Ritt ins Blaue: K20 Düsseldorf leuchtet mit Franz Marc

Die Nachrichten sind horrend, der Grabbeplatz liegt öde da, leer steht das einst so helllichte Museumscafé, und keiner weiß, was aus der gegenüberliegenden Kunsthalle wird. Deprimierend. Aber im Inneren der Landesgalerie K20 leuchtet Trost für Auge und Gemüt. Präsentiert wird endlich wieder einer der zu Recht berühmten Männer der Klassischen Moderne: „Franz Marc“ (1880-1916), der Blaue Reiter auf der „Suche nach einer besseren Welt“. 120 Bilder sind zu sehen, fast die Hälfte des gesamten Lebenswerks. Eine große Freude – und ein sicherer Erfolg.

Vielversprechend: „Die Suche nach einer besseren Welt“ am Eingang der Franz-Marc-Ausstellung. Foto: bikö
„Erkennt meine Freunde, was Bilder sind: das Auftauchen an einem andern Ort.“ Dieses schöne Zitat von Franz Marc schwebt zur Begrüßung über einem vergrößerten Profilbild des jungen Malers, dessen ikonische, in symbolischen Farben gemalten Tiere die sicher populärste Erscheinung des Expressionismus sind. Franz Marc ist verewigt auf unzähligen Tüchern, Karten und Kalenderblättern. Jede*r kennt sein Werk, weshalb die volkstümliche Sparkasse regional und national zum Hauptsponsor wurde. Denn, so Heike Kramer, Direktorin für Gesellschaftliches Engagement beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband: „Wir wollen möglichst viele Menschen erreichen.“

Expertinnen am Podium (von links): Sponsorin Heike Kramer vom Sparkassen- und Giroverband, Direktorin Susanne Gaensheimer, Kuratorin Susanne Meyer-Büser. Foto: bikö
Rosige Dame
Von solch nachhaltigem Ruhm konnte der junge Franz nichts ahnen. Als Sohn eines angesehenen Münchner Landschaftsmalers studierte er artig die akademische Kunst, hatte aber 1903 schon keine Lust mehr und reiste lieber nach Frankreich, um sich impressionistisch zu fühlen. 1906 malte er nach Art von Renoir eine rosige Dame, die auf einer sonnigen Wiese ruht: Marie Franck, eine Kunststudentin, die er auf dem Kostümball in Schwabing kennengelernt hatte und die sich die Avancen des feschen Franz jahrelang mit der Kollegin Marie Schnür teilen musste. Marc war ein ziemlicher Frauenheld.

Ein Schatz aus Düsseldorf: Franz Marcs „Akte im Freien“ (1911) wurden vom Museum Kunstpalast ausgeliehen. Foto: bikö
Aber darum geht es in dieser Ausstellung nicht. Sondern, erklärt Kuratorin Susanne Meyer-Büser, um die „Animalisierung des Kunstempfindens“, die Marc auf dem Lande zu finden suchte. Motive einer hellen Bilderserie von 1909 sind Schlick, sein rennender Hund, das Wildkaninchen im Gebüsch und die anmutigen Rehe im Schilf. Mit Maria zieht Marc 1910 ins oberbayrische Sindelsdorf. Feenhaft leicht, auf lichter Weide, malt er zwei seiner Lieblingstiere, Pferde. Eins ist braun wie in Wirklichkeit, das andere erscheint hellblau getönt. Franz Marc hatte die Magie der Farbe entdeckt, die ihm zeitweise wichtiger wurde als die Linie.

Auf der Suche nach Licht und Farbe: Marcs „Pferde auf der Weide“ von 1910. Foto: bikö
Mächtige Farbe
Auf einem Aktbild von Maria, die sich herabbeugt, um ein gelbes Kätzchen zu füttern, schimmert auch die nackte Haut grün, gelb, rosa. Franz Marc hatte seine Überzeugungen zum Thema Farbe: „Blau“, schrieb er an seinen Freund August Macke, „ist das männliche Prinzip, herb und geistig. Gelb ist das weibliche Prinzip, sanft, heiter und sinnlich. Rot ist die Materie, brutal und schwer.“ Gemeinsam mit Macke, dessen Frau Elisabeth und dem Künstlerpaar Wassily Kandinsky und Gabriele Münter veröffentlichte er einen 1911 den Almanach „Der Blaue Reiter“, organisierte eine Ausstellung und begründete einen Begriff, der bis heute den Anlass zu Kunstträumen gibt.

