Sprießende Ideen: Gartenkunst im Malkastenforum Düsseldorf

Genervt vom städtischen Gedöns und dem Kampfshoppen an der Schadowstraße? Da hilft ein Spaziergang durch den Malkasten-Park. Sanft sinken Herbstblätter auf den Venusteich, still verwittert die steinerne Düsselnixe an ihrem Brünnlein, Goethes Geist schwebt über allem. Es ist eine Düsseldorfer Oase, mit einem Zaun vor Rabauken gesichert, unter Denkmalschutz wie das historische Jacobi-Haus und der Hentrich-Bau, die stolzen Domizile des traditionsreichen Künstlervereins. Dem „Garten der Möglichkeiten“ ist nun eine Ausstellung im Malkastenforum gewidmet.

Zwischen Malkastenforum (links) und dem Jacobi-Haus liegt der verborgene Eingang zum Malkastenpark. Foto: bikö
Auch, wenn es draußen ungemütlich wird, kann man in der feinen kleinen Galerie vom Frühlingserwachen träumen. Auf den Spuren der Künstler, die seit dem 18. Jahrhundert hier lustwandeln – zuerst als Gäste der Unternehmerfamilie Jacobi, später als Mitglieder und Freunde des Vereins Malkasten, der das Grundstück um 1860 erwarb und seither nicht mehr hergab. Wie sich die geschniegelten Herren Malkästner 1898 auf der Wiese vor der Terrasse rauchend und trinkend amüsierten, zeigt ein Holzstich aus der Zeitschrift „Gartenlaube“ nach einem Gemälde von Eduard Daelen. Damen wurden ja erst ab 1977 gnädig aufgenommen …

Lustig war das Künstlervereinsleben: Holzschnitt aus der „Gartenlaube“ von 1898 – gefunden im Malkasten-Archiv. Repro: bikö
Verlorene Venus
Kuratorin Beate Kolodziej hat tief im Archiv geforscht und Etliches gefunden – von impressionistischen „Garten-Concert“ von Gustav Marx (1898) bis zu den melancholischen Schwarz-Weiß-Fotografien, die Oskar Söhn 1945 vom zerbombten Park mit den Ruinen des Vereinshauses machte. Bei den Luftangriffen 1943 war das ganze Viertel dem Erdboden gleichgemacht worden. Die 1860 aufgestellte „Venus“ von Capua“, eine Nachbildung aus Zink, war auf Nimmerwiedersehen dahingeschmolzen. Mit Rührung sieht man sie nun auf einem 1896 entstandenen Gemälde von Hanny Stüber (als Frau kein Mitglied, nur geduldet).

Nachtbild aus Monets Garten: Malkastenchef Christoph Westermeier vor einer Fotografie „Giverny I“ von Elger Esser. Foto: bikö
Gleich daneben zieht ein monumentales Nachtbild die Blicke auf sich: ein Teich mit Seerosen, Büsche am Rand, im Hintergrund ein geschwungenes Brückchen. Es ist Monets Garten in Giverny, den der Becher-Schüler Elger Esser 2010 mit einer Sondergenehmigung bei Dunkelheit betreten und fotografieren durfte. Das Motiv, von Monet selbst x-fach variiert und tausendfach reproduziert, ist allgemein bekannt, aber die Abwesenheit der Farbe macht es zu etwas nie Gesehenem.
Wachsende Dinge

Kuratorin Beatę Kolodziej und Christoph Westermeier zwischen einem Ficus-Objekt von Giuseppe Penone und einem Gemälde von Silke Leverkühne. Foto: bikö
Noch etliche andere Werke der Gegenwart passen der Kuratorin vortrefflich ins grüne Konzept. Das große Fenster zum Park wird flankiert von einem üppig sprießenden „Biotop“ der Düsseldorfer Malerin Silke Leverkühne und Giuseppe Penones „Gesto vegetale“ (1985, Leihgabe aus Kleve), einer kuriosen Mischung aus einem echten Ficus Benjamini und bronzenen Ranken in einem Kreis von Tontöpfen.

Der Kunst-Globus „Strait Nesting“ von Katja Davar schwebt vor digital bemalten Fotocollagen von Johannes Bendzulla. Foto: bikö
Mitten im Raum schwebt ein Globus aus Glasfaser, von Katja Davar ganz zart gezeichnet mit den Spuren des Vogelflugs über Meeren und Kontinenten („Strait Nesting“, 2026). Dahinter an der Wand: expressive Kompositionen von Johannes Bendzulla, der Fotografien von Dingen und Landschaften digital übermalt. An der Stellwand gegenüber treiben die altmeisterlichen Radierungen von Christoph Knecht seltsame Blüten: Da gibt es ein Ohren-Kraut und eine Nasen-Wurzel, aus Händen werden Ähren. Der Mensch als Teil des biologischen Kreislaufs.
Neue Triebe

Auch Abstraktes kann an Pflanzliches erinnern – wie auf dem „URBILD“ von Tatjana Valsang. Foto: bikö
Auch auf Tatjana Valsangs großem „URBILD“ wächst etwas – schwarz-weiße Linien und Flecken auf fliederfarbenem Grund. Ganz unterschiedlich sind die Stilarten in der Ausstellung – und vertragen sich gut. Neben einem altväterlichen „Blick von der Terrasse auf die Hauptallee des Malkastengartens“ von Edmund Anton Kohlschein (1930) hängt ein witziges Wandobjekt mit ausgeschnittenen Aquarellbildchen zwischen Plexiglas: „Noch kein eigenes Kunststück geboren“ von Marie Grothe. Die junge Frau aus der Akademieklasse von Jesim Akdeniz ist eine von drei Studierenden, die sich für die Ausstellung vom Park haben inspirieren lassen.

Kunst der Abdeckung: Rita McBride hat die Outdoor-Möbel des Malkasten-Vereins mit bedruckten Planen verhüllt. Foto: bikö
Die Beziehungen zur Akademie entwickeln sich bestens, seit Ex-Rektor Tony Cragg und sein Nachfolger Christoph Westermeier als Vorsitzende die Vereins-Gepflogenheiten aufgefrischt haben. Und so ist es auch eine ehemalige Rektorin, die den kleinen Skulpturenhof bespielt. Die Bildhauerin Rita McBride wollte immer mal „mit Verhüllung“ arbeiten. Sie ließ wetterfeste Planen mit Archivfotos bedrucken und bedeckte damit Stapel von Outdoor-Tischen und Stühlen, die der Verein sonst irgendwo unterstellen müsste. „Gärten Mobil“ heißt die witzige Installation. Und das Fotomotiv sieht man hinten nochmal im Original von 1888: Fünf Künstler spielen da „Skat im Schnee“. Im Malkastenpark. Wo sonst?
Was, wann und wo?
„Garten der Möglichkeiten“: bis 23. Februar 2027 im Malkastenforum Düsseldorf, Jacobistr. 6a. Geöffnet Di. (Clubabend) 17 bis 21 Uhr, Do.-So. 11 bis 17 Uhr. Eintritt: vier Euro, für Mitglieder frei. In den Weihnachtsferien vom 21. Dezember bis 4. Januar bleibt das Forum geschlossen. Der angrenzende Park ist täglich (außer bei sehr schlechter Witterung) von 11 bis 17 Uhr zugänglich. Eintritt: zwei Euro. www.malkasten.org