„Nur eine Phase“: Midlife-Spaß im Theater an der Kö Düsseldorf

Das gemeine Internet verrät alles: Ingolf Lück wird im Frühjahr schon 68 Jahre alt. Aber, hey, das merkt man nicht, wenn er auf der Bühne blitzschnell übers Seil hüpft und beeindruckende Liegestütze macht. Auf jeden Fall glaubt man ihm sofort, dass er ein Mann von 55 ist: Mischa in der Midlife-Krise. Mit Temperament, Tempo und Selbstironie zündet der Comedian und Tausendsassa der Fernsehunterhaltung im Theater an der Kö eine Komödie von Stefan Vögel, frei nach dem Bestseller von Maxim Leo und Jochen Gutsch: „Es ist nur eine Phase, Hase“.
Christiane, eine vernunftgeprägte Deutschlehrerin (sehr sympathisch: Tanja Haller), bereitet die Überraschungsparty zum 55. Geburtstag für ihren Mann Mischa vor. Doch der schleicht grau und gebeugt herein. Sein Chef im Verlag hat ihm Altersteilzeit angeboten („die Palliativstation der Arbeit“) oder, noch schlimmer, den „golden handshake“, Kündigung mit Abfindung. Natürlich soll ein „junger Schnösel“ ihn ersetzen. Auch die besten Freunde, Steuerberater Klaus (dynamisch: Sebastian Goder), und Gattin Heike (spritzig: Eva Mannschott) können ihn nicht trösten, haben selbst Rücken und ihre Eheprobleme.

Meister der komischen Verzweiflung: Sebastian Goder (links) und Ingolf Lück in einer Szene der Komödie “Es ist nur eine Phase, Hase”. Foto: J. Zumbusch / Theater an der Kö
Alterspubertät
Da gibt’s zwei Möglichkeiten: Depression oder Hyper-Aktion. Lück als Mischa schlüpft in eine Radlerkluft, die schon an sich für Lacher sorgt. Den Helm nimmt er kaum noch ab. Teure Fitnessgeräte blockieren das Zimmer des entsetzten Sohnes Lukas (Gilbert Brakonier), und Mischa zeigt eine Performance als Kampfsportler, der Christianes gute Handtücher mit Schmieröl verschmiert. Verschärft wird die Situation, als best Friend Klaus heulend um Obdach bittet. Nachdem er es selbst mit der Treue nie genau nahm, hat ihn die frustrierte Heike vor die Tür gesetzt und ihrerseits mit einem jüngeren Hünen angebandelt.
Nüchtern betrachtet, wimmelt es in der weiten Sparte der Romantischen Komödien von solchen Verwicklungen: Krise, Trennung, Versöhnung in der Phase, die hier als „Alterspubertät“ erkannt wird. Die Story ist – bis auf einen kleinen, kaum beachteten Gag am Ende – nicht besonders originell. Aber darüber denkt man nicht nach. Die komische Verzweiflung wird so flott und lustvoll inszeniert (Regie: Marko Putišek), dass man sich einfach amüsiert. Und die Vertracktheiten des Lebens einen Abend lang leichter nimmt.
Theater an der Kö
„Es ist nur eine Phase, Hase“: Stefan Vögels Komödie nach dem gleichnamigen Bestseller von Maxim Leo und Jochen Gutsch mit Ingolf Lück in der Hauptrolle wird bis zum 8. März im Düsseldorfer Theater an der Kö gespielt. Die Kasse vor Ort in den Schadow-Arkaden ist Mo.-Sa. von 11 bis 20 Uhr und So. von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Auch kurz vor den Vorstellungen kann man dort nach Karten fragen. Tel.: 0211 / 322 333. www.theateranderkoe.de