begegnen.
- Ich bin aktiv, damit meine Schule jedes Jahr Projekte gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, durchführt.
Das alles wird die Gesamtschule Stettiner Straße machen, darauf wird auch der Arbeitskreis achten. „Heutzutage ist Rassismus leider immer noch viel zu normal. Rassismus besteht nicht nur aus Gewalt oder großen Hassgruppen. Rassismus kann auch in alltäglichen Situationen passieren. Beispielsweise durch Beleidigungen, Vorurteile, Ausgrenzung oder durch die Annahme, dass jemand aufgrund seines Aussehens oder seiner Herkunft bestimmte Eigenschaften haben muss,“ betont Arbeitskreis-Mitglied Norum. „Schule mit Courage bedeutet für mich deshalb nicht nur ein Schild am Eingang unserer Schule. Es bedeutet Verantwortung, es bedeutet, dass wir uns gegenseitig respektieren, egal woher wir kommen, welche Hautfarbe wir haben, welche Sprache wir sprechen, woran wir glauben,“ versichert die Schülerin.