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Home›Top News›Innere Karten: „Uncertain Maps“ in  der Arthena Foundation Düsseldorf

Innere Karten: „Uncertain Maps“ in  der Arthena Foundation Düsseldorf

Von Birgit Koelgen
6. März 2026
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Nicht gerade einladend, aber voller Verheißungen: Im ehemaligen Speichergebäude an der Kaistraße 10 befindet sich neben Ateliers die Kunsthalle der Arthena Foundation. Foto: bikö

Es gibt da eine kleine Hemmschwelle: Man muss klingeln, damit sich die grau gerahmte Glastür zum „Kai 10“ im hippen Medienhafen öffnet. Kein Open House. Aber ein lohnendes Ziel. Monika Schnetkamp, Unternehmerin aus Oldenburg und Düsseldorfer Mäzenatin, gründete hier 2008 die Arthena Foundation und eröffnete ihre eigene Kunsthalle, über deren Qualität man nur staunen kann. In dieser Saison präsentiert der erfahrene Kurator Ludwig Seyfarth „Uncertain Maps“, ungewisse, malerische Landkarten.

Über 600 Quadratmeter groß ist die Kunsthalle „Kai 10“ der Stifterin Monika Schnetkamp. Rechts an der Wand, zwischen Wellenlinien: „Mental Maps“ von Franz Ackermann. Foto: bikö

Jenseits von Events und Vernissagen herrscht Ruhe in den über 600 Quadratmeter großen Räumen im Erdgeschoss des einstigen Speichergebäudes, das übrigens auch die Atelieradresse von Ulrich Erben und dem kürzlich verstorbenen Günther Uecker ist. Echte Kunst also inmitten der Düsseldorfer Cocktailbar- und Businesswelt. Der Eintritt ins „Kai 10“ ist frei. Im Büro vorne halten Assistentinnen diskret die Wacht. Ausgedruckte Informationen liegen bereit. Und so folgt man dem eigenen Plan, um die „Uncertain Maps“ zu erkunden.

Gefühl und Politik

Malerisches Tagebuch mit Zeichnungen und Schriften: Die kuratorische Assistentin Katharina Proksch erklärt im Kai 10 das in Istanbul entstandene „Grande Büfe“ von Esther Ernst. Foto: bikö

Gleich vorne hängt eine siebeneinhalb Meter lange Feinarbeit. Die in Berlin lebende Schweizerin Esther Ernst hat während eines dreimonatigen Stipendiaten-Aufenthalts in Istanbul Anfang 2023 ihre Erlebnisse auf einer Papierrolle verarbeitet – in schwerelosen Zeichnungen und tagebuchartigen Bleistiftnotizen, die ebenfalls Zeichnungen sind und dem aufmerksamen Betrachter zugleich viel erzählen können. Zwischen Lageplänen, Ornamenten und figurativen Details wie einer Möwe und einer Teekanne berichtet die Künstlerin von informellen Märkten, dem roten Notfallrucksack im Schrank oder einem Transporter mit Sarg, der auf offener Straße von der Nachbarschaft beweint wird. Es geht mal um Politik, mal um persönliche Befindlichkeit – bis ein großes Erdbeben das Land erschüttert. „Grande Büfe“ (Großes Büffet) nennt Esther Ernst ihr wunderbar altmodisches Reise-Mosaik.

Auch Franz Ackermann, heute Professor an der Karlsruher Akademie, holt sich auf Reisen eine Fülle von Inspirationen. Seine „Mental Maps“ sind kleine, farbstarke Aquarelle, die während einer Asientour in den frühen 1990er-Jahren entstanden. Was zunächst abstrakt wirkt, birgt doch Gesehenes, Erlebtes: Häuserteile, Straßenzüge, eine liegende Gestalt vielleicht. Allerdings verweigert der Maler die Abbildung, die Dinge sind verschlungen und verschwommen wie in einem Traum.

