Mit Glanz und Freibier: Volksbühne Düsseldorf feiert den Saisonstart

Das Rednerpult konnte hinausgetragen werden. Kulturministerin Ina Brandes redet gern frei über ihre Liebe zum Theater: „Ich freue mich immer, wenn September ist und es wieder losgeht.“ Der allererste Applaus der Saison im voll besetzten Düsseldorfer Schauspielhaus kam von der Volksbühne. Traditionell genießt der mit 7200 Mitgliedern größte Besucherverein des Landes NRW eine Extra-Show – mit Pröbchen aus großen und kleinen Häusern. „Feines und Zartes, Derbes und Lautes“ präsentierte Moderator Stefan Fischer-Fels, Leiter des Jungen Schauspiels und Meister der lockeren Ansage. Und am Ende gab’s Freibier im Foyer.

Endlich wieder Theater: Die Volksbühne lud zum Saisonstart ins Schauspielhaus ein. Foto: bikö
„Glamour für alle“ hat der neue Generalintendant des Schauspielhauses, Andreas Karlaganis, versprochen. Er bemüht sich sehr ums rheinische Wesen und versichert, er sei bereits „Düsseldorfer im Herzen“. Keine leichte Sache für einen Schweizer, der eher zur Bedächtigkeit neigt. Als Beispiel für kommende Premieren hat er denn auch ausgerechnet eine melancholische Szene aus „Fanny und Alexander“ ausgewählt (Kleines Haus, 19. September). Gut, dass Effi Biest, die hochblonde Drag-Diva in rot schillernder Paillettenrobe, die Co-Moderation übernommen hatte und ihrem allzu lässig gekleideten Kollegen Fischer-Fels gleich ein Glitzerjackett verpasste. Das Publikum freute sich sehr.
Jung und Alt
Anders als das Schauspielpublikum im Allgemeinen hat sich die Volksbühne dem Anschein nach nicht verjüngt. Ältere Damen, ohnehin die Trägerinnen der bürgerlichen Kultur, waren bei der Matinée jedenfalls deutlich in der Mehrheit. So empfahl Fischer-Fels, „euren Enkel an die Hand zu nehmen“, um auch das Angebot im Central zu nutzen, wo für die Jugend zum Beispiel „Samurai X“ (am 25. September) uraufgeführt wird – ein modernes Spektakel mit Streetdance und Martial Arts nach Kurosawas klassischem Film. Das Ensemble zeigte schon mal die tollsten Kapriolen.

Spaß mit dem Theater an der Kö: das Ensemble der „Männerbeschaffungsmaßnahme“ nach einem schmissigen Auftritt. Foto: bikö
Ein Frauenchor aus dem Stadt:Kollektiv, der heutigen Bürgerbühne, wies mit einem strengen Wortwechsel auf ein Projekt zum Thema Sieben Todsünden hin. Es gibt, ebenfalls am 25. September, Performances im ganzen Central und abends eine Sondervorstellung für den fiesen Neid: „Paradise lost all over again“, das Paradies ist immer wieder neu verloren. Der Satz gilt in besonderem Maß für das voll frustrierte Opernhaus, wo, nach der Absage des Neubaus, nun der Saisonstart wegen eines instabilen Bühnenturms verschoben werden muss.
Oper in Not
Da nützt es auch nichts, dass Ministerin Brandes sich zum großen Musiktheater bekannte: „So eine Stadt wie Düsseldorf braucht ein Opernhaus von internationalem Rang.“ Und Bürgermeisterin Clara Gerlach versicherte, „dass wir an der Seite der Oper stehen“. Keiner aus der beleidigten Opern-Führungsriege zeigte sich. Immerhin schickte man zwei herausragende Stimmen. Heidi Elisabeth Meier (Sopran) sang keinen Hit aus „Carmen“, sondern das Klagelied der Micaëla. Mehr Sinnlichkeit kam von der charmanten Sarah Ferede (Mezzosopran): „Meine Lippen, die küssen so heiß“. Aber die Operettengala, bei der Lehárs Evergreen zur Geltung kommen könnte, steht erst im Sommer 2027 auf dem Programm.

Wohlklang aus der Oper: Mezzosopranistin Sarah Ferede sang Léhar zur Begleitung des Pianisten Andrea D’Alonzo. Foto: bikö
Was soll’s? Die Volksbühne hat auch unter ihrem neuen Vorsitzenden, dem Ex-Musikschulchef Peter Haseley, eine Neigung zu kleineren Theatern. Den ersten hörbaren Jauchzer gab’s für das „KaBaRett FliN“ in Gestalt von Noémi Schröder und ihrer kleinen Tochter Louisa, die französische Chansons sangen, ein bisschen schmissig, ein bisschen rührend. Ganz Paris träumt von der Liebe. Begeistert war man auch von der bunten Frauenriege aus der „Männerbeschaffungsmaßnahme“, die im Theater an der Kö bereits Premiere hatte: „Nur nicht aus Liebe weinen“. Klatschmarsch!
Für die Liebe
Für weiteren Spaß sorgte Anton Bachleitner vom Düsseldorfer Marionettentheater mit dem eitlen Auftritt eines hölzernen Pianisten: „Der Virtuos“ nach Wilhelm Busch. Vollendet wurde das vorwiegend heitere Potpourri schließlich vom Kom(m)ödchen mit dem Chef-Kabarettisten Martin Maier-Bode und Susanne Pätzold in der Rolle von EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen, die sich mit einem Bier vom anstrengenden Perfektsein und Demokratie-Verteidigen erholen will. So gelöst waren die Zuschauer*innen, dass sie zum Schluss bereitwillig die Hand des Sitznachbarn ergriffen und mit Drag-Queen Effi „The Rose“ von Bette Middler sangen – für die Liebe und die Freiheit.

„Auf geht’s!“ ist das Motto der neuen Saison bei der Volksbühne. Am Ende der Show gab’s Blumen für die Beteiligten. Foto: bikö
Mehr Theater
Bald startet das Schauspielhaus in die neue Saison. Erste Premieren sind Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ (18. September, Großes Haus) und „Fanny und Alexander“ (19. September, Kleines Haus). Nach der Premiere von „Bernarda Albas Haus“ am 24. September und „Samurai X“ im Central (25. September) ist das Publikum zum Theaterfest eingeladen: 26. September, ab 15 Uhr bis in die Nacht hinein.

Da lockt das Schauspielhaus. Am 18. September startet die Saison mit einem Klassiker: Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“. Foto: bikö
Der Verein “Kultur am Rhein Düsseldorfer Volksbühne” biete eine große Vielfalt an Tickets für Veranstaltungen. Weitere Informationen gibt es hier.