Auch die Wände zeigen das passende Blau für die Tiere von Franz Marc: Hund, Katzen, Pferdchen. Foto: bikö
Die Tiere waren Marcs Begleiter auf dem Weg zum „Geistigen in der Kunst“: die springende „Gelbe Kuh“, ein violetter „Fuchs“, „Der rote Hund“. Das berühmte „Blaue Pferd II“ von 1911, von hinten zu sehen, hebt den Kopf mit gespitzten Ohren und blickt wie ein Mensch, ein Wanderer der Romantik, hinaus in die Ferne. Doch die Landschaft ist losgelöst von der Natur, sie ist ein freies Wabern von Farbe. Eine weitere Reise nach Paris wird das ändern. Marc lernt Sonia und Robert Delauney kennen, ist fasziniert vom Kubismus und beginnt, strukturierter zu komponieren.

Mehr Struktur suchte Franz Marc ab 1912: „Steiniger Weg“ (links) und „Im Regen“. Foto: bikö
Steiniger Weg
Ein „Steiniger Weg“ von 1912 folgt mit Balken und Dreiecken den Gesetzen der Geometrie. „Im Regen“ bilden sich Streifen über dem Wald. Die „Drei Katzen“ aus der hauseigenen Sammlung spielen zwischen Bögen und Reihungen. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg hatte sich die Stimmung verändert. Marc malt „Das arme Land Tirol“ 1913 mit Grabeskreuzen und mageren schwarzen Pferden. Die „Rehe im Walde“ von 1914 sind zwischen Prismen und Rechtecken kaum noch zu entdecken. Eine „Kleine Komposition“ ist der Schritt in die Gegenstandslosigkeit.

Desillusionierung: 1913 malte Franz Marc „Das arme Land Tirol“ mit Grabkreuzen und mageren Pferden. Foto: bikö
Niemand weiß, wohin Franz Marc sich noch entwickelt hätte. Er meldete sich, wie so viele, freiwillig für den Kriegsdienst. Seine dichten „Skizzen aus dem Felde“ tendierten zur Abstraktion und hätten zu großartigen Bildern werden können, wenn dem Künstler mehr Zeit geblieben wäre. Den Schrecken des Krieges wollte Leutnant Marc nicht festhalten, in einem Brief an Maria bedauerte er nur „die armen Pferdchen“ der Kavallerie. Es war auf einem Erkundungsritt bei Verdun am 4. März 1916, als er von Granatfeuer getroffen wurde und starb.

Kurz vor dem Krieg, der ihn das Leben kostete, schuf Marc 1913 „Die verzauberte Mühle“ (links) und die rote „Weltenkuh“. Foto: bikö
Was, wann und wo?
„Franz Marc – Die Suche nach einer besseren Welt“. Die Ausstellung wird am Freitag, 11. September, 19 Uhr, eröffnet, und ist dann bis zum 24. Januar 2027 im K20 am Grabbeplatz zu sehen. Di.-So. 11 bis 18 Uhr. Jeden ersten Mittwoch im Monat ist KPMG-Kunstabend mit freiem Eintritt von 18 bis 22 Uhr. Am Nikolauswochende (5./6. Dezember) gibt’s freien Eintritt für Sparkassenkunden mit Scheckkarte und kostenlos gebuchtem Zeitfenster. Der Katalog ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 39 Euro. Begleitprogramm unter www.kunstsammlung.de

Franz Marc war auch ein Netzwerker. Das Foto zeigt ihn mit Frau, Freunden und Gönnern. Links hängt ein Porträt, das August Macke von Marc gemalt hat. Foto: bikö