Eine Straße für eine mutige Düsseldorferin: Else Gores

Beschaulich in der weißen Siedlung in Golzheim gab es bis zum August 2025 die Franz-Jürgens-Straße. Doch der Namensgeber hatte nach Recherchen zu seiner Rolle in der Nazi-Zeit das Recht verwirkt, dass nach ihm eine Straße benannt wird. Wie auch der Platz am Polizeipräsidium erfolgten Umbenennungen. Die kleine Straße in Golzheim trägt nun den Namen Else-Gores-Straße. Am Freitag (8.5.), dem „Tag der Befreiung“ und dem Tag des Ende des Nationalsozialismus, fand eine Gedenkstunde zu ihren Ehren statt und rund 50 Interessierte kamen.

Das alte Straßenschild mit rotem Balken hängt noch, über einen QR-Code kann man weitere Informationen zu Else Gores erhalten
Eingeladen hatten die Bezirksbürgermeisterin der BV 1, Annette Klinke, und die Historikerin Astrid Hirsch-von Borries von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Aber auch das Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung war mit Leiterin Elisabeth Wilfart vertreten. Der Verein Kom!ma und die Robert Schumann Musikschule unterstützen ebenfalls die Veranstaltung.

Bezirksbürgermeisterin Annette Klinke neben dem Bild, auf dem Else Gores mit ihrem Sohn zu sehen ist
Annette Klinke führte aus, dass die Geschichte immer wieder neue Aspekte zum Vorschein bringe und im Fall von Franz Jürgens habe es Hinweise gegeben, sein Wirken näher zu betrachten. Darauf ging auch Astrid Hirsch-von Borries ein. Wie sie erläuterte, ist es die höchste Auszeichnung, die in Deutschland vergeben wird, Namensgeber*in für eine Straße zu sein. Das stehe noch weit über allen Verdienstkreuzen und Orden. Aber diese Ehre sei Franz Jürgens aberkannt worden, als sich herausstellte, dass er sich vor seinem Engagement bei der Aktion Rheinland, über 12 Jahre bei der NSDAP in verschiedenen Funktion verdient gemacht hat und verantwortlich für die Deportation der Darmstädter Juden war. Die Erinnerung an ihn solle nicht ausgelöscht werden, betonte die Historikerin, aber eine differenzierte Betrachtung sei erforderlich. Der Rat der Stadt Düsseldorf hat der Umbenennung in Else-Gores-Straße zugestimmt und damit eine mutige Düsseldorferin geehrt.

Im Eller Forst gibt es einen Gedenkort und einen Stein für Else Gores
Ende 1944 war die Stimmung in Düsseldorf aggressiv, Denunziation war an der Tagesordnung, aber das NS-Regime verlangte immer noch bedingungslose Treue, obwohl der Krieg schon verloren war. Franz Krahn und Else Gores, beide Jahrgang 1914, waren als Nachbarskinder am Burgplatz in Düsseldorf aufgewachsen. Kahn war NPD Mitglied, von den Nazis bereits verurteilt, ins Gefängnis gesteckt und schließlich zum Wehrdienst in einer Strafdivision an die Front geschickt. Er flüchtete, versteckte sich in Düsseldorf und stand schließlich bei Else Gores vor der Tür, auf der Suche nach einem Unterschlupf. Obwohl Gores sich der Gefahr bewusst war, versteckte sie ihn. Doch sie wurden denunziert. Am Vormittag des 11. April 1945 wurde Krahn von der Heeresstreife Kaiser aus der Wohnung geholt, verurteilt und hingerichtet. Am Nachmittag holen sie auch Else Gores ab, brachten sie in den Eller Forst, wo sie mit einem Schuss durch den Hals ermordet werden sollte. Doch sie überlebte, wurde am 12. April von Menschen aus der Nachbarschaft gefunden und in eine Waldschänke gebracht. Doch statt eines Krankenwagen holte sie erneut die Heeresstreife ab. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Im Eller Forst gibt es einen Gedenkstein für sie und eine Frauenort wurde errichtet.

Hanna Werth trug einen Text vor, im Hindergrund Akkordeonspieler Marko Kassel und Sänger Johannes Joost
Nach der Schilderung des Schicksals von Else Gores würdigte Elisabeth Wilfart ihren Mut. Sie habe Zivilcourage bewiesen und sei eine Heldin. Straßennamen seien Teil unseres Alltags, betont Wilfart. Doch sie prägen fast unbemerkt ein Bild von Geschichte. Erfreulich sei, dass in Düsseldorf nun auch verstärkt Straßen nach Frauen benannt werden.
Musikalisch wurde das Gedenken von Marko Kassel am Akkordeon und Johannes Joost mit Gesang begleitet. Hanna Werth trug den Text „Wen es trifft“ von Hilde Domin vor.