Düsseldorf Flingern: Die 26. Stele des FlingerPfads widmet sich dem Spitzbunker und erinnert an den Gasometer

In Kooperation mit der Bürgerinitiative Flingern e.V., dem Kulturzentrum zakk macht der FlingerPfad die Geschichte des Stadtteils Flingerns durch Vorträge und Rundgänge erlebbar. Schwerpunkt ist dabei der Rundweg, der an 30 Stationen durch Stelen die Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts erzählt und an Orte erinnert, die zum Teil längst abgerissen wurden. Am Montag (20.4.) konnte die 26. Stele am Höherweg 200 eingeweiht werden. Darauf ist der Gasometer, das verschwundene Wahrzeichen von Flingern, und der Spitzbunker beschrieben, den es immer noch auf dem Gelände der Stadtwerke gibt.

Markus Stranzenbach ermöglichte die Stele am Höherweg 200, Foto: Dirk Schmidt
Der Gasometer
Wo sich seit dem Jahr 2004 zahlreiche Autohäuser, Werkstätten, die DEKRA und der ADAC, ein Bürgerbüro und die Kfz-Zulassungsstelle befinden, stand früher der Gasometer. Das gesamte Gelände zwischen Ronsdorfer Straße, Erkrather Straße und dem Höherweg wurde für die „Automeile“ freigeräumt. Den Gasometer riss man im Jahr 1994 ab, lediglich die alten Fundamente blieben als eine Art Bodendenkmal im „Autohaus Gasometer“ am Höherweg 141 erhalten. Bis zu seinem Abriss war der Gasometer ein weithin sichtbares Bauwerk und Wahrzeichen Flingerns.

Im Hintergrund die Automeile, wo ehemals der Gasometer stand, Foto: Dirk Schmidt
In dem 98,5 Meter hohen Scheibengasbehälter wurde früher das in der Kokerei des Gaskraftwerks Flingern produzierte Gas gelagert. Er hatte ein Fassungsvermögen von 200.000 Kubikmeter und wurde in den Jahren 1956/57 errichtet. Im Innern des zylindrischen Metallturms befand sich eine große, bewegliche Betonscheibe, die oben auf dem Gas „schwamm“ und sich je nach Füllstand heben und senken konnte. An den Wänden wurde sie mit einem Öl- oder Teer-Gemisch abgedichtet, um das Entweichen von Gas zu verhindern. An der Außenseite des Gasometers war ein Treppenaufgang. Nach der Umstellung auf Erdgas gegen Ende der 1960er Jahre wurden Gasspeicher dieser Art nicht mehr benötigt und wurden abgerissen.
Spitzbunker

Der Bunker ist im Hintergrund auf dem Gelände der Stadtwerke zu erkennen, Foto: Dirk Schmidt
Ein anderes denkmalgeschütztes Gebäude gibt es bis heute. Es steht etwas verborgen hinter dem Eingangsbereich der AWISTA am Höherweg 200 und ist inzwischen von Efeu überwachsen. Es ist der 1939 nach den Entwürfen des Architekten Leo Winkel gebaute Spitzbunker, der den Spitznamen Betonzigarre, Ameisenhügel oder Zuckerhut trägt. Der Bunker wurde zum Schutz vor den Luftangriffen der Alliierten für die Beschäftigten der Stadtwerke gebaut. Es gab rund 200 dieser Schutzbauten im damaligen Deutschen Reich. Neben dem Standort in Flingern auch bei Böhler auf der anderen Rheinseite, im früheren Röhrenwerksgelände in Lierenfeld und im ehemaligen Mannesmann-Werk in Rath.

Michels hatte Gelegenheit den Bunker persönlich von innen zu besichtigen und hatte Skizzen mitgebracht, Foto: Dirk Schmidt
Kaspar Michels vom FlingerPfad hatte die Gelegenheit den Winkelbunker am Höherweg vor zwei Jahren mit Mitgliedern der Geschichtswerkstatt Düsseldorf zu besichtigen. Dabei fanden sie im Innern noch Sitzbänke, Schutzlüfter, Toiletten, Holztreppen, verstärkte Eingangstüren, Überdruckmesser und einen Lufterhitzer im Originalzustand. Der Bunker hat zwei Eingänge, die Grundplatte hat einen Durchmesser knapp 13 Metern und das Bauwerk ist gut 21 Meter hoch. Wie Marcel Lesaar beschreibt hat „das Kegeldach eine Höhe von 4,60 m. Darunter befindet sich der Raum der Turmbeobachter mit einem Sehschlitz je Himmelsrichtung.“ Sieben Etagen ziehen sich spiralförmig vom Fundament bis in die Bunkerspitze. Bei Bombenangriffen fanden darin mindestens 310 Menschen Schutz. Die bis zu 226 Zwangsarbeiter aus Frankreich, den Niederlanden, Italien, Belgien und der Ukraine, die damals im Lager der Stadtwerke am Höherweg untergebracht waren, durften dort nicht hinein. „Sie wurden zu Hilfsarbeiten in der Kokerei, im Elektrizitätswerk und zu Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen eingesetzt,“ beschreibt Clemens von Looz-Corswarem im Buch „Zwangsarbeit in Düsseldorf“. An der Außenwand des Bunkers ist eine große gusseisernen Gedenktafel von Karl Stollmayer angebracht, die die Inschrift „unserer Toten im Felde und in der Heimat“ trägt. Zu diesem „Erinnerungsort“ im Außenbereich gehört außerdem eine von Peter Stammen (1886-1956) gestaltete Skulptur, die einen Menschen darstellt, der hinter einem Stahlhelm kniet, der auf einem Grab liegt.

(v.l.) Kaspar MIchels, Markus Stranzenbach, Dr. Alexander Fils und Philipp Schlee übernahmen die feierliche Enthüllung der Stele, Foto: Dirk Schmidt
Die Initiative FlingerPfad freut sich immer über das Engagement von Bezirksvertretungen, Firmen, anderen Gruppierungen oder Bürger*innen, die zur Vervollständigung des Pfads beitragen. Denn rund 3000 Euro müssen für jede Stele aufgebracht werden. Die Stele zum Gasometer und Spitzbunker wurde von Markus Stranzenbach gestiftet. (Informationen für Interessierte gibt es hier). Gesetzt werden die Stelen von den Gartenbauer*innen der gemeinnützigen Jugendberufshilfe JBH Düsseldorf.

30 Stationen hat der FlingerPfad