Düsseldorf: Projekt „Housing First meets MAGS“ löst große Begeisterung aus

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS) am Fürstenwall hat eine Kantine, aber keinen Betreiber. Der Verein Housing First Düsseldorf widmet sich, neben der Vermittlung von Wohnraum, in der zweiten Stufe der Integration der ehemals Obdachlosen in den Arbeitsmarkt – mit Schwerpunkt Küche und Gastronomie. Da haben sich zwei gefunden, könnte man sagen. Denn seit fünf Wochen läuft das Projekt „Housing First meets MAGS“ und die Begeisterung ist auf beiden Seiten groß: Die Beschäftigten freuen sich über das leckere Essen und das Team von Housing First fasst auf dem Arbeitsmarkt Fuß.

(v.r.) Minister Karl Josef Lauman informiert sich über das Projekt bei Hubert Ostendorf, Alena Hansen, Oliver Ongaro, Dennis Nikolay und Patrick Bauer
Wie fing alles an?
Der Verein Housing First Düsseldorf vermittelt Obdachlosen Menschen eine eigene Wohnung, als ersten Schritt, wieder ein selbständiges Leben zu führen. Mit der Einrichtung und Übergabe der Schlüssel hört die Begleitung aber nicht auf. Sozialarbeiter betreuen weiter und helfen, wenn Bedarf ist. Denn viele Obdachlose haben gesundheitliche Probleme, sind Alkohol- oder Drogenabhängig. Die Erfahrung zeigt, dass sie sich im neuen Umfeld sehr schnell stabilisieren. Mit dem Projekt “Housing First meets Gastro“ unter der Leitung von Sozialarbeiter Dennis Nikolay, der gelernter Koch ist, ging es im nächsten Schritt darum, denjenigen, die bereit dazu sind, eine Arbeit zu vermitteln. Dabei hat die Metro dem Verein einen Weg aufgezeigt. In der Gastronomie werden immer Kräfte gesucht und für Arbeiten in der Küche muss auch keine komplexe Ausbildung absolviert werden. In zwei Workshops hatten einige Teilnehmer von Housing First die Gelegenheit erste Erfahrungen in der Versuchsküche und der Kantine der Metro zu sammeln. Dabei zeigte sich, dass die Möglichkeit für einige eine gute Chance darstellt. Über Kontakte der Metro wurden erste Praktika in Lokale vermittelt und im Zakk übernahm ein Team das Catering für die Auftretenden.

Das Kantinen-Teams des MAGS
„Housing First meets MAGS“
Die Übernahme der Kantine im MAGS ist nun eine weitere tolle Möglichkeit zu zeigen, dass das Projekt erfolgreich sein kann. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Unterstützung von Agata Reul. Die Sterneköchin hat ein eigenes Restaurant auf der Kirchfeldstraße und kümmert sich um das Team, dass die Kantine an derzeit zwei Tagen in der Woche betreibt. Die ehemals obdachlosen Menschen werden im Rahmen eines Praktikums an Abläufe und Arbeitsweisen eines professionellen Küchenbetriebes herangeführt, Ziel ist die (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt.

Im Intranet des MAGS wird der Speiseplan veröffentlicht
Agata Reul zeigt sich begeistert über die Motivation des Teams von sieben Personen, die in der Küche vorbereiten und dann auch das Essen ausgeben. Alles wird mit guten Zutaten frisch gekocht und angerichtet. Patrick, einer der Teilnehmer, freut sich über die neue Aufgabe. Agata Reul und Dennis Nikolay haben auch ein offenes Ohr für Probleme und wenn eine Aufgabe nicht klappt, gibt es eben eine andere, berichtet er. Aktuell ist die Kantine dienstags und donnerstags in Betrieb. Mittwochs ist das Team aber auch vor Ort und bereitet schon mal vor.

Individuell werden die Speisen nach Wunsch der Gäste zusammengestellt
Win-win
Die Bilanz nach fünf Wochen ist bestens, bis zu 180 Essen wurde in der Spitze ausgegeben, im Schnitt waren es 100 bis 150. Die Qualität des Essen hat sich auch schon im gegenüberliegenden Polizeipräsidium herumgesprochen, deren Mitarbeitenden ebenfalls die Kantine besuchen können (der Besuch ist nur mit Dienstausweis möglich). Beim Essen gibt es keinen vorgegebenen Preis, an der Kasse steht nur eine weiße Box mit QR-Code. Denn jeder kann selber bestimmen, was das Essen wert ist und entsprechend Bargeld einwerfen oder über Banking App oder Paypal bezahlen. Ziel ist es, dass sich das Projekt selber trägt.

Die Gäste entscheiden selber, was ihnen das Essen wert ist und zahlen individuell
Die Beschäftigten des MAGS sind sehr angetan vom Essen und der Freundlichkeit des Personals. Die ehemals verwaiste Kantine ist wieder ein Treffpunkt und bei schönem Wetter kann auch die Terrasse genutzt werden. Minister Karl Josef Laumann machte sich am Dienstag (14.4.) selber ein Bild vom Projekt. Für das Team hatte er als Geschenk einen Satz Schürzen mitgebracht. Von seinen Mitarbeitenden hatte er schon viel Lob zum Projekt gehört, bisher war er noch nicht dazu gekommen das leckere Essen selber zu probieren.

Patrick und Rüdiger machen Minister Laumann einen Teller fertig