Eine Reise durch den queeren Aktivismus in Düsseldorf

Der Verein „Queere Geschichten Düsseldorf“ organisiert regelmäßig Gesprächsreihen und Diskussionsrunden im Schaufenster der Zentralbibliothek im KAP1. Anlässlich der Pride Weeks lautete der Titel des Talk-Spezial „gestern und heute“, der einen Einblick in Geschichte des queeren Aktivismus in der Stadt Düsseldorf bot. Auf dem Podium nahmen Betti Tielker für den CSD Düsseldorf, Heike Kivelitz für das Queere Zentrum Mönchengladbach, Jana Hansjürgen als ehemalige Düsseldorfer Diversity Beauftragte und Philipp Hagenstein für die LSU – Lesben und Schwulen in der Union, Platz. Die Moderation übernahm Sascha Förster, Leiter des Theatermuseums Düsseldorf.

(v.l.) Sascha Förster, Heike Kivelitz, Betti Tielker, Jana Hansjürgen und Philipp Hagenstein beim Queeren Talk
„Aktivismus ist Leben“, betont Betti Tielker auf die Frage, was Aktivismus für Sie bedeutet. Nach den Anfangsstatments erinnerten sich die Podiumsteilnehmer lebhaft an die Anfänge der Bewegung: dem Frauen und Lesbenzentrum Hexenkessel und dem lange Jahre existierende Café-Rosa-Mond. Tielker berichtete von der Gründung der Aids Hilfe Düsseldorf auf dem Dachboden des Café Rosa: „Wenn man da ans Telefon ging, musste man aufpassen keinen Schlag zu kriegen, weil es durch das Dach regnete“.
Heike Kivelitz aus Mönchengladbach blickte zurück auf die Gründung der Initiative „Queers an der Niers“ in Mönchengladbach. Viele Widerstände galt es zu überwinden. So sollte sie die Zahl der queeren Menschen in Mönchengladbach angeben, da man offenbar der Meinung war, die würden sich alle untereinander kennen. Sie war außerdem maßgeblich am Aufbau des Queeren Zentrums beteiligt, das in der Innenstadt von Mönchengladbach seine Räume hat. Dort gab es kürzlich einen Angriff – Unbekannte hatten Hakenkreuze auf die Türe geschmiert und die Botschaft „Wir kommen“. Eine Mahnwache mit vielen Teilnehmenden stellte sich nach dem Anschlag solidarisch hinter die Belange der queeren Aktivist*innen in Mönchengladbach.
Jana Hansjürgen hat in ihrer Zeit in Düsseldorf die Gründung des Jugendzentrums PULS* begleitet und es lange geleitet, bevor sie für vier Jahre Diversity-Beauftragte in Düsseldorf wurde. Sie selber stammt aus einer ländlichen Gegend und hat sich entschieden, dorthin zurückzukehren. Heute leitet sie die Landesfachstelle blick*, die LSBTIAQ*-Strukturen im ländlichen Raum im Fokus hat.
Philipp Hagenstein ist Bezirksvorsitzender Bergisches Land bei den Lesben und Schwulen in der Union (LSU). Lange hat es gedauert, bis die CDU die LSU als Sonderorganisation anerkannte. Er arbeitet im NRW-Landtag für zwei CDU-Abgeordnete. Zwar setzt er sich für die Interesse von queeren Menschen ein, sieht sich aber nicht als queerer Aktivist. Von ihm hätte sich das Publikum einige Aussagen zu lokalen Themen aus Düsseldorf und NRW gewünscht, die aber nicht kamen.
Die Diskussionsrunde spannte den Bogen des Aktivismus über mehr als 50 Jahre, und zeigte Kämpfe und Probleme auf, die teilweise bis heute bestehen. Man war sich einig den Weg weiterzugehen, den Status Quo immer wieder zu hinterfragen und aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Dazu sei viel persönlicher Einsatz erforderlich, aber auch mehr Solidarität und Zusammenhalt seitens Politik und Gesellschaft. Sichtbarkeit dürfe nicht unterschätzt werden und besonders im Hinblick auf die CSD Session müsse Haltung gezeigt werden.
Weitere Infos zu vielen Veranstaltungen im Rahmen der Pride-Weeks gibt es hier.