Düsseldorf: Mostertpöttches ehren Karin Houck mit Klinzing-Plakette und schwungvoller Theaterrevue

Normalerweise werden Ehrenabzeichen gerne auf einem roten Samtkissen zur Ehrung gebracht. Die Baas der Mostertpöttches, Hildegard Dahmen, brachte am Montagabend (2.11.) die Karl-Klinzing-Plakette für Karin Houck in einem Nähkörbchen auf die Bühne des Theaters an der Kö. Das war die erste Anspielung, hieß die Kultkneipe der Wirtin doch „Nähkörbchen“. Dort war das Vereinslokal der KG Regenbogen, es wurden Freundschaften und Ehen gestiftet und insbesondere die schwul-lesbische Community der Landeshauptstadt fand einen sicheren Raum, ihre Altstadt-Heimat. „Karin, du hast Generationen von Gästen begleitet und mit deinem Nähkörbchen etwas geschaffen, das man mit keinem Geld der Welt kaufen kann: ein Gefühl von Zuhause“, lobte der Laudator Oliver Wilmering. Der Vorsitzende des Schaustellerverbands Düsseldorf hatte im vergangenen Jahr die Karl-Klinzing-Plakette erhalten und hielt als Vorgänger traditionell die Laudatio.

Viele Freunde von Karin Houck und der Mostertpöttches waren zur Ehrung gekommen, Foto: Karina Hermsen
Die Karl-Klinzing-Plakette der Mostertpöttches , der Gilde der Liederdichter, Büttenredner, Sänger, Parodisten, Fanfarencorps, Tanzcorps und Musikkapellen, erhalten seit 1960 Personen, die sich um Düsseldorf und die dort lebenden Menschen verdient gemacht haben. „Nachdem die Mosterpöttches mich im Kirmes-Körbchen auf der Düsseldorfer Kirmes mit der Nachricht überraschten, mir die Karl-Klinzing-Plakette zu überreichen, war ich zunächst erstaunt, dann erfreut und auch ein wenig stolz“, erklärte Houck. „In den Tagen danach habe ich über den Grund für diese Auszeichnung nachgedacht und es als Anerkennung dafür gesehen, dass ich 52 Jahre lang in der Altstadtgastronomie immer mit viel Herz für meine Gäste da war.“

Laudator Oliver Wilmering, Foto: Karina Hermsen
Wilmering skizzierte die Plakettenträgerin 2026 als Frau mit einem riesengroßen Herzen, die sich gegen die Ungerechtigkeiten der Welt mit einer harten Schale schützen muss, damit der butterweiche Kern keinen Schaden nimmt. „Wir lieben dich, weil du ehrlich bist, deine Meinung sagst, dich nicht verbiegst und hinter dieser manchmal rauen Düsseldorfer Schale ein riesengroßes Herz steckt. Du bist jemand, der für andere da ist, Menschen verbindet und Freundschaften pflegt. Und der selbst dann weitermacht, wenn es im Leben einmal schwierig wird“, betonte Wilmering in seiner Laudatio. „Das Nähkörbchen war nicht einfach eine Kneipe: Es war dein Lebenswerk. Du kannst nicht ohne Menschen, nicht ohne deine Stammgäste, die deine Freunde, ja deine Familie sind.“
Zu den allerbesten Freunden zählt die KG Regenbogen. Die Karnevalsgesellschaft wurde am 16. April 2000 unter Houcks Zutun an ihrem 43. Geburtstag gegründet. „Von Beginn an war Karin wie eine Mutti für uns“, gestand Regenbogen-Präsident Andreas Mauska. „Am Anfang hatte Karin elf Kinder, eben die KG Gründungsmitglieder, heute sind es 630.“ Und für Mauska hat Karin Houck eine besondere Bedeutung, hat er doch im Nähkörbchen seinen Ehemann kennengelernt.

Baas Hildegard Dahmen mit Karin Houck und Vize-Baas Manfred Castor, Foto: Karina Hermsen
„Bei meinen Überlegungen, warum ich die Karl-Klinzing-Plakette verdient haben, wurde mir auch klar, dass meine Gäste, Familie, Mitarbeiter und Freunde auch immer für mich da waren“, gestand Houck. „Darum fiel es mir besonders schwer, dass ich Anfang des Jahres das Nähkörbchen aufgeben musste, denn es hatte sich eine Nähkörbchen-Familie gebildet.“

Stehender Applaus für Karin Houck, Foto: Karina Hermsen
Wilmering konnte ihr eine Angst nehmen. „Du hast vielleicht den Schlüssel zum Nähkörbchen abgegeben, aber den Schlüssel zu den Herzen deiner Gäste und Freunde, den wirst du niemals abgeben müssen“, schwärmte Wilmering. „Liebe Karin, du hast nicht nur eine Kneipe geführt. Du hast Menschen ein Zuhause gegeben. Du bist ein echtes Original“, stellte der Laudator abschließend fest. „Und Originale kann man nicht ersetzen. Bleib uns noch lange erhalten. Denn Düsseldorf wäre ohne dich vielleicht ein bisschen leiser, aber ganz bestimmt ein großes Stück ärmer.“
Was folgte, nachdem Karin Houck die Plakette am Bande um den Hals trug, war eine schwungvolle, humoristische Theaterrevue, die das geladenen Publikum im Theater an der Kö begeisterte und Houck die Freudentränen in die Augen trieb. Wie für jeden Plakettenträger hatten die Mostertpöttches ein Theaterstück extra für Karin Houck geschrieben und das hatte hohes Amüsement-Potenzial, auch weil so manche Texthänger die Sympathiewerte ins unermessliche steigerten.

Viele Wegbegleiter*innen von Karin Houck beteiligten sich am Theaterstück, Foto: Karina Hermsen
Musikalisch ließ es sich die KG Regenbogen natürlich nicht nehmen ihren Beitrag zu leisten und auch die Vierscher Mispelblüten waren wieder dabei. Die Tänze, Parodien und Dönekes gipfelten im finalen Auftritt ihrer Hoheit Queen Elizabeth, gespielt von Mostertpöttches-Baas Hildegard Dahmen. Im Schlepptau ihr Gemahl Prinz Philipp. Da wurde aus dem Nähkörbchen das „little sewing basket“ und aus Houcks Kneipe „the only location that braucht keine Heizung“.

Max Weyers und die Vierscher Mispelblüten, Foto: Karina Hermsen
Als Heinz Hülshoff gemeinsam mit Michael Hermes „Der schönste Platz ist hinter einer Theke“ sang, war die Stimmung auf dem Höhepunkt.

Beim großen Finale durfte die KG Regenbogen nicht fehlen