Düsseldorf: Gedenken an das Kriegsende und die Zwangsarbeiter*innen am zakk

Vor 81 Jahren, am 8. Mai 1945 trat um 23:01 Uhr die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft. Der zweite Weltkrieg endete. Der 8. Mai ist ein Gedenktag an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System des Hitlerfaschismus. Vor dem zakk an der Fichtenstraße steht seit November 2023 die Stele des FlingerPfads, die am das frühere Zwangsarbeiterlager „Otto“ erinnert. 1.140 ausländische Zwangsarbeiter*innen gab es nachweislich in dem Lager auf dem Werksgelände der Klöckner-Werke an der Fichtenstraße, wo sich heute das zakk befindet. Sie stammten aus der Sowjetunion, Belgien, Italien, Jugoslawien, Frankreich, den Niederlanden und Polen. Viele von ihnen überlebten nicht.

Kaspar Michels erläuterte die Geschichte der Zwangsarbeiter*innen
Der Trägerverein des Kulturzentrums zakk, der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, der Erinnerungsortes Alter Schlachthof und des FlingerPfad hatten am Freitag (8.5.) zu einer Gedenkveranstaltung an der Stele eingeladen. Bereits zum dritten Mal fand das Gedenken statt, aber diesmal war der Zuspruch deutlich größer. Teilnehmende vom FFT, vom Malkastenverein, vom Rat der Künste, vom Düsseldorf Festival, vom Stadtrat und Kulturausschuss, der Bezirksbürgermeister sowie ein Kurs mit Studierenden der Heinrich Heine Universität vom Lehrstuhl Osteuropäische Geschichte.
Sie alle erfuhren zuerst von Kaspar Michels Einzelheiten über die Zwangsarbeiterlager und die dort lebenden Menschen. In ganz Düsseldorf gab es über 300 solcher Lager in verschiedener Größe, meist in unmittelbarer Nähe der Betriebe, in denen sie ausgebeutet wurden. Bis zu 50.000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen wurden in allen Betrieben eingesetzt und stellten mitunter bis zu 30 Prozent der gesamten Belegschaft.

Foto: Karte von Klaudia Wehofen vom Stadtarchiv mit den Standorten der Lager (rote Punkte)
Auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Klöckner Werke an der Fichtenstraße gab es das Lager „Otto“. Hinter einem Zaun und streng bewacht lebten die Internierten in Baracken, sie wurden als „Untermenschen“ bezeichnet. Bei Verstößen drohte ihnen die Einweisung in ein KZ oder Arbeitserziehungslager. Sie hatten bevorzugt schwere, schmutzige und gefährliche Arbeiten zu erledigen, dabei waren Misshandlungen an der Tagesordnung. Bei Luftangriffen waren sie sich selbst überlassen, denn in öffentliche Luftschutzbunker durften sie nicht. Kontakte zu Deutschen waren verboten und bei sexuellen Kontakten drohte das KZ oder die Todesstrafe.
Von den 1140 Menschen im Lager Otto stammten 403 aus Ukraine/Belarus/Russland, 242 aus Belgien, 216 aus Italien, 102 aus Jugoslawien, 74 aus Frankreich, 58 aus den Niederlanden und 25 aus Polen.
Kaspar Michels betonte: “In den 2000er Jahren hat sich die Politik zunehmend auch diesem Unrecht gestellt. Wir haben als Stadtgesellschaft inzwischen eine Gedenkkultur entwickelt, die an die Verfolgten, Entrechteten und Umgekommenen aus unserer Mitte erinnert. Diese Erinnerungskultur gilt es besonders in der heutigen Zeit gegen offen auftretende Rechtsradikale zu verteidigen. Wir ergreifen mit dieser Gedenkveranstaltung also auch Partei gegen deren Hass und Hetze, gegen Antisemitismus und Rassismus und für eine Gesellschaft der Vielfalt.“

Die Namen der Zwangsarbeiter*innen lasen verschiedene Teilnehmer*innen vor

Zu einzelnen Zwangsarbeitern gibt es bereits ausführlichere Biographien
Gegen das Vergessen wurden 115 Namen der ehemaligen Zwangsarbeiter*innen von verschiedenen Teilnehmenden vorgelesen. Zu einigen der Namen hatte Jona Winstroth, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Mahn- und Gedenkstätte, die Biographien recherchiert, die ebenfalls verlesen wurden. Im Anschluss gab es in der zakk-Kneipe weitere Hintergründe der Zwangsarbeit. Kaspar Michels und Jona Winstroth warben für neues Projekt, für das noch Interessierte gesucht werden. Denn um das Erinnern und Gedenken zu erweitern und zu vertiefen, sollen noch weitere persönliche Geschichten und Kurzbiographien der Zwangsarbeiter*innen erarbeitet werden. Wer an den Projekt mitarbeiten möchte, kann sich per Mail an jona.winstroth@duesseldorf.de oder michelskaspar@web.de wenden.

In der zakk-Kneipe gab es anschließend noch Informationen über das Biographien-Projekt