Über den Durst: „Rausch“ im Theater an der Kö Düsseldorf

Bloß jetzt nicht an Mads Mikkelsen denken, den dänischen Superstar, und an den oscarprämierten Film „Der Rausch“! Verglichen mit großem Kino ist die Trunkenheit im Theater an der Kö von ernüchternder Natur. Aber Filmemacher und Autor Thomas Vinterberg hat die kleine Bühnenversion des Alkoholdramas selbst in die Welt gesetzt. Am Boulevard bei Heinersdorff gibt es jetzt eine Düsseldorfer Inszenierung – mit Trinkliedern von den Toten Hosen: „Eisgekühlter Bommerlunder“ eignet sich zum Grölen. Das Publikum liebt‘s.
Frauen, Kinder und andere Leute, die man aus dem Film kennt, werden hier zwar erwähnt, treten aber nicht auf. Das Spiel konzentriert sich streng auf vier Männer: Freunde und Lehrerkollegen, die sich selbst langweilig geworden sind. Sportlehrer Tommy (Benjamin-Lew Klon) hat seine Mannschaft nicht im Griff, Musiklehrer Peter (Raphael Grosch) und Geschichtslehrer Martin (Tommaso Cacciapuoti) können ihre Schüler schon lange nicht mehr begeistern, Philosophielehrer Nikolaj (Carl Bruchhäuser) zappelt vergeblich mit seinem Nasenspray vor der Klasse herum. Auch die Beziehungen, hört man, befinden sich in der Krise. Frust auf ganzer Linie.

Vier Freunde geraten außer Kontrolle (von links): Benjamin-Lew Klon, Carl Bruchhäuser, Tommaso Cacciapuoti, Raphael Grosch im „Rausch“. Foto: Dennis Häntzschel / Theater an der Kö
Tage wie diese
Ein Gläschen unter Freunden hebt immer die Laune. Und gibt es da nicht diese nette Theorie des norwegischen Psychiaters Finn Skåderud, wonach der Mensch mit 0,5 Promille Alkohol im Blut glücklicher und leistungsfähiger wäre? Die Clique beschließt, die These zu testen und während der Arbeitszeit stets ein bisschen was zu trinken. Wodka in der Wasserflasche – merkt doch kein Mensch. Tatsächlich wird der Alltag zunächst lustiger und leichter, die Performance vor den Schülern lockert sich. In den Kulissen einer Turnhalle, mit Bock und Pferd, Kasten, Sprossenwand und Körpereinsatz lässt sich das temperamentvoll inszenieren.
Erfolge stellen sich ein. Aber es kommt, wie es kommen muss. Die Freunde können sich nicht mäßigen, erhöhen die tägliche Dosis „bis zur Zündung“. Die Kontrolle schwankt, besonders Tommy kann sich nicht beherrschen, der Suff geht tödlich für ihn aus. Aber wir sind ja zum Spaß hier in diesem Theater. Das Opfer darf wieder aufstehen und mit den Freunden singen: „An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit.“ Die Botschaft des Stücks ist auf keinen Fall so streng wie die Ermahnungen der Gesundheitsbranche. Eher etwas vernebelt: Alkohol kann fatal sein, aber auch ein hilfreiches Lebens-Mittel. Darauf trinken wir einen Aperol Spritz in der Theaterbar. Prost!
Mehr Vorstellungen:
„Rausch“ von Thomas Vinterberg und Claus Flygare in einer Inszenierung von Miguel Abrantes Ostrowski wird bis zum 15. November im Düsseldorfer Theater an der Kö gespielt. Karten an der Theaterkasse in den Schadow-Arkaden, unter Tel. 0211 / 32 23 33 oder online www.theateranderkoe.de