Düsseldorf Unterbach: Über die Beschleunigungsspur zum Prinzenpaar

Die beiden lieben das Tempo. Zwischen dem letzten Prinzenball und dem Ja-Wort zum Auftritt als Prinzenpaar liegen bei Henrik Wiskandt (38, Polizeibeamter) und Svenja Kaldenhoven (29, Fachkrankenpflegerin für Notfallmedizin) nicht einmal ein Jahr. Beim Prinzenball in Unterbach haben sich die beiden kennengelernt, kurz darauf waren sie ein Paar und nun sind die das designierte Prinzenpaar von Düsseldorf Unterbach. Dabei wollte Svenja doch niemals Karnevalsprinzessin werden.
Prinzessin, tanz!
Es gibt also eine Menge aufzuarbeiten. Die designierte Karnevalsprinzessin von Unterbach kennt das organisierte Winterbrauchtum seit 23 ihrer 29 Lebensjahre. Denn noch als Kita-Kind durfte sie ihren großen Bruder auf eine Schulkarnevalsveranstaltung begleiten, sah eine Garde tanzen und sagte zu ihrer Mutter: „Das will ich auch machen.“ Da war Svenja noch zu jung, kam also auf die Warteliste und begann als Sechsjährige bei den Minis des Unterbacher Karnevalsausschusses ihren Weg als Tanzmarie. einmal durch die verschiedenen Altersgruppen der Tanzgarden. Heute tanzt sie mit bei den Großen und im Showtanz – und trainiert ihrerseits Tanzgarden.
Da gab es ein Problem
Nur eins war eigentlich von Anfang an klar: Auf Prinzessin hatte Svenja Kaldenhoven so gar keine Lust. „Ich soll meine Mutter gefragt haben, ob es für Tanzmariechen Pflicht ist, auch Prinzessin zu werden. Erst als das verneint wurde, bin ich eingestiegen.“
Wie ein Prinzenball alles veränderte
Ganz anders: der künftige Ornats-Träger Henrik Wiskandt. Leser mit Karnevalserfahrung stutzen bei dem Namen. Zu Recht: Denn der bislang letzte Print von Unterbach, Robert I., war auch ein Wiskandt – Henriks Vater. Bis Amt und Würden in die Familie kamen, hatte Henrik den Karneval aus der Zuschauerperspektive genossen: den bunten Unterbacher Zug, die Partys. Und da die Familie am Zugweg wohnte, kamen desöfteren mal Närrinnen und Narren während des Zugs ins Haus und nutzten das WC.
In einer Firma wäre er noch in der Probezeit
„Durch meinen Vater habe ich gesehen, wieviel Spaß der Karneval macht“, sagt der designierte Henrik I. In Sachen Tempo hat der Polizeibeamte seinen Vater überholt. Der brauchte immerhin zwei Sessionen für den Aufstieg vom Wagenengel zum Karnevalsprinzen. Henrik Wiskandt schaffte es in nicht einmal einem Jahr. Zum Zeitpunkt der Vorstellung als Zukünftiger gehörte er gerade einmal drei Wochen lang zum Unterbacher Festausschuss.
Eine Woche warten auf den richtigen Moment
Bleibt noch die Frage, wie er es denn geschafft hat, die Prinzessinnen-Aversion seiner Svenja in ein Ja zu Tüll und Konfetti zu verwandeln? Einfach war es nicht. Eine Woche lang hat er auf den richtigen Moment für die (fast) alles entscheidende Frage gewartet. Und musste sich dann noch zwei Nächte lang gedulden. „Solange brauchte ich schon noch“, gibt Svenja zu. Dann sagte sie Ja – unter einer Bedingung: „Ich möchte weiterhin mit den Garden tanzen. Einen Karneval ohne Gardetanz gibt es für mich nicht.“ Dem hat der Vorstand zugestimmt. Der Rest ist ein Problem der Ornatsschneiderin. Das Prinzessinnen-Prachtgewand muss so gebaut sein, dass die Trägerin binnen einer Minute in eine Gardetänzerin verwandeln kann – und wieder zurück. Das Motto von Henrik I. und Svenja I. (noch designiert) lautet: „Prinz und Mariechen – Hand in Hand- Gemeinsam Jeck durchs Eselsland“.
Gemeinsam wollen sie vor allem die Generationen verbinden. Als 67. Prinzenpaar in der 71. Session des Unterbacher Karnevalsvereins bleiben sie beim Ornat farblich bei der Vorjahreswahl: Es wird ein blaues Ornat getragen.
Kinderprinzenpaar ist ebenfalls am Start
Gemeinsam mit den Erwachsenen werden Henry I. (Spraggs) und Finia I. (Schultz) die Narren-Bande von Unterbach anführen. Sie werden das Kinderprinzenpaar sein. Henry ist elf Jahre alt und besucht eine sechste Klasse am Gymnasium Neandertal in Erkrath. Die neunjährige Finia geht in die vierte Klasse der Johannesschule in Erkrath. Sie stammt aus altem Unterbacher Karnevalsadel: Nach ihrer Schwester Rieka, die 2023 Kinderprinzessin war, ist Finia die sechste Prinzessin in vierter Generation.

Henry I. (Sprays) und Finis I. (Schultz) sind das designierte Kinderprinzenpaar des Unterbacher Karnevalsausschusses. Foto: KA Unterbach
Um die Kinder noch mehr für den Unterbacher Karneval zu begeistern, plant der Karnevalsausschuss, die Kinderkarnevalssitzung von Grund auf zu verändern. Sie wird um drei Wochen näher an den Rosenmontag herangeschoben, damit die Mädchen und Jungen noch mehr als bisher in Karnevalsstimmung sind. Und vom klassischen Sitzungsformat – mit Vorträgen und Lieder auf der Bühne rückt man ab. Es soll eine Sitzung werden, bei der alle Gäste immer mitmachen können. Am 31. Januar 2027 soll die nächste Kinderkarnevalssitzung von Unterbach zeigen, ob das neue Konzept aufgeht.