Grün denken: Kunsthalle Düsseldorf unterwegs im Malkastenpark

Es hätte längst losgehen sollen mit der Sanierung der Kunsthalle Düsseldorf. „Wir sollten ausziehen“, seufzt die kommissarische Chefin Alicia Holthausen, „wir sollten ein Interimsprogramm machen“. Doch dann entschieden Stadtplaner, die ganze Aktion um (mindestens) drei Jahre zu verschieben. Das junge Team musste noch einmal umdenken. Man überließ das leere Haus am Grabbeplatz erst einmal einer Reihe von Künstler*innen zum Wandbemalen und startet draußen die Serie „Kunsthalle unterwegs“. Im Malkastenpark gibt es „Ecologies in Motion“.

Bild der Natur: Die Spuren auf dem Biofilm verändern sich von selbst. „Kombucha-Painting“ von Asli Hatipoglu. Foto: bikö
Nun macht es immer Freude, durch den zweieinhalb Hektar großen englischen Landschaftsgarten hinter dem Malkasten zu spazieren. Der vereinseigene Privatpark mitten in der Großstadt ist eine lauschige Zuflucht, wo schon Goethe lustwandelte, als Gastfreund des damaligen Hausherrn Friedrich Heinrich Jacobi (1743–1819), eines Düsseldorfer Philosophen und Lebenskünstlers. Vertraute Skulpturen – von der 120 Jahre alten „Düsselnixe“ des Gustav Rutz bis zu Wilhelm Mundts „Trashstone“ (2015) – zeugen von der späteren Kunst-Geschichte des Malkastens. Aber wo bitte sind hier die „Ecologies in Motion“?
Markierungen

Fermentieren ist ihre Kunst: Asli Hatipoglu (vorne) mit Kuratorin Juliane Hoffmanns im Malkastenpark. Foto: bikö
Die Schau, heißt es im Folder, „greift den Park als sozialen, ökologischen und ästhetischen Raum auf“. Erinnert stark an den „Lantz’schen Skulpturenpark“, wo das Konzept ebenfalls den Sieg über die Skulptur davongetragen hat. Und in der Tat: Eine der sieben Teilnehmer*innen, die in Maastricht lebende Asli Hatipoglu, versuchte bereits 2014 in Lohausen, dem Publikum bei einem Schlückchen Kombucha-Tee „Fermentationsprozesse als Metapher für tieferliegende Auseinandersetzungen“ nahezubringen. Zwischen einem Gingko-Baum und einer Krim-Linde platziert sie jetzt pilzige Vorgänge auf Kombucha-Häuten wie Naturbilder.

An dieser Stelle gab es einmal ein barockes Gärtchen: Künstlerin Kanade Hamawaki installiert Markierungen. Foto: bikö
Noch schwerer zu verstehen sind die Pinne und Bauband-Markierungen, die Kanade Hamawaki, japanische Akademie-Absolventin, im Park verteilt hat. Sie erinnert damit an sorgfältig recherchierte frühere Formen des Pempelforter Grüns – wie ein barockes Heckengärtchen anstelle der weiten Wiese oder eine verschwundene Baumallee. Ein Folienband weist darauf hin, dass die Düssel, die so romantisch das Jacobi-Haus begrenzt, ursprünglich an anderer Stelle floss. Was als Natur betrachtet wird, ist letztendlich vom Menschen gemacht. Und soll Zukunft haben, weshalb das Publikum zur Eröffnung nährende Samen verteilen darf.
Augenzeuge
Klar, das ist der Sinn des Gartens. Der Mensch gestaltet sich keck die Natur nach dem eigenen Geschmack. Alles, was da kreucht und blüht, verschwindet irgendwann sowieso auf Nimmerwiedersehen. Wie der karbonzeitliche Schuppenbaum, der vor 300 Millionen Jahren auf Erden wuchs (mineralisierte Bruchstücke zeugen davon). Die Berliner Bildhauerin Stefanie Bühler hat einen Baumstumpf aus dunkel gewachstem Beton zum Denkmal der versunkenen Spezies gemacht. Der „Augenzeuge“ steht mit dicken Wurzeln am Venusteich, und man bemerkt erst aus der Nähe seine Künstlichkeit.