Innere Landschaften zeichnet die Berlinerin Isabell Schulte mit Buntstiften auf große Papierformate. Viereinhalb Meter lang ist ihr Werk „part X“ von 2022/23. Foto: bikö

Schwankende Linien

Ähnliches gilt für die Zeichnungen und Collagen von Jens Bleckmann aus Gießen. Mit Fineliner und Graphit spürt er der Umgebung nach. Da ist ein „Zeppelin rechts oben“ oder eine „Kirche am Berghang“. Alles wirkt fragil, zersplittert wie letzte Skizzen einer verwehten Zivilisation. Äußerst subtil sind auch die Arbeiten von Christian Pilz, 1978 in England geboren, Berliner Meisterschüler von Leiko Ikemura. Seine Zeichnungen gleichen Stadtplänen und Luftbildern. Oder sie offenbaren Strukturen wie von Architekturen, zart wie Spinnenweben. Frei gezogene Raster aus dünnsten Linien geraten optisch ins Schwanken – das Auge kann es kaum aushalten.

Isabell Schulte liebt es, klar und großformatig zu arbeiten. Knieend, die Papiere liegen vor ihr am Boden. Mit Buntstiften zeichnet und wischt sie von links nach rechts eine innere Landschaft, dem eigenen Rhythmus folgend. Felder und Wege scheint es da zu geben, Streifen, Kringel, Tropfenmuster, eine dunkle Tiefe zieht sich wie ein Fluss durch das viereinhalb Meter breite Bild „part X“. Doch es dominiert Schönheit in heiteren, hellen Farben.

Ewiger Kalender

An der Wand gegenüber öffnet sich eine andere geheimnisvolle Welt. Olafur Eliasson, isländisch-dänischer Starkünstler, der mit seinen spektakulären Installationen aus Wasser und Licht ganze Bauten verändern kann, war hier ganz zurückhaltend. In den „Cartographic Series“ stellte er Satellitenaufnahmen des isländischen Landesvermessungsamtes in Tableaus zusammen. Vulkane, Gletscher, felsige Küsten werden da zu stillen, urzeitlichen Ereignissen.

Satellitenaufnahmen des isländischen Vermessungsamtes nutzte Olafur Eliasson vor 20 Jahren für seine poetisch anmutenden „Cartographic series“. Foto: bikö

Bleiben zwei Maler, die aufgrund kognitiver Beeinträchtigungen der sogenannten Outsider-Kunst zugerechnet werden (Co-Kurator Klaus-Peter Kirchner ist ein Experte dafür). Julius Hartauer aus München folgt unbeirrbaren Konzepten, er zeichnet mit Blei- und Buntstiften einen „Ewigen Kalender“, der bereits bis ins 5. Jahrtausend reicht. Daneben erfindet er Karten mit selbst benannten Plätzen und Straßen, die ihm am Herzen liegen. Michael Golz nimmt den Raum ein mit seinem „Athosland“, einem Fantasie-Kontinent, den er auf riesigen Kartenwerken festhält. 8000 furios und zugleich präzis bemalte Blätter, mit Tesafilm zusammengeklebt, zeugen von diesem Land, für das Golz auch eine Sprache und Orte ersonnen hat. Seltsame Wesen leben dort: Ängstlichzähne, Autobahnschlangen oder Putzviecher. Die Beunruhigung zu kartographieren, hat etwas Beruhigendes. Certainly.

Fantasiereise: Raumeinnehmend ist die Karte des Kontinents „Athosland“, den der Outsider-Künstler Michael Golz erfunden hat. Foto: bikö

Was, wann und wo?

„Uncertain Maps“: bis 6. September im Kai 10 / Arthena Foundation, Kaistr. 10 im Medienhafen Düsseldorf. Geöffnet Di.-So. 11 bis 17 Uhr. Eintritt frei. Öffentliche Führungen alle 14 Tage sonntags um 15 Uhr, die nächsten am 15. und 29. März, 12. und 26. April, 10. und 31. Mai. www.kaistrasse10.de

StichworteArthena FoundationKai10
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