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Home›Top News›„Nö“ sagen macht Spaß im Düsseldorfer Kom(m)ödchen

„Nö“ sagen macht Spaß im Düsseldorfer Kom(m)ödchen

Von Birgit Koelgen
30. November 2025
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Blumen von Seniorchef Kay Lorentz (rechts) gibt es für das Ensemble und alle Mitwirkenden nach der Premiere des neuen Kom(m)ödchen-Programms "Nö.Eine Entgleisung.". Foto: Birgit Kölgen

Immer haben sie was zu meckern, diese Boomer aus der alten Bundesrepublik! Halten sich für die wahren Freiheitskämpfer. Natürlich denken sie, früher sei das Kabarett scharfsinniger gewesen, subtiler böse, tiefgründiger. Ob das stimmt? Wer weiß. Fest steht, dass das Düsseldorfer Kom(m)ödchen, heute unter der Leitung von Lore Lorentz’ entzückender Enkelin Luzie, nicht mehr (nur) für den linksliberalen Bildungsbürger spielt. Sondern für alle. Weniger Anspruch, mehr Comedy. Aber mit Moral. „Nö. Eine Entgleisung.“ heißt das umjubelte neue Programm des Ensembles.

Gruppenbild des Ensembles (von links): Martin Maier-Bode, Daniel Graf (der bis Februar aussetzt), Grafs Vertreter Massimo Tuveri, Susanne Pätzold und Heiko Seidel. Foto: Kom(m)ödchen Düsseldorf

„Nö“ sagt zunächst mal Malte, der die Nachrichten von Krisen und Kriegen nicht mehr ertragen kann. Er schließt sich zu Hause ein, hat das Smartphone weggeworfen und bastelt an seiner Modelleisenbahn – mit herrlich pünktlichen Zügen zwischen Glücksburg und Schöningen an der Sonne. Ein Stück heiler Welt. Doch der Verweigerer (gespielt vom quirligen Massimo Tuveri, der Daniel Graf bis Februar vertritt) wird jäh gestört. Seine besorgten Freunde Sandra („ich als Psychotherapeutin“) und Jochen, ein Vertriebsexperte für Nasenhaarschneider, haben die Tür aufgebrochen.

 Der Enkeltrick

Susanne Pätzold und Martin Maier-Bode sorgen augenblicklich für turbulente Stimmung. Sie, Sandra, analysiert jeden, ist aber selbst hochneurotisch, desinfiziert sich dauernd die Hände und hat ein „Stopptanz-Trauma“ aus dem Kindergarten nie überwunden. Er, Jochen, fürchtet zu Recht das Ende der Karriere, weil sein Nasenschneidervertrieb von Chinesen übernommen wird. Auf die Wirtschaft ist kein Verlass, und der Staat hilft nicht, denn: „Die Politik ist nichts anderes als ein groß angelegter Enkeltrick.“ Schon jauchzt das Publikum und kriegt sich nicht mehr ein, als der führende Clown der Truppe auftritt. 

Heiko Seidel schlüpft wieder mühelos in wechselnde Brüllwitz-Rollen. Zunächst mal ist er der vierte Mann im Freundeskreis, der als Pizzabote den Aufstand gegen die Ausbeutung probt, nicht ausliefert und stattdessen als „Kreuzungsjongleur am Mörsenbroicher Ei“ sein Glück versucht. Außerdem hat er – Spaß muss sein – die Wohnung seines Kumpels Malte über Airbnb an vielerlei Gäste vermietet. Das gibt Seidel unter anderem die Gelegenheit, als finnischer Tangotänzer ulkige Bandwurmwörter zu erfinden und als rheinischer Hausbesitzer Günther mit der neonfarbenen Weste „auf der Krise zu reiten“.

Schöner Klüngel

Deals muss man machen, weiß der Günther, das Netzwerk schmieren und optimistisch bleiben. Das verbindet nämlich den rheinischen Klüngel-Kapitalisten mit dem orangefarbenen US-Business-Präsidenten Donald Trump, der nach Ansicht der Truppe sogar noch seinen Furz als „great“ darstellen würde. Ja, manche Witze sind etwas derb, aber das Publikum lacht sich kaputt. Keinen Sinn hat ja das Jammern und am Vergangenen hängen. Seidel als Steinzeitmann knabbert Läuse aus dem ungekämmten Haar und macht klar, wie nett und warm wir es heute haben. Wenn da nicht die KI wäre, die nach der Weltherrschaft greift … Ein Avatar von Günther in Gestalt von Martin Maier-Bode wird allerdings rechtzeitig von einem wütenden Airbnb-Gast vernichtet.    

Ach ja, dann taucht auch noch EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen auf, die sich mal vom anstrengenden Perfektsein erholen und „die Uschi“ sein will. Auch Susanne Pätzold ist eine nimmermüde Gestaltwandlerin und gibt zwischendurch mit Anzug und Perücke mal kurz Heinrich Heine („Denk ich an Deutschland …“) sowie den TV-Moderator und Meister der Umfragentabelle, Jörg Schönenborn. Insgesamt sind es 21 verschiedene Figuren, die in zwei Stunden von vier Leuten gemimt werden. Dazu singen sie noch nett („Gerechtigkeit macht glücklich“), und am Ende gibt’s Standing Ovations.

Mehr Kabarett:

„Nö. Eine Entgleisung.“ Neues Ensemble-Programm des Düsseldorfer Kom(m)ödchens, geschrieben von Dietmar Jacobs, Martin Maier-Bode und Christian Ehring. Regie: Hans Holzbecher. Das satirische Stück wird bis ins nächste Jahr hinein gespielt, auch das Vorgänger-Stück „Don’t Look Back“ (siehe Besprechung vom 7. November) steht weiter auf dem Plan. www.kommoedchen.de

   

  

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