Kunst-Gewächs: Die Baumskulptur „Augenzeuge“ von Stefanie Bühler steht zwischen echten Pflanzen am Teich. Foto: bikö
Gar nicht künstlich sind die Flechten, mit denen sich der promovierte Molekular-Biologe und Installationskünstler Klaus Fritze beschäftigt. Die flachen Gewächse aus Pilzen und Algen, die sich zäh auf Oberflächen aller Art wie Holz, Stein oder sogar Metall festsetzen können, faszinieren den Gelehrten. Sie sind, so sagt er, „Pioniere“, Beschützer für Kleinstlebewesen und Umweltindikatoren. Selbst in einer toten Landschaft könnten sie gedeihen. Vier Guckkästen in den Bäumen ermöglichen einen Blick auf die verflochtene Art. Und in einem „Parklabor“ zwischen Linden züchtet Fritze neue Algen, die keineswegs nur im Meer vorkommen.

Wissenschaft und Kunst-Idee vereint der Molekularbiologe Klaus Fritze (neben Kuratorin Juliane Hoffmanns) mit einem „Parklabor“. Foto: bikö
Nur gucken!
Das ist wissenschaftlich interessant, macht aber künstlerisch nicht viel her. Zum Glück steht eine begehbare Skulptur auf dem Rasen unweit der bronzenen Mutter Ey mit ihren Künstlerkindern, die Gerda Kratz in den 1980ern geschaffen hat. Die (in USA geborene) nigerianische Künstlerin Temitayo Ogunbiyi schuf die Werkserie „Playground“, nachdem sie in Lagos nicht genug Spielplätze für ihre Kinder fand. Pflanzenhaft geschwungene Rohre, umwickelt mit Manilaseil, könnten theoretisch auch zum Klettern benutzt werden, sind dafür aber nicht fest genug im Malkastengrund verankert. Also: Nur gucken und anfassen, nicht dranhängen!

Fast ein Spielplatz: Aus der Serie „Playground“ von Temitayo Ogunbiyi stammt die von Christoph Westermeier und Alicia Holthausen flankierte Skulptur. Foto: bikö
Zwei weitere Positionen sind gelegentlich zu bemerken. Die Engländerin Katie Paterson will zur Eröffnung und an vier weiteren Terminen mit einer stark duftenden Räucherstäbchen-Aktion auf das Waldsterben hinweisen: „To Burn, Forest, Fire“. Und der Kunst-Koch Arpad Dobriban, der zum 250. Geburtstag der Düsseldorfer Akademie eine lange Tafel aufstellte, wird am 5. Juli, 14 Uhr, eine Speisefolge in vier Stationen mit Vorträgen servieren. Gegen Anmeldung (unter dobriban@me.com) und Teilnahmegebühr von 20 Euro.

Im Inneren eines Guckkastens von Klaus Fritze sucht ein Kunstfreund nach einer Flechte. Foto: bikö
Was, wann und wo?
Kunsthalle unterwegs: Die Schau „Ecologies in Motion“ im Malkastenpark Düsseldorf, Jacobistr. 6a, wird am Samstag, 23. Mai, 15 bis 20 Uhr eröffnet – mit Kombucha-Tee (15 Uhr), Begrüßung (16 Uhr), Räucherstäbchen (17 Uhr) und Samenaktion (18 Uhr). Geöffnet bis 30. August, täglich 11-17 Uhr. Eintritt: 2 Euro. Öffentliche Führungen ab nächster Woche jeden Samstag, 13.30 bis 14.30 Uhr. Mehr Infos unter www.kunsthalle-duesseldorf.de