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Home›Kultur›Wackerbarth will mehr Haltung in der Düsseldorfer Kunst

Wackerbarth will mehr Haltung in der Düsseldorfer Kunst

Von Birgit Koelgen
18. August 2024
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Letzte Vernissage: Fotokünstler Horst Wackerbarth (mit Hut) verabschiedet sich mit seinem Verein KUH ("Kunst und Haltung") vom Publikum in Heerdt. Foto: bikö

KUH – „Kunst und Haltung“: Das klingt streng. Vereinsvorsitzender Horst Wackerbarth ist zwar mit einer roten Couch berühmt geworden, hat es sich aber nie gemütlich gemacht. Er schleppte das Sitzmöbel durch die Welt, stellte es in Steppen und Städten auf, im Sand und im Müll, ließ unbekannte und prominente Leute darauf Platz nehmen, fotografierte sie und schuf so Porträts der menschlichen Gesellschaft. Mit dem Verein KUH etablierte er vor drei Jahren einen Ausstellungs- und Diskussionsraum in einer ehemaligen Fabrikhalle an der Hansaallee in Heerdt. Und löst ihn jetzt wieder auf – mit einer letzten Schau: „Tabula Rasa“.

Mit leichtem Jazz und ein bisschen Wehmut verabschiedet sich das Publikum von der KUH-Halle. Hinten an der Wand: ein Rhein-Foto von Stephan Kaluza. Foto: bikö

Leichter Jazz und sanfte Wehmut schweben durch den Saal, langsam stellen sich Freunde und Künstler*innen ein, trinken ein letztes Bier auf das Experiment KUH. Trotz der Pandemie und nachfolgender Schlaffheit hatte Wackerbarth mit seinen kreativen jungen Mitstreitern Micha Krisch und Felix Brauner über 100 Veranstaltungen organisiert – Vernissagen, Konzerte, Diskussionen, gemischtes Treiben. Doch die Kosten überstiegen die Einnahmen, und der 74-jährige Wackerbarth war eh nicht zufrieden. Er ließ den Vertrag auslaufen.

Blick in den schönen großen Saal an der Hansaallee 159, der drei Jahre lang vom Verein KUH bespielt wurde. Foto: bikö

Schluss mit Smalltalk

Denn große Events haben für ihn zu viel mit Partys zu tun, das Volk will kultiviert feiern und: „Diesen ganzen Smalltalk kann ich nicht mehr ertragen.“ Haltung verlangt er statt Unterhaltung. Deshalb wird sich KUH verkleinern. In einem ehemaligen Antiquariat an der Roßstraße, wo Wackerbarth jetzt schon sein Atelier hat, soll es kleinere, konzentrierte Veranstaltungen geben. Ein ursprünglicher Plan, mit dem Nachmieter der schönen großen Halle im Hof der Hansaallee 159 zu kooperieren, wurde verworfen. Da ginge es, so Wackerbarth, um Kunsthandel und Gastronomie, kurz, Business, und da sei „für Haltung kein Platz“.

Interessiert betrachten Besucherinnen einige Malereien (unter anderen von Walter Padao). Rechts: die rote Couch aus der Fotoserie von Horst Wackerbarth. Foto: bikö

Die jungen Partner versuchen einzulenken. Gegen gute Unterhaltung sei ja nichts einzuwenden, meint Micha Krisch. Aber charmante Anpassung ist nicht Wackerbarths Art. Dabei präsentiert er sehr wohlwollend Werke mitstreitender Künstler: das witzig-ernste „Menetekel“-Männchen von Amos Plaut zum Beispiel, ein malerisches monumentales Rhein-Foto von Stephan Kaluza, einige eigenwillige kleine Stillleben von Klaus Sievers („Erdbeerschnitte“, „Kirsche“), Konzept-Digital-Prints aus der Küche von Henrik Stuch („Es darf nie aufhören mit der Würze“) oder die realistischen Reportagebilder von Caspar Ermert aus Kolumbien und Armenien.

Auch draußen vor der Tür hängt Kunst: Wackerbarth berühmtes Couch-Foto von dem Geigen-Virtuosen Yehudi Menuhin mit Partitur auf der Müllhalde. Foto: bikö

Das rote Sofa in seiner Pracht und Fotos aus der endlosen Serie von Wackerbarth sind natürlich auch dabei: Ein stolzer Medizinmann thront auf dem Samtpolster in South Dakota, und das kohleverschmierte Abbau-Team des Bottroper Bergwerks Prosper-Haniel schwitzt seine Melancholie darauf aus. Kunst mit Haltung eben.

Und die Finissage:

Die Abschiedsschau „Tabula Rasa“ des Vereins KUH bleibt noch ein paar Tage in der Halle an der Hansaallee 159 in Düsseldorf-Heerdt. Besichtigung auf Verabredung. Die öffentliche Finissage ist am Freitag, 23. August, ab 19 Uhr. www.kunst-und-haltung.de

StichworteKUHWackerbarth
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