Düsseldorf: Erinnern an Else Gores mit Kaffee und Streuselkuchen

Else Gores wurde im April 1945, in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs, von einer Heeresstreife in Düsseldorf verhaftet, weil sie einen angeblichen „Deserteur“ aufgenommen hatte. Eine Gerichtsverhandlung gab es nicht, aber am 12. April 1945 wurde sie mit einer Schussverletzung noch lebend im Eller Forst gefunden. Bevor der Krankenwagen eintraf, wurde sie erneut von einer Heeresstreife abgeholt und mutmaßlich ermordet, denn danach verliert sich ihre Spur. Ihre Leiche wurde nie gefunden.

Erinnerung an Else Gores und viele andere mutige Menschen
Im Eller Forst, am Ende der Freiheitsstraße wurde für die ein Gedenkstein platziert und mittlerweile ist die Stelle auch in die Liste der FrauenOrte NRW aufgenommen. 81 Jahre nach dem Tod von Else Gores trafen sich am Sonntag (12.4.) auf Einladung des „Freundeskreis Else Gores“ einige Menschen, um an sie und die vielen mutigen Frauen zu erinnern, die im unmenschlichen Nazi-Regime trotz Gefahr menschlich gehandelt haben. Eine Beerdigung hat es für Else Gores nicht gegeben, auch deshalb hatte man am Sonntag Streuselkuchen und Kaffee dabei, wie es beim Beerdigungskaffe im Rheinland Tradition ist. Unterstützt wurde das Gedenken vom Düsseldorfer Frauenforum / kom!ma e.V. und vom Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung.
Es war ein Treffen von Menschen, denen das Schicksal von Else Gores am Herzen liegt. Darunter auch Doris Bender-Diebels, die die Geschichte von Else Gores in dem Roman „Die nicht erschossene Frau: Nach einer wahren Begebenheit“ aufgeschrieben hat. Zahlreiche Anwesende trugen mit kurzen Wortbeiträgen zum Gedenken bei. Beispielsweise ein Gedicht von Hanns Dieter Hüsch „Ich setze auf die Liebe“.
Ein Auszug:
Den Haß aus der Welt zu entfernen und wir bereit sind, zu lernen
Daß Macht, Gewalt, Rache und sogar Sieg
Und sogar Sieg
Nichts anderes bedeuten als ewiger Krieg
Auf Erden und dann auf den Sternen
Die einen sagen, es läge am Geld – gut das ist sicher nicht ganz falsch
Die anderen sagen, es wäre die Welt
Sie läge in den falschen Händen – da ist auch manches richtig dran
Aber jeder weiß es immer besser, woran es liegt, nur es hat noch niemand
Noch niemand
Den Haß besiegt
Ohne ihn selbst zu beenden
Er kann mir sagen was er will
Und kann mir singen wie er’s meint
Und mir erklären, was er muß
Und auch begründen wie er’s braucht
Ich setze auf die Liebe
Text: Hanns Dieter Hüsch

Am Gedenkort wurden noch Botschaften formuliert und aufgehangen
Kurz nach dieser Veranstaltung versammelten sich noch einige Vetreter*innen der Internationalen Jugend am Gedenkort. Wie Nils erklärte, habe das Gedenken für die jungen Menschen einen sehr aktuellen Bezug. Denn die Kriege in der Urkaine & Co ließen auch die Frage nach dem Wehrdienst in Deutschland in einem anderen Licht erscheinen. Dass man damit die „Demokratie“ verteidige, sei angesichts der kriegerischen Handlung schwer zu begreifen.
Mutige Düsseldorferin
Unter der Überschrift “mutige Düsseldorferin” gibt es zwei Veranstaltungen zu Else Gores. Am 30. April um 17 Uhr werden die Bezirksbürgermeisterin der BV 1 Annette Klinke und die Historikerin Astrid Hirsch-von Borries in der evangelischen Kirchengemeinde Kaiserswert-Tersteegen zu Else Gores informieren. Eine feierliche Einweihung der Else Gores Straße (ehemals Franz Jürgens Straße) ist für den 8. Mai um 15 Uhr geplant (Golzheim, Weisse Siedlung).