Düsseldorf: Zuckersteuer soll positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben

Die Bundesregierung hat entschieden zum 1. Juli 2027 eine Zuckersteuer einzuführen. Sie soll für Getränke mit einem Gesamtzuckergehalt von mindestens fünf Gramm pro 100 Milliliter gelten. Dazu zählen beispielsweise Limonaden, Eistees, Energydrinks und Fruchtsaftgetränke mit Zuckerzusatz, aber nicht Getränke mit Alkohol, alkoholfreie Biere, Weine, Cocktails, Zero-Getränke sowie reine Frucht- und Gemüsesäfte oder ungesüßte Schorlen. Die Höhe der Stuer richtet sich nach dem Zuckergehalt je 100 Milliliter. Getränke mit fünf bis weniger als acht Gramm Zucker je 100 Milliliter sollen mit 26 Cent je Liter besteuert werden. Liegt der Zuckergehalt über acht Gramm Zucker je 100 Milliliter, liegt die Steuer bei 32 Cent je Liter.
Während Kritiker betonen, die Bundesregierung wollen damit nur die Höhe ihrer Steuereinnahmen maximieren, sehen Befürworter die Chance damit einen positiven Effekt für die Gesundheit der Bevölkerung zu erreichen. Denn Mediziner machen deutlich, dass mit einem hohen Konsum zuckergesüßter Getränke ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes besteht.
Das zeigen große Beobachtungsstudien auf, wie Prof. Dr. Michael Roden, Diabetologe des Universitätsklinikums und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ), betont. Zucker sei zwar nur ein Faktor unter mehreren, denn auch genetische Veranlagung, eine zu hohe Energiezufuhr und Bewegungsmangel, beeinflussen das Risiko für Typ-2-Diabetes, aber ein leicht zu beeinflussender.

Prof. Dr. Michael Roden, Direktor Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ). Foto: DDZ
„Ein hoher Konsum zuckergesüßter Getränke ist aus gesundheitlicher Sicht bedenklich. Wer regelmäßig zuckergesüßte Getränke statt Wasser trinkt, nimmt zusätzliche Kalorien zu sich. Ein langfristiger Kalorienüberschuss kann zu Übergewicht führen, was zu den wichtigsten Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes zählt“, erklärt Prof. Dr. Michael Roden. „Ein erhöhter Konsum von Fruchtzucker (Fruktose) fördert zudem die Entstehung einer metabolischen Fettlebererkrankung.“
Was vielen immer noch nicht klar ist: ein halber Liter Cola enthält rund 18 Stück Würfelzucker. So können durch zuckergeüßte Getränke schnell erhebliche Mengen Zucker zusammenkommen und das risiko steigern, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Dabei spielen vermutlich vor allem die zusätzliche Energieaufnahme und eine mögliche Gewichtszunahme eine Rolle, aber auch ungünstige Folgen für den Stoffwechsel, etwa eine schlechtere Wirkung des Hormons Insulin im Körper.
Typ-2-Diabetes entwickelt sich meist über viele Jahre, häufig über Vorstufen wie eine zunehmende Insulinresistenz und einen erhöhten Blutzucker (Prädiabetes). Zuckergesüßte Getränke sind dabei aber nur ein Faktor unter vielen. Das Risiko wird
ebenso von Übergewicht, vor allem vermehrtem Bauchfett, von Bewegungsmangel, Alter und auch fettreicher Ernährung beeinflusst.
Welche Folgen ein Typ-2-Diabetes langfristig haben kann, sieht man am Universitätsklinikum Düsseldorf im klinischen Alltag. Ein über längere Zeit unzureichend eingestellter Blutzuckerspiegel schädigt Blutgefäße und Nerven. Zu den möglichen Folgeerkrankungen gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle sowie Nieren-, Augen- und Nervenschäden.
„Natürlich führt nicht eine einzelne Limonade zu Typ-2-Diabetes und seinen Folgeerkrankungen. Aber der regelmäßige Konsum zuckergesüßter Getränke erhöht das Risiko. Und damit sprechen wir über gesundheitliche Folgen, die in vielen Fällen vermeidbar
wären“, betont Prof. Roden.
Dabei können bereits einfache Veränderungen im Alltag helfen, die Zuckeraufnahme erheblich zu reduzieren. Wer zuckergesüßte Getränke regelmäßig durch Wasser oder ungesüßten Tee ersetzt, kann ohne großen Aufwand beträchtliche Mengen
Zucker einsparen und schont dazu noch den Geldbeutel. „Die beste Prävention für Typ-2-Diabetes und Folgeerkrankungen ist, vermeidbare Risiken möglichst früh zu reduzieren“, rät Prof. Roden.
Ob eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke das Konsumverhalten tatsächlich verändert und langfristig zu weniger Diabeteserkrankungen führt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt: „Erste internationale Erfahrungen zeigen positive Effekte auf den Zuckergehalt von Getränken, das Kaufverhalten und einzelne Gesundheitsindikatoren. Ein langfristiger Rückgang der Diabetes-Neuerkrankungen infolge einer solchen Steuer ist dagegen bislang nicht ausreichend belegt. Deshalb muss sie von einer professionellen Evaluierung und Analyse begleitet sein“, gibt Prof. Roden zu bedenken. Zudem kann die Zuckersteuer nur ein Baustein unter mehreren sein, etwa neben einer Einschränkung der an Kinder und Jugendliche gerichteten Werbung sowie einer umfassenden Ernährungsstrategie.
Wie Diabetes entsteht, warum die Erkrankung bei unterschiedlichen Menschen verschieden verläuft und welche Faktoren das Risiko schwerer Folgeerkrankungen beeinflussen, gehört zu den zentralen Forschungsschwerpunkten des Deutschen Diabetes-Zentrums, des Universitätsklinikums Düsseldorf und der Heinrich-Heine-Universität. Unter der Leitung von Prof. Roden untersucht die Deutsche Diabetes-Studie (GDS) Menschen mit neu diagnostiziertem Diabetes über 20 Jahre hinweg. Die Studie identifizierte Subtypen, also Untergruppen des Typ-2-Diabetes, die bereits bei Diagnose erkennbar und durch unterschiedliche Krankheitsverläufe gekennzeichnet sind. Ziel ist, in Zukunft die Vorsorge und Behandlung individueller gestalten zu können.